Sommer, Liebe & Badelatschen: SLUBL-Festival zum ersten Mal im MAFZ!
Wo sonst im MAFZ in Paaren Karnickel auf eine kritische Bewertung der Ausstellungsprüfer warten, die Jäger zur Schlachteplatte bitten oder die Bauern einen Informationsaustausch mit der Bevölkerung anbieten, warnte am 28. März das Smartphone plötzlich vor einer akuten Überschreitung gesundheitsrelevanter Dezibel-Grenzen: Zum allerersten Mal gastierte das Techno-Event SLUBL im Erlebnispark Paaren – und ließ das tanzende Volk ausrasten.
Das war einmal ein Anblick, den man so vom MAFZ auch noch nicht gewöhnt war. Auf dem nächtlichen Weg zur großen Brandenburghalle musste man am 28. März über Berge von Bier- und Schnapsflaschen hinwegsteigen; viele Partygäste hatten hier anscheinend heftig vorgeglüht. Ein gewaltiger Bass ließ derweil die Halle im schnellen Techno-Rhythmus erbeben, außerdem fanden immer wieder grelle Lichtexplosionen einen Weg nach draußen, sodass die Brandenburghalle von außen wirkte, als trüge sie einen pulsierenden Heiligenschein aus Licht.
Ja, was war denn hier los? Im sonst so beschaulichen MAFZ, das sich von seinen Veranstaltungen her doch vor allem dem ländlichen Raum verpflichtet fühlt und den Veranstaltungskalender mit BraLa, Rassetierausstellungen und Schlachtefest füllt, stieg anscheinend eine gewaltige XXL-Party.
Korrekt: Am 28. März hatte Tobias Brudlo aus Nauen das Gelände gepachtet, um hier die allererste Indoor-Variante des Techno-Events SLUBL (www.slubl-events.de) zu veranstalten. Verschiedene Szene-DJs wie Lari Luke, Philipp Wolter, Misti, Die Gebrüder Brett oder IAMNOTYOU stellten sich nacheinander in die enge DJ-Kammer, um einen ordentlichen Schalldruck in die leergeräumte Halle zu entsenden. Über tausendsechshundert Besucher aller Altersstufen (mit Muttizettel und Begleitung sogar schon ab 16 Jahren) nutzen die Gelegenheit, um im Akkord-Stakkato der elektronischen Beats alles um sich herum zu vergessen. Frei nach dem Motto: Wer zu Techno tanzen möchte, muss dafür nicht erst bis nach Berlin fahren.
Das Techno-Festival SLUBL gibt es bereits seit 2015. Das Kürzel stand am Anfang noch für „Sonne, Liebe und Badelatschen“. Da dieser Titel aber bereits in ähnlicher Form vergeben war, wurde daraus schnell „Sommer, Liebe und Badelatschen“, um das Kürzel nicht zu verlieren. „Komm, wir gehen zu SLUBL“ wurde im Havelland nämlich schnell zum geflügelten Wort. Das Soundspektakel richtete sich von Anfang an an alle Freunde der elektronischen Musik, die eine „technoide“ Liebe zu mehr Beats in der Sekunde haben, als man sie zählen kann. Veranstalter Tobias Brudlo vom Tobo Veranstaltungsservice (www.tobo-vs.de): „Bei SLUBL bekommt man definitiv keine Schlager zu hören.“
2015 ging es los mit der Event-reihe. SLUBL wurde zunächst am Angelteich Markee inszeniert, damals noch mit Christopher Sauerbaum und Enrico Gennrich neben Tobias Brudlo. Der erzählt: „Trotz Corona hat SLUBL dort nur 2024 einmal nicht stattgefunden. Ab 2018 wurde die Event-Reihe sogar noch einmal erweitert – um unsere SLUBL Beach Partys. 2018 und 2019 haben wir bei Selgros in Falkensee unter dem Parkplatzdach gefeiert und dafür extra einen Sandstrand aufschütten lassen. Seit 2022 ist die Beach Party im Falkenseer Gewerbegebiet in der Chemnitzer Straße 5 Zuhause. 2023 und 2024 gab es sie auch am Bernsteinsee in Velten. 2025 haben wir das 10-jährige Jubiläum mit einem letzten Tanz am Angelsee gefeiert. Nun konzentrieren wir uns ganz auf Falkensee und auf unsere neuen Indoor-Events.“
SLUBL lebt. Aber die drei Gründer leben ihren Schulterschluss leider nicht mehr, Tobias Brudlo ist inzwischen der einzige, der die SLUBL-Strippen zieht: „Ja, das stimmt. Als SLUBL entstanden ist, waren wir drei Freunde. Aus den verschiedensten Gründen hat sich die Konstellation der Veranstalter immer wieder verändert – und ich bin am Ende übrig geblieben. Vielleicht ist am Sprichwort ja doch etwas dran: ‚Viele Köche verderben den Brei‘. Am Ende kann doch nur einer den Hut auf- oder den Latschen anhaben. Im letzten Jahr hat sich einiges verändert. Unser aktuelles Team ist inzwischen wie eine kleine Familie für mich, zumindest fühlt es sich so an.“
Schon ganz früh im Jahr 2016 kam die Idee auf, mit SLUBL auch ins MAFZ zu gehen, um indoor nicht mehr vom Wetter abhängig zu sein. Tobias Brudlo: „Da standen aber Kosten im Raum, die wir damals noch gar nicht stemmen konnten. Nach Corona wurde die Halle für die Unterbringung der Flüchtlinge verwendet. Im August 2025 kam meine Frau Eileen mit der Idee zu mir, jetzt doch noch einmal eine Anfrage zu starten. Und siehe da, nun hat alles geklappt. Wir haben auch sehr schnell einen passenden Termin gefunden. Im MAFZ hatten wir völlige kreative Freiheit beim Bühnenbau. Und wir hatten alles da, was wir brauchen – Strom, vernünftige Toiletten, Parkplätze und eben mega viel Platz. Meines Wissens ist die Brandenburghalle die größte Veranstaltungshalle im Havelland.“
Jede Veranstaltung birgt ein Risiko. Kommen nicht genug zahlende Gäste, schreibt das Event schnell rote Zahlen. Das erste SLUBL-Event kann man aber getrost als vollen Erfolg werten – an die 1.600 Gäste besuchten das MAFZ. Auffallend war, dass es den SLUBL-Machern gelingt, nicht nur die reine Techno-Szene anzusprechen. Es waren Jugendliche ab 16 Jahren vor Ort, aber auch „Oldies“ der Altersklasse 50+. Die Gäste kamen aus ganz Brandenburg angereist, so auch aus Cottbus, aus Potsdam, aus Hennigsdorf, aus Neuruppin und aus Velten. Natürlich war das Havelland stark vertreten, vor allem die Nauener und die Falkenseer ließen es ordentlich krachen. Tobias Brudlo: „Wir hatten Parkplätze ohne Ende vor Ort. Viele Gäste haben aber unseren Shuttle-Service in Anspruch genommen, um vielleicht ein Bier mehr trinken zu dürfen. Unser Busshuttle fuhr den Abend über Wustermark, Nauen, Velten und Falkensee an.“
Damit ein SLUBL-Abend wirklich gut funktioniert und die Besucher den richtigen Vibe in den Beinen spüren, ist das Lineup extrem wichtig: Wer legt auf, wer treibt die tanzenden Massen in die Ekstase? Tobias und seine Frau Eileen schauten bereits lange im Vorfeld, wer und was gerade gehört wird, welche Künstler angesagt sind und wer gut zu ihnen passen könnte. Auch das eigene Team und die Follower wurden befragt.
Tobias Brudlo: „Lari Luke, KXXMA und Die Gebrüder Brett kennen viele bereits von den größten Festivals in Deutschland, man denke da nur an Parookaville, Airbeat One oder an Sonne, Mond und Sterne. Des weiteren waren bei uns auch viele lokale Künstler mit dabei wie etwa IAMNOTYOU, Philipp Wolter, Doppelhousehälfte und Misti. Die Musikrichtung reichte dieses Mal von rein elektronisch über House und Techno bis hin zum Tekk.“
Der Einlass für das erste SLUBL Indoor-Event startete um 19 Uhr. Gefeiert werden konnte bis sechs Uhr in der Früh. Eigentlich sollte um fünf Uhr Schluss sein. Aber da die Zeitumstellung in dieser Nacht den Gästen eine Stunde geklaut hatte, wurde sie einfach hinten drangehängt.
Für die Versorgung der Gäste war bestens gesorgt. Tobias Brudlo: „Die Getränkebars stellen wir immer selbst. Vor der Tür standen auch zwei Food Trucks. Hier haben uns Spice Catering aus Wustermark und Blackbird aus Hennigsdorf sehr unterstützt.“
Das SLUBL-Team passt ganz genau darauf auf, dass die Stimmung vor Ort nicht kippt. Ziel ist es, den Besuchern die Zeit vor Ort so angenehm wie nur möglich zu gestalten, damit Unmut gar nicht erst aufkommt. Tobias Brudlo: „Das gelingt, indem wir dafür sorgen, dass die Wartezeiten am Einlass und an den Bars so kurz wie nur möglich sind. Bisher ist uns das gelungen: Unsere Besucher hatten immer gute Stimmung und es gab keine Ausschreitungen.“
Es heißt immer wieder, dass das Techno-Publikum sehr drogenaffin ist. Wie geht man als SLUBL-Veranstalter damit um? Tobias Brudlo: „Ich habe tatsächlich lieber einen Gast vor Ort, der Drogen nimmt, als zehn Leute, die betrunken sind. Man sieht es ja bei den Volksfesten: Zu den Prügeleien kommt es doch meist dann, wenn die Leute zu viel Alkohol getrunken haben. Bei uns war auf jeden Fall die DLRG mit vor Ort – für den Fall, dass einzelne Gäste es übertreiben.“
SLUBL im MAFZ ist vorbei, die Brandenburg-Halle steht noch, das Gelände wurde ausgiebig von leeren Flaschen und Party-Rückständen befreit. Wie lautet das Fazit der Veranstalter?
Tobias Brudlo: „Es war der Wahnsinn. Die Stimmung war einfach toll bei den Gästen und wir hatten alle zusammen eine einzigartige SLUBL-Nacht. Wer mich kennt, weiß, dass ich vor allem die Lichttechnik liebe. Mein Team sagt manchmal, dass unsere Bühnenbilder echt verrückt sind, aber am Ende setzen meine Jungs doch alles um und setzen mitunter selbst noch einen drauf. In unseren Bühnen verbauen wir sämtliche Effekte, die wir auf Lager haben – von der Konfettikanone über Flammenwerfer bis hin zu Nebelmaschinen und der großen LED-Wand. Da wir Veranstalter und Technikfirma in einem sind, haben wir das benötigte Material alles im eigenen Lager und müssen nichts teuer anmieten. So sind wir auch komplett unabhängig.“
SLUBL ist vorbei, SLUBL steht neu im Kalender. Oder anders formuliert: Nach SLUBL ist vor SLUBL. Wie geht es denn nun weiter?
Tobias Brudlo: „Für das laufende Jahr 2026 haben wir zwei weitere SLUBL-Events in Falkensee in der Chemnitzer Straße 5 geplant. Das sind wieder unsere bewährten Beach Partys mit eigenem Sandstrand. Diese Partys werden am 13. Juni und am 12. September stattfinden. Wir arbeiten auch an einem zweiten Indoor-Event, hier steht aber ein Termin noch nicht fest. 2027 machen wir weiter wie 2026 und planen derzeit drei bis vier weitere SLUBL-Veranstaltungen.“
Ist Tobias Brudlo denn selbst ein eingeschworener Techno-Freak?
Tobias Brudlo: „Wer mich kennt, der weiß, dass ich nicht nur die SLUBL-Events veranstalte, sondern auch Veranstaltungen umsetze, bei denen Pop, Schlager oder Rock-Musik gespielt wird. Ich bevorzuge keine bestimmte Musikrichtung, sondern höre alles gern querbeet. Meine Frau und ich gehen seit Jahren auch zu den Konzerten von Roland Kaiser oder von Rammstein. Im Auto dürfen es aber gern auch die verschiedenen Deutschinterpreten sein.“
Wie es mit SLUBL und dem MAFZ weitergeht, steht noch in den Sternen. Die Betreiber-GmbH vom MAFZ wird gerade aufgelöst, über die weitere Verwendung des Geländes hat der Kreistag noch nicht entschieden. (ϑ Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 242 (5/2026).
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