Antik- und Trödelmarkt Dallgow: Alle zwei Wochen wird vor dem Havelpark getrödelt!
Seit 1995 und damit seit mehr als dreißig Jahren verwandelt sich der Parkplatz vom Havelpark Dallgow meist zwei Mal im Monat und immer an einem Sonntag in einen riesigen Antik- und Trödelmarkt, auf dem mehrere hundert Hobby- und Profihändler alles anbieten, was man sich nur vorstellen kann. Während sich Melanie und Florian Wulfes um die Organisation kümmern, haben die zahlreichen Besucher viel Spaß am Feilschen, Handeln und Schachern.
Eine Frau verlässt den Antik- und Trödelmarkt und hält stolz eine kindergroße Statue von Star-Wars-Bösewicht Darth Vader in den Armen. Ihr folgt ein älterer Mann, der ein hölzernes Grammophon transportiert. Klarer Fall: Hier sind wieder zwei Besucher des Trödelmarkts fündig geworden und tragen nun ihre Schätze nach Hause.
Alle zwei Wochen findet der Antik- und Trödelmarkt auf dem hinteren Bereich des Havelpark-Parkplatzes statt. So können die Besucher weiterhin im vorderen Bereich ihr Auto abstellen. Sie schlendern einfach von dort aus zu den abgesperrten Straßenreihen, in denen jede Menge Trödelbuden stehen.
Bei schlechtem Wetter verlagert sich das Handeln in die Tiefgarage. Wer gerade nicht weiß, an welchem Sonntag der Trödelmarkt stattfindet, schaut auf die Homepage: www.troedelfreunde.de. Hier kann man sich auch selbst einen Standplatz reservieren lassen, falls alte Schätze aus dem Keller oder dem Dachboden verkauft werden sollen. Tische muss man sich selbst mitbringen, ansonsten kann man auch einen überdachten Marktstand mieten.
Karl-Heinz Wulfes hat den Antik- und Trödelmarkt seinerzeit gegründet. Inzwischen haben die Kinder Melanie und Florian Wulfes übernommen. Sie streifen am Marktsonntag von Stand zu Stand, um die vereinbarte Miete zu kassieren. Melanie Wulfes: „Wir haben für die Besucher einen Shuttle-Service ins Leben gerufen, der vom Rathaus Spandau losfährt und die Berliner zum Havelpark bringt. Der Shuttle-Bus fährt ab morgens um sieben Uhr zu jeder vollen Stunde los – und bringt die Besucher anschließend wieder zurück nach Spandau.“
Es lohnt sich, über den Markt zu schlendern. Die schiere Anzahl der Aussteller und Verkäufer sorgt dafür, dass die Bandbreite des Angebots extrem groß ist. Es gibt antikes Besteck, alte Orden und Münzen, ausrangierte Kleidung, ganze Kisten voller Spielzeug, aber auch amerikanische Nummernschilder, alte Apothekenflaschen, historische Matchbox-Autos, altes Porzellan, Vinyl-Schallplatten und CDs. Auch Türklinken, Werkzeug, alte Uhren und Teddybären lassen sich finden.
„Kauf dich glücklich“, steht auf einem Schild. Das scheint bestens zu funktionieren: Jeder findet das, was auf der persönlichen Wunschliste ganz weit oben steht. Am Stand von Michael Engelmann steht etwa eine erwachsene Frau mit einer mitgebrachten Kladde, in der alle fehlenden Karten ihrer Pokémon-Sammlung notiert sind. Sie durchsucht die ausliegenden Ordner mit hunderten Pokémon-Karten – in der Hoffnung, ihre Sammlung weiter zu vervollständigen.
Michael Engelmann: „Ich habe immer eine Menge Trading Cards bei mir am Stand, so auch von den Simpsons, von Star Trek und von Yu-Gi-Oh! Die Pokémon-Karten werden am meisten nachgefragt. Ich habe auch immer seltene und teure Karten mit dabei, etwa die Full-Art-Karten, aber die sind sehr schnell weg. Da stehen die Sammler schon morgens um sieben Uhr an meinem Stand und kaufen die auf.“
Nebenan verkauft Selim Arslan aus Berlin-Charlottenburg Spielzeug aller Art – etwa Barbie-Puppen und Star-Wars-Figuren. Er bringt eine pädagogische Note mit in das Verkaufen ein: „Ich bringe den Kindern das Handeln bei. Die müssen das ganz dringend lernen. Wer handeln kann, kommt im Leben immer gut zurecht. Etwa, wenn es später einmal darum geht, ein gebrauchtes Auto zu kaufen. Die Kinder sollen sich nichts gefallen lassen, sie sollen auf ihr Geld achten. Manchmal habe ich das Gefühl, dass den Kindern ihr Geld nicht wichtig genug ist.“
Jeder Besucher, der den Markt besucht, hat seine eigene Suchagenda im Kopf. Roger Lewandowski, Landrat im Havelland, sagt: „Meine Frau und ich sind begeisterte Flohmarktgänger. Wenn es irgend möglich ist, sind wir auf den Flohmärkten unterwegs und stöbern nach alten ausgefallenen Sachen und Kuriositäten. Und natürlich kennen wir auch den Flohmarkt im Havelpark, auf dem wir quasi Stammgäste sind.“
Jörg Reinhardt aus Falkensee ist eigentlich alle zwei Wochen vor Ort anzutreffen: „Ich bin regelmäßig auf dem Flohmarkt am Havelpark unterwegs. Meistens halte ich Ausschau nach antiken und sammelwürdigen Stücken oder achte auf Kunst. Gelegentlich kaufe ich auch nützliche Dinge für den Alltag ein. Ich habe am Havelpark schon einige tolle Funde gemacht, etwa eine antik verzierte asiatische Besteckkommode oder sehr alte vergoldete Silber-Eierbecher. Man muss natürlich immer etwas suchen, denn viele Anbieter räumen einfach ihren Keller aus und bieten eher wertlosen Kram an – aber genau dieses Suchen, Stöbern und Finden macht für mich den Reiz aus.“
Matthias Hoschek aus Wansdorf: „Ich suche immer und gerne nach dem gewissen ‚vintage Stuff‘. Als Nostalgiker mit multiplem Sammelfokus (Bücher, Comics, Kartenspiele, Münzen und Würfel) liebe ich insbesondere die Antikmärkte in und um Berlin. Mindestens fünf Mal im Jahr besuche ich auch den großen Trödel- und Antikmarkt am Havelpark. Ich bin hier schon sehr häufig fündig geworden und habe schon wahre Schätze mit eher ideellem Wert finden dürfen. Ein wirklich wertvoller Fund war für mich die Erstausgabe des inzwischen zensierten Tatsachenberichts von Reinhold Messner: ‚Die rote Rakete vom Nanga Parbat‘. Damals wurde das Buch mit 500 Euro auf eBay gehandelt. Bezahlt hatte ich in Dallgow allerdings nur sechs Euro.“
Es dauert gut und gern ein paar Stunden, bis man den Antik- und Trödelmarkt komplett abgeschritten hat. Viele Familien nutzen den Besuch als Sonntagsausflug. Vor Ort können sie sogar frisches Obst und Gemüse einkaufen oder an einem der zahllosen Essensstände eine kulinarische Pause einlegen. Ob frisch ausgepresster Granatapfelsaft, ein Rostbratwürstchen im Brötchen, asiatische Köstlichkeiten oder Deftiges aus der Gulaschkanone: Die Preise sind sehr fair kalkuliert und fallen erstaunlich niedrig aus. Auch für ausreichend Toiletten ist vor Ort gesorgt.
Melanie Wulfes: „Natürlich haben wir über die Jahre viele Stammkunden gewinnen können, die regelmäßig wiederkommen und die man bereits sehr gut kennt. Wir freuen uns immer sehr, wenn sie nach ihrer Winterpause wieder bei uns aufschlagen. Da der Mix der Aussteller aber jedes Mal neu und komplett anders ist, bieten wir alle zwei Wochen eine neue Wundertüte für die Kunden an. Wir halten uns mit den Standmieten bewusst zurück, sodass auch ganz normale Familien die Möglichkeit haben, ausrangierte Kleidung, das Spielzeug der Kinder, alte Bücher oder Erbstücke der Familie vor Ort zu verkaufen.“
Der nächste Trödelmarkt findet übrigens in Dallgow am 19. April und dann erst wieder am 3., 17. und 31. Mai statt.
Papa Karl-Heinz Wulfes hatte damals mit einem großen Trödelladen am Ku’damm begonnen. Nach der Wiedervereinigung hat er schließlich den Weg nach Dallgow gefunden. Seit 2004 betreibt die Familie übrigens auch einen regelmäßigen Trödelmarkt im Berliner Biesdorf Center. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 241 (4/2026).
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