Exmoor-Ponys am Obelisken: Neue Weideflächen in der Döberitzer Heide!
In der Döberitzer Heide sind bereits viele Pflanzenfresser von Ziegen bis zu Rindern im Einsatz, um den Bewuchs gewollt kurz zu halten und so die ökologisch wertvollen Offenlandschaften zu erhalten. Am 31. März bekamen die Vierbeiner Verstärkung – es kam zu einem ganz besonderen Weideauftrieb: Acht Exmoor-Ponys zogen auf das etwa 65 Hektar große Gelände jenseits des Obelisken, das auch als Hasenheide bekannt ist. Die Ponys führen nun eine ganzjährige extensive Beweidung durch. Davon profitieren seltene und gefährdete Tier-, Pilz- und Pflanzenarten, die auf nährstoffarme und offene Lebensräume angewiesen sind.
Über lange Zeit haben die Militärübungen und Manöver in der Döberitzer Heide dafür gesorgt, dass der Boden immer wieder aufgebrochen wurde und kein Bäumchen meterhoch in den Himmel wachsen konnte. Auf diese Weise ist eine einzigartige Offenlandschaft entstanden, in der sich besonders viele seltene Tiere und Pflanzen angesiedelt haben.
Jetzt, wo das Militär nicht mehr vorhanden ist, fällt es den Verantwortlichen durchaus schwer, diese Offenlandschaften für die Zukunft zu erhalten. Viele Spaziergänger wundern sich immer wieder, wenn in der Döberitzer Heide aufschießende Bäume von Hand gefällt werden. Doch genau das ist nötig, damit sich das Biotop nicht mit den Jahren wandelt – und aus einem kargen Sandrasen mit Heidebewuchs irgendwann ein kleines Wäldchen wird, in dem völlig andere Tier- und Pflanzenarten leben.
Eine Alternative zur Säge und zum menschlichen Eingreifen sind Schafe und Ziegen, die den Bewuchs kauend stoppen und alle aufschießenden Gräser und Geäste zum eigenen Wohl entfernen. Sie kamen in diesem Abschnitt der Döberitzer Heide bereits zum Einsatz – aber immer nur temporär.
Nun hat die Heinz Sielmann Stiftung, die sich um große Teile der Döberitzer Heide kümmert, den Entschluss gefasst, ein 65 Hektar großes Gelände in der Hasenheide (hinter dem Obelisken, nicht weit vom Havelpark entfernt) ganzjährig extensiv beweiden zu lassen. Ganz in diesem Sinne lud Jochen Paleit als Vorstandsvorsitzender der Stiftung zu einem besonderen Weideauftrieb ein: „Wir erweitern unsere Weideflächen. Das passt gut zum ‚Jahr des Hirtentums‘ und zum Internationalen Jahr der Weidelandschaften, das die Vereinten Nationen in diesem Jahr ausgerufen haben.“
Für die Pflege der Offenlandschaft sind große Pflanzenfresser von zentraler Bedeutung. Diese Tiere wirken auf vielfältige Weise auf das Ökosystem ein und fördern so die Artenvielfalt. Selbst kleinräumige Veränderungen wie Fraßspuren oder Trittsiegel schaffen neue ökologische Nischen. Jochen Paleit: „Jeder Hufabdruck, jeder Verbiss, jeder Dunghaufen beeinflusst das Ökosystem positiv.“
Mit der Ausweitung der sogenannten „Wilden Weiden“ verfolgt die Heinz Sielmann Stiftung das Ziel, ihre Strategie der extensiven Ganzjahresbeweidung zu intensivieren. Dank der tierischen Hilfe kann auch der Einsatz technischer Geräte in der Landschaftspflege reduziert werden, was sowohl die eigenen Ressourcen schont als auch Störungen im sensiblen Naturraum minimiert.
In einem feierlichen Akt wurden am 31. März acht Exmoor-Ponys in ihre neue „Freiheit“ entlassen – dabei auch beobachtet von der aktuellen Heidekönigin Diana Beyer-Stadelmeier, die als Botschafterin der Döberitzer Heide in der Bevölkerung gilt.
Die acht neuen Heidebewohner gehören zum Familienbetrieb „Döberitzer Heide – Galloways“ der Familie von Helmut Querhammer. Die Zusammenarbeit zwischen diesem Landwirtschaftsbetrieb und der Stiftung besteht seit vielen Jahren und gilt als wichtiger Baustein für den Erhalt der Heideflächen.
Hannah Becker (39) vom Landwirtschaftsbetrieb „Döberitzer Heide – Galloways“ ist die Herdenmanagerin. Sie erläutert: “Unser Gedanke war, dass diese Flächen in der Hasenheide ab sofort ganzjährig beweidet werden und zwar durch einen großen Pflanzenfresser. Wir haben uns auf die Suche gemacht, entsprechend geeignete Tiere zu finden und uns am Ende für das Exmoor-Pony entschieden. Warum? Weil die ursprüngliche Heimat des Exmoors-Ponys von der Vegetation her der Heide sehr ähnlich ist. Wir versprechen uns also, dass die Tiere hier in der Heide ein sehr gutes Pflegeergebnis erzielen werden und das bei bester Gesundheit.“
„Die Exmoor-Ponys finden hier also eine Landschaft vor, die sie auch aus ihrer Heimat her kennen“, ergänzte Lisa Querhammer (39). Sie stammen aus Exmoor – dem Südwesten Englands. Die Landschaft in Exmoor besteht fast nur aus Heide, Gebüsch und Sträuchern, was eine landwirtschaftliche Nutzung sehr erschwert. Die Ponys werden dort in halbwilden Herden gehalten.
Die Exmoor-Ponys werden in den ersten Tagen und Wochen noch Unterstützung in der Döberitzer Heide bekommen – von sogenannten Koniks. Das ist ebenfalls eine sehr robuste Pferderasse, die von den Querhammers bereits in vielen anderen Beweidungsprojekten erfolgreich eingesetzt wurde.
In der weniger zugänglichen Kernzone der Döberitzer Heide sind ebenfalls große Pflanzenfresser unterwegs, um die gleiche Aufgabe wie die Ponys zu übernehmen. Hier kümmern sich seit vielen Jahren Wisente, Przewalski-Pferde und Rothirsche darum, die Ausbreitung der Vegetation zu unterbinden.
Lisa Querhammer: „Wir setzen unsere Tiere nach ihren Fähigkeiten ein. Wir überlegen uns genau, wo welche Tiere wann am besten zum Einsatz kommen. Jede Tierart hat da ihre Besonderheiten und einen ganz eigenen Verbiss. Die Pferde verbeißen etwa die dominante Vegetation, die andere Pflanzen unterdrückt. Schafe setzen wir lieber auf den trockenen Flächen ein, die sehr sensibel reagieren und auf denen ein schweres Tier vielleicht sogar einen Schaden hervorrufen könnte. Der Einsatz der Tiere auf den Beweidungsflächen erfolgt in enger Absprache mit der Heinz Sielmann Stiftung und dem Landesamt für Umwelt.“
Helmut Querhammer, der auch mit Galloways, Wasserbüffeln und Zebus in der Landschaftspflege aktiv ist, freut sich auf den Einsatz seiner Exmoor-Ponys: „Als Landwirt und Naturliebhaber habe ich sehr früh gelernt, dass Artenvielfalt immer dort entsteht, wo die Landschaft Struktur hat – offene Stellen neben Gebüsch, kurzes Gras neben Rohboden. Genau das schaffen diese Ponys.“
In genau diesen Rohbodenstellen nisten etwa seltene Wildbienenarten und andere bodenbrütende Insekten. Und in den Ausscheidungen finden sich schnell Hunderte von kleinen Käfern ein – Nahrung für seltene Vögel in der Döberitzer Heide.
Erik Paschke vom Landesamt für Umwelt (LfU) war beim Weideauftrieb ebenfalls mit dabei. Er zeigte noch einmal auf, warum die Offenlandwirtschaften so wichtig für die Natur sind: „Die Landschaft wird in allen Zeiten geprägt durch die Bedürfnisse der Menschen. Zwei Drittel unserer Tier- und Pflanzenarten in Deutschland leben im Offen- und Halboffenland und nur ein Drittel im Wald. Um das Jahr 1750 herum gab es in Deutschland die größte Anzahl an verschiedenen Pflanzenarten. Seitdem geht es rapide bergab.“
Erik Paschke erklärte, dass in der Dallgower Hasenheide über Jahrhunderte hinweg nur Ackerbau betrieben wurde. Mit der Zeit wurde die Landwirtschaft aber intensiver betrieben, man brauchte plötzlich weniger Fläche für den gleichen Ertrag. Das hatte Folgen. 1707 bestand die Hasenheide nur zu 13 Prozent aus Wald. 1770 gab es vor Ort bereits 44 Prozent Wald. 1817 kaufte ein Holzkaufmann Döberitz auf und begann damit, auch noch die übrigen Flächen aufzuforsten. So wurde aus der Hasenheide ein dichter Wald. Das änderte sich erst um 1900 wieder. Da wurde vor Ort ein Truppenübungsplatz errichtet. Innerhalb von nur fünf Jahren wurde die Uhr wieder um 200 Jahre zurückgedreht. Der militärische Übungsbetrieb brachte die Offenlandwirtschaft wieder zurück, der Wald war Geschichte. In dieser Zeit wurde die Grundlage dafür geschaffen, dass die Hasenheide heute ein Hotspot der Artenvielfalt ist.
Erik Paschke: „Offenland muss aber durch Pflegenutzung erhalten werden, sonst entsteht über kurz oder lang wieder Wald.“
Für Besucher von Sielmanns Naturlandschaft Döberitzer Heide entsteht dank der Exmoor Ponys ein neues Naturerlebnis auf dem Weg durch die Ringzone. Vom Eingang zur Döberitzer Heide hinter dem Parkplatz des Havelparks führt ein ausgeschilderter Fußweg zum Obelisken direkt an den neuen Weideflächen vorbei, sodass man einen Blick auf die Ponys erhaschen kann.
Am Samstag, den 9. Mai, können die „Wilden Weiden“ in der Döberitzer Heide auf besondere Weise erlebt werden. Experte Jörg Fürstenow führt Interessierte an ausgewählte Plätze des Naturschutzgebiets (www.sielmann-stiftung.de/event/wilde-weiden) und zeigt dort, wie extensive Beweidung das Offenland erhält und biologische Vielfalt fördert. (ϑ Text: Sonja Schröder & Carsten Scheibe / Fotos: Sonja Schröder)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 242 (5/2026).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige










