Startschuss für das Rechenzentrum in Nauen: Los geht es mit der Stromversorgung!
Plötzlich war es da, das Zeitalter der Künstlichen Intelligenz. Ohne KI geht plötzlich gar nichts mehr. Damit der allwissende Geist aus dem Internet die Hausaufgaben der Kinder lösen, E-Mails beantworten, eine neue Homepage entwickeln, Fotos generieren oder komplexe Formeln ausrechnen kann, braucht es vor allem eins – jede Menge Rechenpower. Rechenzentren sprießen deswegen zurzeit wie Pilze aus dem Boden. Dabei wird auch in Deutschland viel investiert, damit die Daten im eigenen Land bleiben und nicht in ferne Staaten übertragen werden. Im Havelland sind gleich drei Rechenzentren geplant. In Nauen wird es nun konkret.
In Nauen, in Wustermark und in Brieselang gibt es Bestrebungen, in Kürze große Rechenzentren zu bauen. Hier im Havelland ist man ganz nah an der Großstadt Berlin, kann eine starke Stromtrasse anzapfen und dabei auch noch auf grüne Energie zurückgreifen.
Die Firma maincubes möchte in Nauen tätig werden. Das Unternehmen hat dazu bereits das nötige Land von Landwirten aus der Region erworben. Die Fläche mit 15 Hektar Größe ist am östlichen Ortseingang zu finden und von der B5 aus gut einzusehen; ein Bauzaun grenzt die Fläche nach außen hin ab.
Das Rechenzentrum mainHub Berlin, das hier einmal entstehen soll, braucht eine Anschlussleitung von etwa 200 Megawatt. Um diese Strommenge auf den Nauener Acker zu bringen, muss zunächst ein eigenes Umspannwerk gebaut werden. Das ist sozusagen der allererste Schritt, um von der Planung ins Tun zu gelangen.
Am 24. März wurde vor Ort der erste Spatenstich für das Umspannwerk feierlich begangen. Die konkreten Rohbau-Maßnahmen sollen nun zügig beginnen, mit einer Fertigstellung des Umspannwerks wird im Juni nächsten Jahres gerechnet. Zu dem Umspannwerk gehört auch eine sechs Kilometer lange Stromtrasse, die an der B5 entlang direkt zum 110 kV-Umspannwerk in Wustermark führen soll.
Oliver Menzel, Geschäftsführer und Gründer der Firma maincubes: „Der Baubeginn des Umspannwerks ist der nächste sichtbare Schritt auf unserem Weg zum mainHub Berlin. In Nauen entsteht mit ihm ein hochmoderner Rechenzentrumsstandort, regional verwurzelt und international vernetzt.“
Um die gesamte Strominfrastruktur auf solide Beine zu stellen, sollen 80 Millionen Euro investiert werden. Das klingt zunächst viel.
Oliver Menzel geht aber davon aus, dass maincubes selbst etwa 2,5 Milliarden Euro vor Ort investieren wird.
Hinzu kommt die IT-Technik der Kunden, die sich mit ihren Rechnern später einmal in die reine Hülle des Rechenzentrums einmieten werden. Hier rechnet Menzel mit dem Dreifachen des eigenen Investments. So könnten am Ende zehn Milliarden Euro in den Staub vor den Toren Nauens fließen. Man kann es sich kaum vorstellen.
Das Rechenzentrum vor Nauen soll am Ende aus sechs Gebäuden bestehen, jedes etwa 28 Meter hoch. Ein Bauantrag ist bereits gestellt. Gebaut wird natürlich erst, sobald die Baugenehmigung auch vorliegt. Und – wenn man abschätzen kann, wer denn wohl der Kunde sein wird, der sich vor Ort einmieten möchte. Die ersten Baumaßnahmen am ersten Gebäude könnten noch in diesem Herbst eingeläutet werden. Ende 2027 könnte der Bau vollendet sein, damit der Komplex Anfang 2028 bereits seine Arbeit aufnehmen kann.
Die Stadt Nauen darf sich dann nicht nur als Steigbügelhalter für den Ritt in eine neue KI-Zukunft bezeichnen. Die Stadt profitiert auch. Über hundert neue Arbeitsplätze könnten rund um die Infrastruktur des Rechenzentrums entstehen. Hinzu kommen Aufträge für lokale Firmen, etwa für Security-Leistungen.
Sollten die Bemessungsgrundlagen für die Berechnung der Gewerbesteuern für Rechenzentren geändert werden, was wahrscheinlich ist, könnte Nauen Jahr für Jahr mit einer Millionenzahlung rechnen. Geld, das die Stadt sicherlich gut gebrauchen kann. Hinzu kommt, dass Rechenzentren extreme Mengen Abwärme produzieren, die im Nauener Fall direkt der Ackerbürgerstadt zur Verfügung gestellt werden könnte.
Dr. Michael Wiebersinsky, Bürgermeister der Stadt Nauen: „Mit dem neuen Rechenzentrums-Campus entwickelt sich unsere Region zu einem hochmodernen Standort, an dem künftige Innovationen entstehen können. Durch erneuerbare Energien wie Windräder, Solarfelder und Biogasanlagen, die auf Nauener Gebiet stehen, wird weitaus mehr Energie erzeugt, als Nauen zurzeit an Strom verbraucht. Unter dem Aspekt der Nachhaltigkeit ist es für mich ein gutes Gefühl, dass Nauen ein zuverlässiger Partner für die Betreiberfirma maincubes wird.“
Für die Stromversorgung auf der Nauener Scholle wird die E.DIS sorgen. Hanjo During, Geschäftsführer der E.DIS Netz: „Mit dem hier im Aufbau befindlichen Campus werden wir ein besonders leistungsfähiges Rechenzentrum an unser regionales Stromverteilnetz anschließen.“
Und mit Blick auf die in der Region weiter fortschreitende Energiewende ergänzte er: „Hier zählt E.DIS bundesweit zu den Vorreitern. So konnte die E.DIS mit über 17.000 Megawatt aus erneuerbaren Quellen bereits das Siebenfache der tatsächlich in dieser Region benötigten Leistung an ihr Netz anschließen. Im Vergleich: Derzeit befinden sich in Brandenburg Rechenzentren mit einer Leistung in Höhe von 100 Megawatt am E.DIS-Netz, mit dem hier in Nauen vorgesehenen Campus wird diese Zahl zukünftig weiter deutlich zunehmen.“
Der Vorteil für die Anwohner: Rechenzentren bringen keinen die Straßen verstopfenden LKW-Verkehr mit sich. Das ist im Logistik-Bereich, der in der Peripherie Berlins boomt, doch ganz anders. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 241 (4/2026).
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