Ein Tag im Leben von Marina Wesche aus Frau Wesche’s Waschhaus Café in Ribbeck!
Seit vielen Jahren ist Marina Wesche frei nach Theodor Fontane die Herrin der Birnen. Im Birnen-Ort Ribbeck betreibt sie in der Alten Brennerei ihr kultiges „Frau Wesche’s Waschhaus Café“. Hier verkosten die Gäste in einer urigen Kulisse die berühmten Birnen-Kuppeltorten. Im Naschmarkt kann man außerdem selbsthergestellte Birnenaufstriche erwerben. Wenn man wie Frau Wesche daran arbeitet, eine Birnen-Manufaktur zu errichten, kann der Tag schon einmal hektisch werden: (ANZEIGE)
7:30 Uhr: Mein Tag beginnt, der Wecker klingelt. Ich wohne in Nauen, bis zur Alten Brennerei in Ribbeck brauche ich zwölf Minuten. Ich fahre aber nie direkt ins Café. Oft halte ich erst einmal am Blumenladen an, um Blumen fürs Café zu holen. Oder ich fahre in den Supermarkt, weil noch Brot für die Suppe fehlt. Dieses Organisatorische, das liegt mir sehr.
10:30 Uhr: Ich bin inzwischen in der Alten Brennerei angekommen. Zuerst kümmere ich mich um meine Kuppeltorten. Die Torten sind bereits vorbereitet, die Böden müssen ja wenigstens 24 Stunden lang im Kühlschrank ziehen. Jetzt werden die Torten gestürzt und anschließend von mir dekoriert. Ich sorge dafür, dass immer etwa zehn verschiedene Kuppeltorten in unserer Auslage stehen. Ich bin jetzt das 19. Jahr in Ribbeck, meine Kuppeltorten mache ich seit 17 oder 18 Jahren. Alle Torten enthalten immer zwingend Birne, aber die restlichen Zutaten wechseln. Es gibt zwei Torten, die esse ich selbst ganz besonders gern. Das sind die Cappuccino- und die Zitronentorte.
11:00 Uhr: Montag und Dienstag sind Ruhetage. Aber ab Mittwoch öffnet gegen elf Uhr das Café und die ersten Gäste trudeln langsam ein. Die sehen, wie sich unser gekühlter Tortenschrank langsam füllt. Ich begrüße alle meine Mitarbeiter, wir sind ja insgesamt 15 Personen, und versuche, mit allen ein kurzes persönliches Gespräch zu führen, damit wir alle gut in den Tag starten können.
11:30 Uhr: Bürokratie steht auf dem Plan. Ich schaue, ob die Kontrollbücher geführt wurden. Ich kontrolliere, ob die Kühlschränke funktionieren. Ich arbeite einen Insektenschutzplan gegen Ungeziefer aus, obwohl doch unsere Hauskatze Albert von Birnstern der beste Schädlingsbekämpfer ist. Ich muss Chargenbücher führen, Bestellungen für Supermärkte und Hofläden zusammenstellen und schauen, ob unsere selbst produzierten Gläschen die richtigen Aufkleber bekommen haben.
Ich werte auch die Wunschzettel aus, die meine Mitarbeiter schreiben dürfen. Sie wünschen sich mitunter einen kleinen Gefrierschrank für die Küche – für Eiswürfel für den Eiskaffee, für gekühlte Minze oder für gefrorene Weintrauben. Oder sie fragen nach einem Rollo für das Küchenfenster, weil die Sonne hier mitunter störend in die Küche hineinscheint.
12:00 Uhr: Jetzt verlasse ich erst einmal das Café und wechsele in unseren Verkaufsbereich, also in unseren Naschmarkt. Jetzt bin ich vor allem in meiner Kräuter- und Essigstube anzutreffen. Hier produzieren wir unseren Oxymel aus Birnenessig und Honig. Dieser saure Honig gehörte früher zu jeder Hausapotheke mit dazu. Das Thema ist aber sehr beratungsintensiv und so stehe ich allen Kunden zur Verfügung, die eine Frage zu unseren verschiedenen Oxymel-Produkten haben.
In der Kräuterstube finden sich viele interessante Dinge, so etwa auch Zunderschwamm oder ein Kornblumenblüten-Salz.
Ich bin ja auch Waldbaden-Führer und Waldmediziner und auch studierte Phytotherapeutin. Passend dazu biete ich Kräuterseminare an und im Mai beginnen auch wieder meine Führungen zum Thema Waldbaden. Das sind natürlich alles Themen, mit denen man sich jetzt dort mit den Gästen unterhält.
Ist gerade kein Kunde da, setze ich auch neue Oxymel-Ballons an. Da verarbeiten wir tatsächlich bis zu 240 Kilo Honig in der Woche. Die Ballons bleiben sechs bis acht Wochen stehen – der Ansatz muss jeden Tag bewegt und geschüttelt werden, um die Fermentation zu fördern. Nach dieser Zeit muss der Ansatz in Flaschen gefüllt, etikettiert und versiegelt werden.
13:00 Uhr: Im Naschmarkt muss auch die Kasse besetzt werden. Das übernehme ich auch, wenn ich die Zeit dafür finde. Unser Naschmarkt heißt so, weil man vor Ort viel naschen und probieren darf. Bei uns gibt es ja viele Produkte, die man woanders gar nicht bekommen kann. Da möchte man als Kunde gern wissen, wie es schmeckt, bevor man es kauft. Bei uns gibt es ja auch eine Birnensalami oder eine Birnenleberwurst. Wir haben leckere Liköre wie unseren Bratbirnenlikör. Es gibt einen Birneneierlikör. Die Leute lieben unsere verschiedenen Birnenfruchtaufstriche, wie etwa unseren Mohnblumenblütenbirnenaufstrich. Wer hat schon mal eine Mohnblumenblüte gegessen? Wie schmeckt die? Wenn mich jemand fragt, wie die schmeckt, sage ich immer, sie ist wie Samt und Seide auf der Zunge und hat einen leichten Geschmack von Blütenstaub.
Ich habe auch mehrere Kinderbücher geschrieben, die man im Naschmarkt kaufen kann. Und auch die CDs von Lukas Mückenfett gibt es hier. Eine CD haben wir sogar zusammen gemacht. Ich erzähle Birnenbaumgeschichten aus Ribbeck und Lukas hat mir dazu zwölf Kinderlieder geschrieben.
15:00 Uhr: Ich bin überall dort zu finden, wo man mich gerade braucht. Zwischendurch muss ich auch immer wieder einmal verschwinden, um eine Torte nachzumachen. Und ich bin jetzt vermehrt im Café anzutreffen. Denn die Leute, die bei uns einkehren, die möchten auch Frau Wesche antreffen und mit mir ein paar Worte wechseln. Die sind oft ganz enttäuscht, wenn ich nicht da bin. Auch Lukas Mückenfett ist zu dieser Zeit gern bei uns im Café. Er schnappt sich dann seine Gitarre und singt ein paar Lieder. Das sorgt für eine ganz besondere Stimmung im Café.
17:00 Uhr: Theoretisch schließt das Café um 17 Uhr. Das klappt aber nicht immer, weil oft noch viel los ist. Mitunter haben wir auch noch Veranstaltungen und dann zieht sich das bis nachts um eins. An regulären Tagen ist aber um 17:30 Uhr Schluss. Die letzten Gäste verlassen dann das Café.
17:30 Uhr: Wir räumen auf und machen Kasse.
18:30 Uhr: Ich fahre nach Hause. Theoretisch. Denn meist mache ich noch einen freiwilligen Umweg auf dem Weg nach Hause. Dann halte ich unterwegs an und schaue mir den Sonnenuntergang an. Oder ich fahre an einem Waldstück vorbei und gucke, ob sich der Bärlauch schon zeigt. Oder ich suche im Wald noch nach einer neuen Route für meine Waldbaden-Führungen. Auf diese Weise entspanne ich. Auf dem Weg nach Hause halte ich mitunter noch im Supermarkt, weil schon wieder etwas im Café fehlt.
19:30 Uhr: Ich bin Zuhause. Lukas und ich essen Abendbrot, erzählen uns vom Tag und hecken neue Projekte aus. Anschließend geht es weiter. Denn auf unseren Toiletten gibt es für jeden Gast ein einzelnes Händehandtuch zum Abtrocknen. Die wasche ich abends alle noch – das sind in der Hochsaison drei bis vier Maschinen pro Tag. In Ribbeck haben wir keine Waschmaschine, das muss ich also Zuhause machen. Ich wasche stundenlang und trockne die Handtücher auch. Das wollen wir auch in Zukunft beibehalten. Lukas macht in der Zeit die Buchhaltung.
0:00 Uhr: Licht aus, Schlafenszeit.
Info: Frau Wesche’s Waschhaus Café, Am Birnbaum 11, 14641 Nauen, Tel.: 033237- 85106, www.waschhaus-ribbeck.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 241 (4/2026).
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