Lietzower Suppenfest 3: Gemeinsam Suppe fassen, um die Kirche zu sanieren!
Die Lietzower Dorfkirche steht direkt an der B5, wenn man durch Nauens Ortsteil fährt. Man sieht es der Kirche nicht an, aber sie ist leider ein echter Sanierungsfall. Überall müsste Hand angelegt werden: Allein, es fehlt am Geld. Der Förderverein der Dorfkirche geht das monetäre Problem auf eine besonders einfallsreiche Art und Weise an: Seine Mitglieder bitten spendenfreudige Besucher erst einmal zum Suppefassen!
Über so viel Andrang kann sich eine Kirchengemeinde nur freuen. Am 14. März standen die Menschen um 14:30 Uhr in einer langen Schlange vor dem noch verschlossenen Eingang zum Kirchengelände. Geduldig warteten sie auf das Signal zum Eintreten. Das gab Lars Schmidt als Vereinsvorsitzender vom Förderverein Dorfkirche Lietzow e.V. tatsächlich mit einer überdimensionalen Schöpfkelle in der Hand. In einem Countdown wurden die letzten Sekunden heruntergezählt, dann hieß es auch schon: Alle Mann antreten zum Suppefassen!
Die grandiose Idee vom Förderverein: Spenden sammeln darf ruhig Spaß machen. Und lecker schmecken. Da das vor drei Jahren erfundene Spendenkonzept sehr gut funktioniert, wurde das „Lietzower Suppenfest“ in diesem Jahr bereits zum dritten Mal ausgerufen.
Die Idee dahinter ist schnell erklärt. Freiwillige aus dem Förderverein kochen im Vorfeld ihre Lieblingssuppe und bringen sie mit auf das Kirchengelände, wo die riesigen Töpfe auf Warmhalteplatten und auf Gasgrillen platziert werden. In zwei Zelten standen in diesem Jahr gleich 24 verschiedene Suppen zum Verkosten parat. Im letzten Jahr waren es 20, im Jahr davor noch einmal deutlich weniger.
Auf die Besucher wartete so z.B. eine klassische Hühnersuppe, eine Hähnchen-Curry-Lauch-Suppe, eine Türkische Rote-Linsen-Suppe, eine Puddingsuppe, eine Schokoladensuppe, ein Chili con carne, eine Reitersuppe, eine Gurkensuppe oder eine getrüffelte Erdäpfelsuppe. Auch eine vegetarische Käse-Lauch-Suppe, eine Suppe mit Leipziger Allerlei, eine Soljanka, eine serbische Bohnensuppe, ein Möhreneintopf, eine Mandel-Curry-Suppe und ein Pfundstopf standen bereit. Passend zu jeder Suppe gab es eine ausgelegte Zutatenliste – um vor potenziell allergenen Stoffen zu warnen. Viele Besucher nutzten die Liste gleich als Rezept. So wurde klar, dass die überaus leckere Hexensuppe neben Hackfleisch, Paprika, Tomatenmark, Paprika und Schmelzkäse auch Mandarinen und Cayennepfeffer enthält.
Die Besucher gaben am Eingang zehn Euro Spende ab und erhielten dafür einen Suppenteller und einen Löffel. Anschließend konnten sie so oft an den Suppentöpfen um Nachschlag bitten, wie der Hunger das erlaubte. Die Nachfrage war enorm: Um 16 Uhr waren bereits alle Suppentröge leergefuttert.
Lars Schmidt hatte selbst gleich zwei Suppen beigesteuert – eine Blumenkohlsuppe und die Mandelcreme-Suppe: „Bevor wir mit dem Kochen beginnen, sprechen wir uns im Förderverein schon ein wenig ab. Damit nicht alle das gleiche kochen. Wir freuen uns auch immer, wenn einer eine vegane Suppe oder eine mit Fisch zubereitet. Wir haben uns im Vorfeld mit der Lebensmittelüberwachung zusammengesetzt und ihren Rat eingeholt, damit wir nichts falsch machen. In Sachen Hygiene wurden unsere Leute also vorher geschult. Der starke Andrang freut uns. Wir gehen dabei nach dem Windhundverfahren vor: Wer zuerst kommt, isst zuerst. Und wenn die Suppe alle ist, dann ist sie alle. Ich habe mir auch schon die eine oder andere Suppe ausgesucht, die ich gern verkosten würde. Ob ich das aber im Orga-Trubel schaffe, das wage ich zu bezweifeln.“
Dietmar Fechner war extra aus Falkensee angereist, um beim Suppenfest mit dabei zu sein: „Ich habe immer wieder vom Fest gelesen. Dieses Jahr bin ich zum ersten Mal mit dabei. Ich koche selbst sehr gerne Suppen und weiß, dass es oft sehr aufwendig ist und lange dauert. Ich möchte viele Suppen probieren und mich auch gern inspirieren lassen, die eine oder andere Suppe auch einmal nachzukochen.“
Nauens Bürgermeister Michael Wiebersinsky stellte sich ebenfalls geduldig in die Schlange, um einen Teller zu ergattern: „Es gibt ja viele Veranstaltungen, bei denen es am Ende darum geht, Spenden zu generieren. Aber hier kommt einmal eine ganz neue Idee zum Tragen. Ich bin mit dem Rad gekommen und freue mich jetzt selbst schon auf eine heiße Suppe.“
Björn Dreidax gehört ebenfalls zum Förderverein der Kirche. Er erklärt: „Die Sanierung der Kirche kostet viel Geld. Zum Glück gibt es dafür Fördermittel aus verschiedenen Töpfen. Dabei müssen wir vom Förderverein aber auch immer einen gewissen Eigenanteil mit tragen. Das Suppenfest hilft, einen Teil dieses Geldes aufzubringen. Wir haben jetzt den Glockenstuhl saniert. Zu Ostern werden zum ersten Mal nach langer Zeit wieder alle drei Glocken zu hören sein. Auch die Orgel in der Kirche haben wir saniert. Sie wurde im Rahmen des Suppenfestes feierlich eingeweiht. Jetzt ist bei der denkmalgeschützten Kirche die Südseite dran, die saniert werden muss. Da kommt ein besonderer Schiefer aufs Dach, der ein bisschen rötlich gefärbt ist. Und innen möchten wir gern noch das Altarbild restaurieren. Es gibt viele, viele Baustellen.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 241 (4/2026).
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