Mit der Sprühdose in der Hand: Über 750 Kabelverteiler sollen in Falkensee bemalt werden!
Im gesamten Stadtgebiet Falkensee gibt es an die 750 Kabelverteilerkästen, für die die E.DIS Netz GmbH verantwortlich ist. Viele von diesen Kästen sind inzwischen verschmutzt oder beschmiert. Nun sollen sie farbenfroh bemalt werden und auf diese Weise zu einem sauberen, modernen und lebendigen Stadtbild beitragen. Die E.DIS hat sich für diese Aktion gleich mehrere starke Partner mit ins Boot geholt. Nach einem ersten Workshop im Jugendclub Saftladen am 24. März wurde nun am 16. April aus dem Vorhaben bunter Ernst – der erste Kabelverteilerkasten wurde verschönert.
Die E.DIS Netz GmbH hat eine interessante Vision: Sie möchte, dass aus den 750 schmucklosen Kabelverteilerkästen, die im Falkenseer Stadtbild verteilt sind, echte „Hingucker“ werden. Also kleine rechteckige Farbinseln, die von verschiedenen Akteuren kreativ und kunstvoll bemalt und besprüht werden. Vor allem Jugendlichen soll dabei die Möglichkeit eröffnet werden, ihren eigenen „Sozialraum aktiv und legal mitzugestalten“.
Das Startsignal für den Projektstart wurde offiziell am 24. März im „Saftladen“ gegeben. Der „Saftladen“ ist der Jugendklub in Falkensee. Er veranstaltete an diesem Tag einen Workshop, um interessierten Jugendlichen den ersten Umgang mit der Sprühdose näherzubringen.
Elton (40) ist Sozialarbeiter im „Saftladen“: „Unsere legale Graffiti-Wand hier am ‚Saftladen‘ hat sich sehr gut etabliert. Ziel ist es bei dem gemeinsamen Projekt, den Jugendlichen zu zeigen, dass sie ihre Umgebung aktiv mitgestalten können. Vieles wird ja immer über die Köpfe der Heranwachsenden hinweg entschieden. Hier haben sie einmal die Möglichkeit, selbst mitzuwirken und ihr Stadtbild mit zu gestalten.“
Im Rahmen des Workshops waren auch Fachkünstler der Firma ART-EFX aus Potsdam mit vor Ort, die schon lange mit der E.DIS zusammenarbeiten, um die mannsgroßen Stromkästen mit Motiven zu versehen. Sie hatten nun den Auftrag, den Jugendlichen vor Ort zu zeigen, wie ein Kabelverteilerkasten mit einer Grundreinigung und einer Grundierung so professionell vorbereitet werden kann, dass die aufgesprühte Kunst auch lange hält.
Elton: „Interessierte Jugendliche, die bei der Aktion dabei sein möchten, können sich auch weiterhin bei mir im ‚Saftladen‘ melden. Sie bekommen einmal kostenlos Sprüh-Cans überreicht, einen Stromkasten zugewiesen und passend dazu einen Erlaubniszettel übergeben, den sie vorzeigen können, falls sie vor Ort bei der Arbeit angesprochen werden. Alle Akteure müssen uns vorab eine Skizze vom geplanten Motiv zeigen, bevor sie loslegen. Und jeder Sprayer ist dann auch in Zukunft als Pate für seinen Stromkasten verantwortlich.“
Beim Workshop war auch Izabela Janssen als Vorsitzende vom Verschönerungsverein Falkensee e.V. mit dabei. Ihr Verein hatte bereits in der Vergangenheit erste Kabelverteilerkästen bemalt. Izabela Janssen: „Wir haben vor etwa fünf Jahren die Zusage bekommen, dass wir 150 Kabelverteiler in Falkensee verschönern dürfen – das ist eine große Menge. Mit unseren 30 Mitgliedern schaffen wir in den warmen Sommermonaten aber höchstens einen Kasten in der Woche. Wir sehen das Projekt der E.DIS nun als Ergänzung zu unserem eigenen Projekt, damit auch andere Vereine und Menschen sich an der Verschönerung der Kästen beteiligen können.“
Heiko Richter ist der Bürgermeister von Falkensee. Er hat die neue Aktion zusammen mit der E.DIS angeschoben: „Ein Auslöser für die Aktion war bereits im letzten Jahr die Forderung, dass doch bitteschön endlich diese hässlichen Kästen im Stadtbild gereinigt werden sollen. Da haben wir gesagt: Das ist doch wie ein Katz-und-Maus-Rennen. Die Kästen werden gereinigt, dann wieder nachts übersprüht – und dann gehts es auch schon wieder von vorne los. Da dachten wir uns: Machen wir es doch gleich richtig und nehmen die Jugendlichen mit ins Boot. Ich bin mir sicher, dass sie die Kästen lieber legal am Tag besprühen als nachts mit der Angst im Nacken. Da wurde der Gedanke geboren: Wie wäre es denn, wenn wir ihnen die Stromkästen übergeben – zusammen mit der Verantwortung dafür?“
Lars Klemmer von der E.DIS: „Ein Projekt wie dieses ist auch für die E.DIS Neuland. Die Firma ART-EFX gestaltet bereits seit 20 Jahren Stromkästen für uns. Aber ein Projekt in der Größenordnung wie hier in Falkensee, wo wir auch die Jugendlichen mit an Bord holen, gab es bisher bei uns noch nicht. Mir ist es ganz wichtig, dass die Jugendlichen die Aufteilung der Kabelverteiler respektieren und sich nicht gegenseitig die Kästen beschmieren. Auch können sich gern auch noch weitere Institutionen und Vereine an diesem Projekt beteiligen – und sich bei uns melden. Gemeinsam versuchen wir die Vergabe dann mit der Stadt und dem Jugendclub zu steuern. Auch ART-EFX wird übrigens selbst noch zur Sprühdose greifen – und bis zu 100 Kabelverteiler in diesem Jahr mitgestalten. Sogar unsere E.DIS Mitarbeiter wollen selbst aktiv werden. So können wir alle gemeinsam ein Stück weit dazu beitragen, dass die Stadt ein bisschen schöner wird.“
Heiko Richter: „Wir werden natürlich auch die Polizei und das Ordnungsamt informieren, damit völlig klar ist, dass es sich in diesem Zusammenhang um eine legale Tätigkeit handelt. Und vielleicht habe ich ja Glück und jemand verschönert einen der Stromkästen mit dem Logo von Dynamo Dresden.“
Am 16. April ging es in der Freimuthstraße 14 ganz offiziell los – der erste Kabelverteilerkasten wurde in Anwesenheit von Heiko Richter und Lars Klemmer mit einem blauen Falkensee-Motiv verschönert.
Lars Klemmer nutzte die Gelegenheit, um einen großen Stadtplan von Falkensee zu zeigen, auf dem die freigegebenen Kabelverteiler verzeichnet sind: „Außerdem gibt es eine Excel-Tabelle, in der alle Stromkästen mit ihrer Kennnummer eingetragen sind. Über 200 Kästen hat Elton bereits an interessierte Jugendliche vergeben können. Ziel ist es, dass diese Kästen noch in diesem Jahr fertiggestellt werden.“
Am 18. April waren übrigens die Fans von Hertha BSC ganz offiziell und auf Einladung in Falkensee unterwegs, um ihrerseits 100 Kabelverteiler mit verschiedenen Hertha-Motiven zu versehen.
Elton: „Wir kontrollieren nun alle 14 Tage die Stromkästen und fahren sie gezielt ab. Besteht Handlungsbedarf, kontaktieren wir die Paten. Die Sprühdosen, die wir ausgeben, werden zum Teil von der E.DIS und zum Teil vom Landespräventionsrat finanziert.“
Auf das Ergebnis der Aktion braucht man nicht gespannt zu sein, das kann man tagtäglich selbst im Stadtbild unter die Lupe nehmen.(ϑ Text: Sonja Schröder & Carsten Scheibe / Fotos: Sonja Schröder)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 242 (5/2026).
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