Austausch für ehemalige Soldaten: Besuch von Minister René Wilke beim VeteranenFrühstück!
Einmal im Monat findet das „VeteranenFrühstück Elstal“ in der Bürgerbegegnungsstätte Elstal statt. Dabei handelt es sich um eine niedrigschwellige Initiative für ehemalige Soldaten und für Angehörige von Blaulichtorganisationen, deren Familien und Freunde. Ziel ist es, sich untereinander zu vernetzen und vor allen Dingen, aktive Hilfestellung bei bestehenden einsatzbedingten Problemen zu leisten, etwa bei psychischen Auffälligkeiten oder bei bürokratischen Sorgen. Am 7. Februar schaute Minister René Wilke vorbei, um mit den Veteranen ins Gespräch zu kommen.
Im heutigen Deutschland gibt es keine richtige Soldatenkultur. Die Bundeswehr tritt im öffentlichen Leben, auf großen Festen und bei Feierlichkeiten kaum in Erscheinung. Da wundert es nicht, dass auch die Veteranen, also die inzwischen aus dem aktiven Dienst ausgetretenen Soldaten, kaum in der Öffentlichkeit zu bemerken sind.
Gerade die Veteranen werden mit ihren Sorgen, Nöten und oft genug auch psychischen Problemen nach traumatischen Erlebnissen an der Waffe sich selbst überlassen.
Um ein internes Netzwerk zu schaffen, um ein Treffen für den persönlichen Austausch zu ermöglichen, um verschiedene Organisationen der Veteranen zusammenzubringen, um ein internes Netzwerk zu bauen und um aktive Hilfestellung bei Problemen aller Art zu leisten, hat sich in Wustermark das „VeteranenFrühstück Elstal“ gegründet, das immer am ersten Samstag im Monat stattfindet.
Michael Gebel (65) aus Elstal und Henning Klausing (62) aus Falkensee organisieren beide im Schulterschluss das Treffen, das ganz bewusst nicht in die Struktur eines Vereins gepresst wurde, sondern als Interessenvereinigung gilt, die ein ganz niederschwelliges Angebot für Veteranen jeder Nation und jeden Rangs schaffen möchte: Wer vorbeikommen möchte, tut das einfach. Das Geld für das monatliche Frühstück, das immer in der Bürgerbegegnungsstätte Elstal (Karl-Liebrecht-Platz 2e)stattfindet, teilt man sich: Es wird einfach eine Spendenbüchse aufgestellt.
Am 7. Februar kam es zu einem Besuch aus der Landespolitik Brandenburgs. René Wilke, Minister des Inneren und für Kommunales des Landes Brandenburg, schaute um 11 Uhr vorbei, um beim Frühstück (veteranenfruehstueck.elstal@gmx.de) mit dabei zu sein und um mit den Veteranen zu sprechen. Auch Wustermarks Bürgermeister Holger Schreiber, Elstals Ortsvorsteher Matthias Kunze und mehrere Mitglieder der Gemeindevertretung Wustermark waren mit dabei, um sich die Erzählungen der Veteranen anzuhören. Die Bundeswehr hatte Thorsten Gärtner aus dem Veteranenbüro geschickt. Vor Ort waren auch Vertreter der „Combat Veteran Germany“, des „Armed Forces & Veterans Breakfast Clubs“ und der „Royal British Legion Riders Germany“ mit dabei.
Michael Gebel: „Wir sind als Initiative inzwischen auch nach oben hin gelistet. Die Bundeswehr kennt uns, sie hat uns auch überprüft, ob wir den Grundwerten des Grundgesetzes verpflichtet sind, und hat uns den Status eines sozialen Projekts gegeben.“
Henning Klausing: „Ich war selbst von 1988 bis 1992 bei der Bundeswehr. In den letzten 30 Jahren habe ich für die EAS, die Evangelische Arbeitsgemeinschaft für Soldatenbetreuung e.V. gearbeitet. Ich habe unsere Soldaten in den Einsatzländern betreut und sie lange in Afghanistan, im Irak und im Balkan begleitet. Das Veteranenfrühstück gibt es seit 2019. Es hat sich in dieser Zeit immer wieder verändert. Es sind Organisationen dazugekommen und andere haben sich wieder verabschiedet. Seit Mitte letzten Jahres sind wir in der aktuellen Konstellation unterwegs. Zu unserem Frühstück kommen ehemalige Zeitsoldaten, britische Kameraden, Gäste aus anderen NATO-Ländern, aber auch Ehemalige aus den Blaulichtberufen. Auch die Familienmitglieder, die Kinder und Freunde sind uns sehr willkommen. Bei jedem Frühstück sind wir so zwischen 20 und 60 Personen, beim Frühstück mit dem Minister waren 50 Veteranen mit dabei. Die Leute kommen aus ganz Brandenburg und auch aus Berlin zu uns.“
Die Soldaten, die irgendwann ihren Dienst beenden und damit zu Veteranen werden, haben durchaus mit anderen Problemen zu kämpfen als die „normale“ Bevölkerung ohne Kriegseinsatz.
Christian Szafran aus Potsdam war von 2005 bis 2013 Soldat, ganz klassisch bei der Infanterie: „Ich bin zum VeteranenFrühstück gekommen, weil ich es erlebt habe, dass ein ehemaliger Kamerad, mit dem ich im Einsatz gewesen bin, versucht hat, sich nach dem aktiven Dienst das Leben zu nehmen. Da ist mir bewusst geworden, dass es in unserer deutschen Gesellschaft eine Grauzone gibt. Man hat als Soldat seinen militärischen Auftrag erfüllt, war in anderen Ländern, hat Extremsituationen erlebt, und soll anschließend ganz allein wieder seinen Platz in der mitteleuropäischen Gesellschaft finden. Da sind nun aber einmal oft Anpassungsschwierigkeiten mit verbunden.“
Henning Klausing: „Wir helfen mit Gesprächen, wir tauschen Adressen und Tipps aus und wir versuchen, schnell und unbürokratisch zu unterstützen. Ich hatte im letzten Jahr einen Unfall mit dem Motorrad. Ich lag noch nicht auf dem OP-Tisch im Krankenhaus, da war mein Motorrad schon wieder bei mir zu Hause in der Garage, weil die Kameraden sich sofort um den Transport gekümmert haben.“
Michael Gebel: „Unser Veteranentreffen möchte im Grunde genommen drei Säulen etablieren. Die erste Säule ist die Selbst- und Kameradenhilfe. Die zweite Säule ist der Aufbau eines Netzwerks. Die dritte Säule ist das Aneignen von Kompetenzen – etwa bei der Truppen-Psychologie oder bei der Suchtberatung. Wir möchten ein erster Ansprechpartner sein bei Problemen aller Art – und vermitteln die Veteranen dann mitunter an Experten weiter, die wirklich helfen können, etwa bei posttraumatischen Störungen.“
Mit beim Frühstück dabei war auch Ralf Mitzinger aus Berlin-Tempelhof. Der Chopper-Fan stammt eigentlich aus der Biker-Szene, sieht sich aber auch den Veteranen verbunden. Als „Soul Patrol“ kümmert er sich im „Namen von Jesus Christus“ um Veteranen mit Problemen aller Art: „Ich spreche mit den Menschen, die versuchen, vom Alkohol loszukommen, die Krebs haben, die mit psychischen Problemen kämpfen oder die Selbstmordgedanken haben. Ich nehme mir Zeit für die Schwachen und Bedürftigen, ich spreche mit ihnen, ich bin da, wenn es brennt.“
Minister René Wilke nutzte die Zeit, um mit vielen Veteranen ins Gespräch zu kommen. Holger Schreiber, Bürgermeister von Wustermark, zeigte sich ebenfalls sehr angetan von den Selbsthilfebemühungen der Veteranen: „Unsere Veteranen stehen leider nicht wirklich in der Mitte unserer Gesellschaft. Ihnen fehlt die Lobby, die sich für ihre Interessen und Nöte einsetzt. Deswegen ist es für uns als Gemeinde so wichtig, zu helfen und zu unterstützen. 2022 kam Herr Gebel auf uns zu, weil die Veteranentreffen bis dahin in einem alten Eisenbahnwaggon stattgefunden haben. Wir haben geholfen, die Bürgerbegegnungsstätte Elstal als Treffpunkt zu etablieren.“
Michael Gebel: „Jetzt wollen wir zusammen mit dem Bürgermeister schauen, ob wir nicht den zweiten Veteranentag in Brandenburg auch in Elstal mitgestalten können. Der Veteranentag findet um den 20. Juni herum statt. Da könnte man in Elstal ein großes Familienfest auf die Beine stellen.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 240 (3/2026).
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