Die Reiterin aus Dallgow-Döberitz: Svenja Lipke über ihr Leben als Pferdebesitzerin!
Das Pferd gehört im Havelland ganz einfach mit dazu – es ist allgegenwärtig. Doch wer sind sie eigentlich – die Reiter und Reiterinnen, die sich dafür entscheiden, sich ein Pferd anzuschaffen und einige Jahrzehnte lang für das Tier zu sorgen? Svenja Lipke aus Dallgow-Döberitz wusste schon als kleines Mädchen, dass ein Pferd zu ihrem Leben ganz sicher mit dazugehört. Wie ihr Pferd ihr Leben bereichert hat, erzählt sie gern.
Svenja Lipke (46) wohnt heute in Dallgow-Döberitz, sie ist aber in Berlin-Charlottenburg geboren worden.
Sie erzählt: „Ich bin in Reinickendorf aufgewachsen, direkt in der Nähe zu Lübars. Hier hat sich auch meine Liebe zu den Pferden entwickelt, denn Lübars ist in Berlin ein echter Hotspot für den Pferdesport, damals noch mehr als heute. Meine Eltern haben oft einen Ausflug mit mir nach Lübars gemacht, als ich noch ein kleines Mädchen war. Ich fand die Pferde niedlich – und wollte gern einmal Reiten gehen. Das durfte ich dann ausprobieren – und habe festgestellt, dass es viel Spaß macht. Da war ich etwa sechs Jahre alt.“
Die junge Reiterin beginnt wie so viele andere kleine Mädchen an der Longe. Dabei hält der Reitlehrer die Longe in die Hand und führt das Pferd mit der Reiterin im Kreis umher. Svenja Lipke: „Als Reitanfängerin musste ich oft die Steigbügel überschlagen, um ein Gefühl für Sitz und Balance zu bekommen. Als wir zum ersten Mal traben sollten, bin ich seitlich vom Pferd gerutscht – und gleich wieder aufgestiegen.“
Das Berliner Mädchen war also „on fire“ für ihr neues Hobby. Reitstunden gab es ein bis zwei Mal in der Woche. Aber das reichte der Pferdenärrin nicht. Svenja Lipke: „Ich ritt bei einer sehr netten Frau mit drei, vier Ponys, die privat Reitstunden angeboten hatte. Aber wir jungen Mädchen, wir waren fast jeden Tag vor Ort. Wir halfen beim Putzen und Ausmisten und kümmerten uns um die Pferde. Und wenn einmal ein Ausritt anstand und ein Pony nicht belegt war, dann durften wir auch so mitreiten. Ich war also sehr oft bei ihr. Anfangs musste ich noch von den Eltern gefahren werden, später habe ich das Fahrrad genommen.“
Die nette Frau starb irgendwann viel zu früh, die kleine Reitschule wurde aufgelöst. Svenja Lipke: „Ich bin zur nächsten, etwas größeren Reitschule weitergezogen und hatte hier weiter meine Reitstunden. Aber natürlich hat man als Kind den großen Wunsch, ein eigenes Pferd zu haben. Das ist aber viel zu teuer. So kommt man zu einer Reitbeteiligung. Bei einer Reitbeteiligung besitzt in der Regel jemand ein Pferd, sucht sich aber noch eine zweite Person, die als Bezugsperson zur Verfügung steht, monatlich etwas Geld dazubezahlt, sich aber auch mit um die Versorgung, das Stallmisten und die übrigen Arbeiten kümmert. Meist bekommt man dafür zwei, drei feste Tage in der Woche, an denen man das Pferd ganz für sich hat. Damals hat man für zwei Tage so um die 80 Euro im Monat bezahlt, bei drei Tagen waren es 120 Euro.“
Svenja Lipke wird älter, andere Dinge rücken in den Vordergrund – etwa ihre Ausbildung zur Versicherungskauffrau: „Da gab es eine Reitpause. In dieser Zeit bin ich nie nach Lübars gefahren, das wäre zu schmerzhaft gewesen, die Pferde da zu sehen. Dafür habe ich irgendwann meinen Mann kennengelernt und gesagt, so ein gemeinsames Hobby, das wäre doch echt schön. Da war ich etwa so 24, 25 Jahre alt – und habe ihn tatsächlich zum Reiten gebracht. Der hat ja vorher noch nie auf einem Pferd gesessen.“
Der Wiedereinstieg gelang mit einer Reitbeteiligung, aber irgendwann wurde das Pferd weiterverkauft – und Svenja Lipke beschloss, dass es an der Zeit für ein eigenes Pferd war: „Das habe ich 2008 zusammen mit meinem Mann in Goldbeck in der Nähe Neustadt an der Dosse gekauft, das war eine Stute, ein deutsches Sportpferd mit dem Namen Santa Lucia. Ich bin sehr froh, dass wir dieses Hobby zu zweit angegangen sind, weil es eben doch sehr zeitintensiv ist. Wenn man das alleine macht, sieht man sich eigentlich kaum noch.“
Doch zu zweit macht das Reiten noch viel mehr Spaß. So viel Spaß, dass beide Partner zusammen bei Turnieren antreten – im Dressurreiten.
Svenja Lipke: „Ein Pferd hat uns bald schon nicht mehr gereicht, weil wir ja beide reiten wollten. Also haben wir ein zweites gekauft. Das ist ein Wallach, der heißt Don Santo. Don Santo stammt aus Wulkow und ist ebenfalls ein deutsches Sportpferd. Beide Pferde haben sich auch bestens miteinander verstanden und standen immer draußen zusammen auf der Koppel. Wir hatten durchaus Ambitionen, uns im Dressurreiten auf Turnieren mit anderen zu messen. Wir sind aber tatsächlich nur zu Turnieren gefahren, die nicht weiter als 150 Kilometer entfernt stattgefunden haben. Wir haben nur einen Anhänger und keinen Transporter – und wollten den Pferden nicht zuviel zumuten.“
Im November 2018 ist Svenja Lipke nach Dallgow-Döberitz gezogen – wegen der Pferde: „Zu diesem Zeitpunkt standen unsere Pferde bereits sechs Jahre in Dallgow.“
Aber natürlich werden auch die Pferde mit den Jahren älter. Svenja Lipke: „Unsere Stute hatte ein paar Probleme mit den Hufen. Wir haben sie aus dem Sport rausgenommen. Sie war anschließend nur noch ein Freizeitpferd, um das wir uns gern gekümmert haben. Da passt man das Freizeitreiten ganz an die Bedürfnisse des Pferdes an – und reitet nicht mehr jeden Tag. Sie ist inzwischen leider verstorben.“
Der Wallach Don Santo wird jetzt 15 Jahre alt. Svenja Lipke: „Er steht in Phöben und wird noch immer gut geritten. Er könnte auch noch an Turnieren teilnehmen. Ob wir das in diesem Jahr noch tun, ist noch offen. Unser größter Erfolg war ein Sieg in der M-Dressur. Das hätte ich mir nie erträumt, das als Amateur einmal zu erreichen. Da sind bei der Siegerehrung schon ein paar Tränchen geflossen.“
Wie gestaltet sich jetzt der Alltag mit dem Pferd? Svenja Lipke: „Ich fahre jeden Tag nach Phöben. Es gibt dabei keine feste Zeit. Wenn ich im Home Office bin, fahre ich am liebsten mittags hin. Dann ist es ruhig auf der Reitanlage, und es ist noch nicht so viel los. Meist bin ich drei Stunden vor Ort. Ich hole Don Santo vom Paddock, putze ihn, sattel ihn auf, gehe eine Runde reiten und sattel ihn wieder ab. Das ist für mich Entspannung pur und ich vergesse alle Alltagssorgen. Niedlich ist, dass Don Santo sogar unser Auto kennt – und darauf reagiert.“
Wie sieht es eigentlich mit der Zukunft aus? Svenja Lipke: „Die Unterbringungskosten und die tierärztlichen Versorgungskosten sind in den letzten zwei Jahren exorbitant gestiegen. Wir haben deswegen beschlossen, dass wir uns kein neues Pferd anschaffen werden, wenn es Don Santo einmal nicht mehr gibt.“ (Text/Porträts: CS / Pferdefoto: Svenja Lipke)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 240 (3/2026).
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