Tief ausgebaggert: Der Havelkanal bei Wustermark soll für 70 Millionen Euro ausgebaut werden!
70 Millionen Euro stehen vom Bund bereit, um endlich auch das südliche Teilstück vom Havelkanal auszubauen. Davon profitiert u.a. der Binnenhafen Havelport am GVZ Wustermark. Denn nach dem Ausbau wird es vor Ort möglich sein, deutlich mehr Ladung auf größere Schiffe zu bringen – ein großer wirtschaftlicher Vorteil. Doch bis die ersten großen Schiffe anlegen, wird es dauern. Der Prozess steht noch ganz am Anfang, es hat gerade erst das Planfeststellungsverfahren begonnen. Frühestens 2033 soll der Ausbau vollendet sein.
Gleich neben dem Güterverkehrszentrum (GVZ) der Gemeinde Wustermark befindet sich ein stark frequentierter Binnenhafen direkt am Havelkanal, der von der Firma HavelPort betrieben wird.
Auf dem Gelände werden verschiedene Güter mit dem Schiff oder mit dem LKW angeliefert, umgeschlagen, aufbereitet und anschließend auf beiden Wegen weitertransportiert. Eine wichtige Aufgabe vom Havelport ist es, die Berliner Kraftwerke mit Holzhackschnitzeln als Brennstoff zu versorgen. Vor Ort werden aber auch Baustoffe umgeschlagen und u.a. zu wassergebundener Wegedecke verarbeitet, so etwa Sand und Kies in verschiedenen Körnungen.
Ein großes Problem, das HavelPort umtreibt: Ausgerechnet im eigenen Hafenbecken ist der Havelkanal nicht tief genug. Das bedeutet, dass sich die Schiffe nicht voll beladen lassen, weil sie in diesem Fall zu tief absinken und den Grund berühren würden. Das ist ein erheblicher wirtschaftlicher Nachteil für den Hafen-Betreiber: Die mögliche Ladekapazität der Schiffe wird nie bis zum Maximum ausgereizt.
Klaus Pietack ist der Geschäftsführer von HavelPort (www.havelport.de): „Wir wünschen uns schon lange, dass unser Kanal ausgebaut wird und anschließend den Standard des westdeutschen Kanalnetzes erreicht. Zurzeit können die Schiffe nur mit einer maximalen Breite von 10,50 Meter diesen Abschnitt des Kanals befahren. Und sie müssen eine Abladetiefe von 2,30 Meter einhalten. In Zukunft wird es endlich möglich sein, dass Großmotor-Güterschiffe mit 110 Metern Länge bei 11,45 Meter Breite und einer Abladetiefe von bis zu 2,80 Meter bei uns anlanden.“
Worum geht es eigentlich genau?
Der Bund stellt 70 Millionen Euro bereit, um den Kanalausbau zu finanzieren. Tatsächlich ist der Ausbau der allerletzte Teil des Verkehrswegeprojekts „Deutsche Einheit 17 (Ausbau der Wasserstraßenverbindung Hannover – Magdeburg – Berlin)“, das bereits vor 35 Jahren auf den Weg gebracht wurde. Seit 1991 hat der Bund bereits zwei Milliarden Euro für das Projekt investiert.
Konkret sollen 12 Kilometer Wasserstrecke des Havelkanals von Paretz bis Wustermark ertüchtigt werden, sodass der Kanal an dieser Stelle tiefer wird. Zum Ausbau gehört aber auch eine durchgängige Dammsanierung samt Grundinstandsetzung der Uferdeckwerke an beiden Ufern. Auf einer Länge von 24 Kilometern sollen neue Rad- und Betriebswege entstehen. Zwei neue Brücken für die Betriebswege sollen bei den beiden Schöpfwerken Hoppenrade und Buchow-Karpzow gebaut werden. Und es ist von einer neuen Wartestelle für den Richtungsverkehr die Rede.
Es wird noch dauern, bis die ersten größeren Schiffe den Havelkanal bei Wustermark passieren können. Die Bauausführung soll 2029 starten, mit einer Fertigstellung wird frühestens 2033 gerechnet.
Im März startete gerade erst das Planfeststellungsverfahren. In einem symbolischen Akt wurde ein gerahmter Abdruck des Planfeststellungsverfahren am 19. März von Rolf Dietrich, dem Amtsleiter vom Wasserstraßen-Neubauamt Berlin an Wustermarks Bürgermeister Holger Schreiber und an Klaus Pietack als Geschäftsführer von HavelPort übergeben.
Klaus Pietack (57), dessen Kinder Laura und Dario mit in der Firma arbeiten und das Geschäft im Sommer 2029 übernehmen werden: „In der Regel be- und entladen wir die Schiffe in unseren Hafen mit 900 bis 1.100 Tonnen – mehr ist eben nicht möglich. Ist der Kanal erst einmal fertig ausgebaut, sind Ladungen von 1.800 bis 2.000 Tonnen möglich, was natürlich erheblich wirtschaftlicher ist. Die Schiffe können dann auch im Gegnungsverkehr fahren, das ist jetzt noch ausgeschlossen.“
Vor dem Ausbauhintergrund hat HavelPort bereits im letzten Jahr die letzte Erweiterungsfläche vom GVZ mit 22.000 Quadratmetern Fläche von der Gemeinde erworben, die in diesem Frühjahr auch als Hafenfläche ausgebaut wird. Klaus Pietack: Der Bauantrag ist gestellt und die Bauunternehmen aus der Region sind beauftragt.
Rolf Dietrich (63) verspricht als Amtsleiter vom Wasserstraßen-Neubauamt Berlin: „Bis spätestens 2033 können dann auch die ganz großen Schiffe in Wustermark anlegen. Der Hafen wird dann vollwertig an das europäische Wasserstraßennetz angebunden sein. Das erhöht die Standortqualität in Wustermark noch einmal deutlich.“
Holger Schreiber kann sich als Bürgermeister der Gemeinde Wustermark einmal mehr die Hände reiben und auf die Schulter klopfen: „Dieses Projekt stärkt unser GVZ und speziell unseren Binnenhafen noch einmal ganz besonders stark. Auf dem neu errichteten Damm möchten wir dann auch noch eine Radverbindung von Wustermark bis in GVZ hinein weiterentwickeln. Das ist ein schöner Nebeneffekt, den wir hier auch gern noch mitnehmen möchten.“
Über die Zusammenarbeit mit Klaus Pietack kann Bürgermeister Schreiber nur Gutes sagen: „Wir sind sehr glücklich darüber, dass HavelPort seinerzeit die Nutzung des Hafens hier vor Ort übernommen hat, gerade auch in Kombination mit der Schwesterfirma Colossus, die gleich nebenan eingezogen ist. Die Hafennutzung und der Schwerlasttransport – das passt einfach gut zusammen. Wir als Gemeinde freuen uns auch über den wirtschaftlichen Erfolg des Hafens, da wir natürlich da auch ein wenig mit dranhängen.“
Und der Bürgermeister ergänzt: „Perspektivisch könnten hier in Wustermark auch bald Containerschiffe anlegen. Das war in der Vergangenheit nicht möglich, weil der Havelkanal bei Wustermark nicht tief genug war. In Zukunft könnten die großen Schiffe von den großen europäischen Häfen direkt bis zum Wustermarker Hafen durchfahren. Das erhöht natürlich die Attraktivität der gesamten Region.“
Heike Roigk ist die Kämmerin der Gemeinde Wustermark: „Der Hafen am Kanal war von Anfang an sehr eng mit dem GVZ verbunden. Aufgrund der Lage des GVZ direkt hier am Havelkanal war klar, dass wir den Güterverkehr entsprechend umleiten müssen: Weg von der Straße, entweder auf die Schiene oder eben auf den Wasserweg.“
Mit dem Ziel vor Augen ist jetzt Geduld gefragt: ein Planfeststellungsverfahren kann dauern. (Text: Patrick Hückstädt, Carsten Scheibe / Fotos: Patrick Hückstädt / Luftbild: Sebastian Kelm – Gemeinde Wustermark)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 241 (4/2026).
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