1. Japanisches Kulturfestival auf Schloss Ribbeck: Sake und Marimba
Die „Havelländischen Musikfestspiele“ gibt es bereits seit über 25 Jahren. Jahr für Jahr finden über die Monate verteilt gleich mehrere kulturelle Veranstaltungen an den schönsten Spielorten im ganzen Havelland statt – und formen so ein ganzjähriges Musikfestival. Eingebettet in das Festival ist die Reihe „Ankerpunkte“. Im letzten Jahr ging es hier um die italienische Lebensart, in diesem Jahr wurde am 21. und 22. März das allererste „Japanische Kulturfestival“ auf Schloss Ribbeck zelebriert. Die Überraschung: Auf dem Programm stand nicht nur Musik.
Das hat schon etwas. Sobald eine neue Konzertreihe der „Havelländischen Musikfestspiele“ (www.havellaendische-musikfestspiele.de) beginnt, können sich kulturell interessierte Musikfreunde schon einmal darauf einstellen, dass es außergewöhnliche Aufführungen in Schlössern, Gutshäusern und Kirchen im ganzen Havelland geben wird. Ganz egal, ob Klassik, Jazz oder Swing: Man muss so nicht länger bis nach Berlin reisen, um ein hochkarätiges Konzert zu besuchen.
Im letzten Jahr hatten die „Havelländischen Musikfestspiele“ im Rahmen der Reihe „Ankerpunkte“ zu einem „Italienischen Kulturfestival“ eingeladen. In diesem Jahr folgte die Fortsetzung, allerdings mit einer anderen nationalen Ausrichtung. Beim allerersten „Japanischen Kulturfestival“ stand das Land der aufgehenden Sonne im Mittelpunkt.
Dr. Guido Böhm ist der Koordinator für das Förderprogramm „Kulturelle Ankerpunkte im ländlichen Raum“: „Bei dem Italienischen Kulturfestival haben wir unser musikalisches Programm erweitert, um es interdisziplinär erlebbar zu machen. So gab es im letzten Jahr nicht nur Musik aus Italien, sondern auch leckere Antipasti.“
Der Erfolg der italienischen Mischung gab den Veranstaltern zu denken. Beim „Japanischen Kulturfestival“ hat man den Besuchern rund um das musikalische Programm so erneut einen ganzen Strauß japanisch inspirierter Programmpunkte gestrickt. Diese fanden nicht nur im großen Konzertsaal auf Schloss Ribbeck (www.schlossribbeck.de) statt, sondern auch im Blauen Salon.
Am Samstag, den 21. März, begann das ausgebuchte Festival mit einem Konzert mit dem Titel „Frühlingsgefühle mit dem Japanischen Kammerensemble“. So Matsukawa hatte die Leitung, als Sopranin trat die deutsch-japanische Aiko Bormann auf.
Außerdem stand eine japanische Teezeremonie auf dem Programm. Sie heißt im Japanischen Chado. Die ritualisierte Zubereitung des Matcha-Grüntees zelebriert Harmonie (Wa), Respekt (Kei), Reinheit (Sei) und Stille (Jaku). Durchgeführt wurde die Teezeremonie von Gesine Jochems aus Bartschendorf im Havelland. Sie betreibt dort einen japanischen Garten (www.roji.de).
Dr. Guido Böhm: „Es war wichtig für uns, interessante und spannende Kooperationspartner zu finden. Hier hat uns die Deutsche-Japanische Gesellschaft in Berlin sehr geholfen. Der Kontakt zur Gesellschaft wurde uns sogar direkt in der japanischen Botschaft anlässlich einer dort stattfindenden Veranstaltung vermittelt.“
Der Sonntag begann mit einer Kendo-Vorführung im japanischen Schwertkampf. Die Erste Deutsche Kendo Gesellschaft Berlin e.V. (www.kendo-berlin.de) ist der älteste Kendo-Verein aus der Hauptstadt, er wurde bereits 1970 gegründet. Thomas Schroer, zweiter Dan, stellte die alte Kampfkunst aus der japanischen Zeit der Samurai vor. Er erklärte, dass Kendo eine Vollkontaktsportart ist, bei der es eigentlich nur Angriffs- und Kontertechniken gibt. Ziel ist es, mit Bambusschwertern (Shinai) beim Gegner einen gültigen Treffer auf Kopf, Handgelenk, Rumpf oder Kehle zu erzielen. Damit es zu keinen Verletzungen kommt, tragen die Kendo-Kämpfer eine besondere Rüstung (Bogu) mit Helm.
Die Zuschauer bekamen einige Katas (Bewegungsformen) und improvisierte Kämpfe zu sehen. Dabei wurde sehr laut geschrieen. Thomas Schroer: „Auf Budo-Turnieren sind wir nicht immer die Schönsten, aber immer die Lautesten.“
Nahtlos ging es weiter mit einer Sake-Verkostung. Dr. Bastian Schwithal (www.go-sake.com) hat ein eigenes Startup rund um den japanischen Reiswein gegründet – und stellte einige besondere Abfüllungen zum Verkosten vor. Er hatte auch viele spannende Fakten zum Sake im Gepäck: „Sake ist eigentlich kein Reiswein. Sein Braustil ist eher dem des Bieres ähnlich. Deswegen ist bei der Fermentation aus Reis, Wasser, Hefe und dem besonderen Koji-Schimmelpilz auch bei 20, 30 Prozent Alkoholgehalt Schluss. Sake wird am Ende mit Wasser verdünnt, um auf 15 Prozent zu kommen. Kurios: Das Wort Sake kennt man in Japan gar nicht. Dort heißt das Getränk ‚Nihonshu‘ – das bedeutet ‚japanischer Alkohol‘. Es gibt noch etwa eintausend Sake-Brauereien in Japan, Tendenz abnehmend. Die Reisbauern können zurzeit mit normalem Klebereis einfach mehr Geld verdienen als mit dem etwas größeren Sake-Reis.“
Das Festival endete mit einem weiteren Konzert. Fumito Nunoya zeigte sein Können an der Marimba. Die Marimba ist ein Schlaginstrument, das ein bisschen wie ein großes Xylophon aussieht – aber wärmer und voller klingt. Der Solo-Künstler spielte mit bis zu vier Schlägeln (Mallets) auf einmal – u.a. ein 14 Minuten langes Stück von Johann Sebastian Bach. Hier gab es im großen Saal keinen einzigen freien Platz mehr.
Passend: Die Volkshochschule Havelland präsentierte sich vor Ort und machte auf ihr Bildungsangebot und auf ihre Japanisch-Kurse aufmerksam.
Dr. Guido Böhm: „Wir haben wirklich einen tollen Mix präsentieren können. Ich würde mich freuen, wenn wir das weiterführen könnten. Welches Land könnte man im nächsten Jahr präsentieren? Spanien würde mir da sofort einfallen. Wichtig ist es für uns immer, Menschen zusammenzubringen.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 241 (4/2026).
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