Ein Tag im Leben von Landwirt Hans-Peter Kruse vom Hofladen Falkensee!
Der Hofladen Falkensee ist ein landwirtschaftlicher Betrieb, der von der Familie Kruse seit vielen Jahren mit viel Engagement geführt wird. Hans-Peter und Katrin Kruse bewirtschaften im Havelland 20 Hektar Fläche. Bekannt ist der Hofladen für seine selbst angebauten Erd-, Heidel- und Himbeeren, es wird vor Ort aber auch Grünspargel, Kürbis und Grünkohl produziert. Die Vermarktung erfolgt über den eigenen Hofladen, hier werden pro Tag auch knapp 3.000 Eier von den eigenen Hühnern verkauft. Das alles klingt nach reichlich viel Arbeit. Wir haben Chef Hans-Peter Kruse einmal über die Schultern geguckt. (ANZEIGE)
6:00 Uhr: Aufstehen, ein neuer Tag beginnt. Früher, als die Kinder noch klein waren, haben wir uns Zeit für ein Frühstück mit der ganzen Familie gegönnt. Jetzt sind die Kinder groß und stehen auf eigenen Füßen. Das Familienfrühstück ist dabei auf der Strecke geblieben.
6:30 Uhr: Katrin und ich, wir gehen „rüber“ in den Betrieb und stellen schon einmal die Kaffeemaschine an. Meist treffen wir uns mit allen Mitarbeitern Viertel vor Sieben für eine allererste Lagebesprechung – und trinken passend dazu einen Becher Kaffee. Wir beschäftigen vier Mitarbeiter in der Landwirtschaft und zwölf im Hofladen, der es auf eine Fläche von 180 Quadratmetern bringt. Hinzu kommen etwa zehn Aushilfen, die geringfügig beschäftigt sind. Wir reden im Team nun über die Arbeiten, die gerade anstehen – und verteilen sie. Unsere Teamleitung Madeleine macht danach meist die Bestellungen, stellt Arbeitspläne auf und geht dann rüber in den Hofladen, um sich hier um die Organisation der verschiedenen Abläufe zu kümmern. Katrin hat die Buchhaltung im Auge, kümmert sich um das Marketing und unterstützt das Team in allen Bereichen. Ich kümmere mich vor allem um den Bereich der Landwirtschaft.
7:00 Uhr: Arbeitsbeginn. Mein Arbeitstag gestaltet sich je nach Saison höchst unterschiedlich. Im Winter bin ich mehr im Büro anzutreffen. Im Frühjahr und Sommer ist in der Landwirtschaft sehr viel zu tun, entsprechend sind die Arbeitstage für mich manchmal sehr lang. Im Herbst versuchen wir, noch rasch vor dem Winter all das zu erledigen was im Sommer liegen geblieben ist.
Mein erster Gang führt mich in der Regel zu unseren Hühnern. Wir haben 3.000 Legehennen, die täglich um die 2.500 bis 2.800 Eier legen. Die Eier verkaufen wir komplett über unseren Hofladen. Die Nachfrage ist so groß, dass wir sogar noch Eier zukaufen müssen. Und trotzdem ist die Nachfrage so hoch, dass wir die Eier zurzeit wieder limitieren müssen, sonst wären wir viel zu früh ausverkauft.
Bei den Hühnern gehe ich jeden einzelnen Morgen durch den Stall und schaue ganz genau, wie es um die Gesundheit der Tiere bestellt ist. Dabei schaue ich auch: Fressen die Hühner genug, haben die auch wirklich alles, was sie brauchen?
8:00 Uhr: Mein Rundgang führt mich aktuell weiter zu unseren Erdbeeren. Die blühen bereits in unseren Folientunneln. Da es für die Bienen noch zu kalt ist, kümmern sich angemietete Hummelvölker in dieser Zeit um die Bestäubung der Blüten. Wir haben gerade umgestellt auf Stellagen, sodass die Erdbeeren neuerdings in 1,10 Meter Höhe wachsen – so lassen sie sich später leichter ernten. Das ist wichtig, denn man findet heute keine Erntehelfer mehr, die noch dazu bereit sind, die Erdbeeren mühselig direkt am Boden zu ernten. Ich schaue also, wie die Erdbeeren wachsen, ob wir noch Pflanzen nachbestellen müssen, ob es etwas zu reparieren gibt, ob Dinge für die Produktion und die Ernte fehlen, ob die Bewässerung stimmt und ob ich vielleicht noch einmal über Frostschutz nachdenken muss.
9:00 Uhr: Wenn es zeitlich klappt, treffe ich mich mit Katrin für ein kleines Frühstück zu zweit – mit Brötchen aus der eigenen Backstube. Oft muss das aber leider ausfallen, weil zu viel Arbeit anliegt.
9:15 Uhr: Ich muss noch einmal ins Büro. Ich beantworte nun die eingegangenen E-Mails, setze Bestellungen für die Landwirtschaft auf und kümmere mich um den üblichen Schreibkram wie etwa um notwendige Dokumentationen, um die Statistik oder um die Lohnbuchhaltung. Das sind nicht unbedingt meine Lieblingstätigkeiten, ich bin am liebsten draußen auf dem Feld. Jeder weiß: Bürokratie, das kann sich hinziehen.
12:00 Uhr: Wir landwirtschaftlichen Mitarbeiter treffen uns nun noch einmal. Wir machen eine Mittagspause in der Küche. Jeder kann sich natürlich gern Kaffee holen oder sich ein Stück Kuchen aus unserem eigenen Hofladen-Sortiment nehmen. Die meisten Mitarbeiter bringen sich ihr Essen aber von Zuhause aus mit. Wir sitzen meist eine halbe Stunde zusammen und reden – über den Vormittag und was gerade auf dem Hof passiert ist. Oder über ganz andere Dinge. Manchmal müssen wir jetzt auch spontan die anstehende Arbeit umplanen. Wenn sich das Wetter anders entwickelt hat als gedacht, müssen wir manche Arbeiten eben verschieben. Und wenn jemand krank ist oder im Urlaub weilt, verteilen wir die anfallenden Aufgaben um. Oft muss ich das dann selbst erledigen.
Ich springe auch am Wochenende ein und übernehme an diesen Tagen etwa den Hühnerstall. Bis die Eier eingesammelt, sortiert, gestempelt und verpackt sind, kann das schon einmal drei bis vier Stunden dauern. Das machen die Mitarbeiter sonst zwei Mal am Tag.
12:30 Uhr: Raus auf die Felder. Wie es sich für einen Landwirt gehört, wäre ich am liebsten auf dem Traktor unterwegs. Das macht aber unser Traktorist Frank, der schon viele Jahre lang bei uns ist und sich da bestens auskennt. Ich bin also eher für die Planung zuständig. Da geht es in unseren trockenen Zeiten vor allem darum, wo gerade bewässert werden muss. Von Mai bis August hält mich die Bewässerung auf Trab, denn die Bewässerung muss über den Tag und oft auch in der Nacht mehrfach umgestellt werden.
15:30 Uhr: Die Mitarbeiter aus der Landwirtschaft haben Feierabend und gehen nach Hause. Es ist nun so: Alles, was bis dahin nicht geschafft ist, bleibt an mir hängen, das muss ich erledigen. Da geht es etwa darum, die Folienzelte zu schließen, die vorher wegen der Belüftung alle offen standen.
19:00 Uhr: Nach der Arbeit gibt es bei uns das Abendessen. Wir wissen es beide: Es ist zu spät, das ist ungesund. Aber vorher schaffen wir es einfach nicht.
20 Uhr: Nach dem Essen geht es noch einmal nach draußen. Es gibt immer etwas zu tun. Die Bewässerung muss umgestellt werden oder die Erdbeerblüten müssen über Nacht mit Fliesbahnen vor der Kälte geschützt werden. Zeit für Hobbys neben der Arbeit bleibt eigentlich nicht. Das ist aber das Los der Selbstständigen. Wir nehmen uns dann eher einmal ganz aus dem Betrieb raus und fahren zusammen in den Urlaub. In diesem Sinne ist mein Betrieb mein Hobby.
21:00 Uhr: Wenn es draußen dunkel wird, muss ich jeden Abend die Hühner ins Bett bringen, um sie vor dem Fuchs zu schützen. Das heißt, sie müssen alle im Stall sein und der Stall wird abgeschlossen. Das ist im Winter immer schön, da wird es schon um 17 Uhr dunkel. Im Sommer bleibt es aber leicht bis 22 Uhr hell. Zurzeit heißt es ab 21 Uhr: Nachtruhe für die Hühner.
22:00 Uhr: Feierabend. Es sei denn, es passiert wieder einmal etwas Unerwartetes. Mitunter müssen wir abends doch noch einmal raus, um einen letzten Maschineneinsatz im Dunkeln zu fahren, weil für den kommenden Tag plötzlich Regen angesagt wird.
Das ist auch die Zeit, wo man einmal in Ruhe nachdenken kann, wie es einmal weitergeht. Der Generationswechsel betrifft ja auch uns. Unser Sohn Lukas studiert jetzt Landwirtschaft. Er wird im kommenden Jahr fertig sein und dann in den Betrieb einsteigen. Hanna hat sich jetzt ebenfalls dafür entschieden und absolviert ebenfalls eine entsprechende Ausbildung. Sie sind ja beide auf dem Hof aufgewachsen und wissen auch, wie man mit Misserfolgen fertig werden muss, wenn der Frost einem über Nacht die halbe Erdbeerernte wegnimmt oder die Hitze einem alles auf dem Feld verdörrt. (ϑ Text:CS/Fotos: CS+K. Kruse)
Hofladen Falkensee, Dallgower Straße 1, 14624 Dallgow-Döberitz, Tel.: 03322-22462, www.hofladen-falkensee.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 242 (5/2026).
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