Landkreis Havelland: Wie geht’s weiter nach der Schule? 91 Aussteller auf der Börse für Ausbildung und Studium!
Wie geht es weiter nach der Schule? Die vom Landkreis Havelland organisierte „Börse für Ausbildung und Studium“ möchte gern viele verschiedene Möglichkeiten aufzeigen – auch mit dem Hintergedanken, dass dann viele Junge Leute im Havelland bleiben, weil sie vor Ort eine Ausbildung oder einen Studienplatz gefunden haben. Auf der Börse waren in diesem Jahr gleich 91 Unternehmen, Institutionen und Bildungseinrichtungen mit vor Ort, um Werbung in eigener Sache zu machen.
Um neun Uhr sollten sich am 26. Februar die Türen in die beiden Hallen im MAFZ öffnen – für 1.600 Schülerinnen und Schüler aus dem Landkreis, die nun bereits zum 14. Mal mit Bussen von ihren Schulen nach Paaren im Glien befördert worden waren, um sich vor Ort über regionale Ausbildungen und Studiengänge zu informieren, von denen sie zumeist noch nie zuvor etwas gehört hatten.
Landrat Roger Lewandowski nutzte die Gelegenheit, um eine halbe Stunde vorher noch rasch alle Aussteller in einem Grußwort auf die anstehende Börse einzuschwören: „Es ist toll, dass sich so viele Unternehmen vor Ort bei der Börse engagieren, um den Schülerinnen und Schülern die Bandbreite der Möglichkeiten aufzeigen. Vom klassischen Handwerksbetrieb über die Industrie, Logistik und Pflege bis hin zur Verwaltung und Justiz wird das gesamte Spektrum abgedeckt. 13 Aussteller sind sogar ganz neu mit dabei. Klappern gehört zum Handwerk: Wenn man die besten Köpfe für sein Unternehmen möchte, muss man sich den Schülerinnen und Schülern eben auch einmal vorstellen. Wenn ich mit den jungen Leuten rede, höre ich doch immer wieder, dass sie noch ein Stück weit orientierungslos sind und noch nicht so richtig wissen, was sie beruflich einmal machen möchten.“
Der Landrat sieht die Börse im MAFZ nicht nur als reine Informationsbörse, sondern tatsächlich auch als ganz konkretes Instrument der Fachkräftesicherung: Viele Schüler hätten bei einem Besuch bereits ihre Bewerbungsunterlagen mit dabei.
Roger Lewandowski sagte aber auch etwas zur aktuellen Situation im MAFZ: „Der Kreis hat beschlossen, die Betreibergesellschaft vom MAFZ aufzulösen. Jetzt fragen natürlich viele, ob es denn auch im kommenden Jahr eine ‚Börse für Ausbildung und Studium‘ geben wird. Ja, auch im nächsten Jahr werden wir die Börse wieder veranstalten. Ob sie aber weiter an diesem Standort stattfinden wird, das ist noch nicht sicher.“
Mit auf der Börse dabei war die Kreishandwerkerschaft für den Landkreis Havelland. Michael Ziesecke ist hier der Geschäftsführer: „Im Handwerk haben wir überall Bedarf für neue Mitarbeiter – und bieten entsprechende Ausbildungen in den Betrieben an. Dabei ist es ganz egal, ob es um Maler, Tischler, Installateure oder Bäcker geht – wir suchen dringend den Nachwuchs. Wir stehen hier aber vor einem gesellschaftlichen Problem: Viele junge Leute wollen nach der Schule lieber studieren. Dabei kann man sich im Handwerk optimal verwirklichen. Und während viele Berufe durch die digitale Effizienz der Künstlichen Intelligenz bedroht werden, wird das Handwerk immer Bestand haben und darauf angewiesen sein, dass unsere Mitarbeiter mit beiden Händen zupacken können.“
Für die Havelland Kliniken Unternehmensgruppe war Ralf Setecki von der Abteilung Recruiting auf der Börse mit vor Ort: „Bei uns in der Unternehmensgruppe gibt es an die 26, 27 verschiedene Ausbildungen, für die man sich entscheiden kann. Aktuell sprechen wir über 120 freie Ausbildungsplätze. Sehr begehrt ist die Ausbildung zum Notfallsanitäter (m,w,d). Die meisten freien Plätze gibt es allerdings in der Pflege, da startet unsere Ausbildung sowohl im April als auch im Oktober. Hier sprechen wir über die generalistische Pflegeausbildung. Sie ist sehr breit aufgestellt, man kann später in vielen verschiedenen Pflegebereichen arbeiten.“
Von der Hochschule der Polizei des Landes Brandenburg in Oranienburg war Ingo Schürer mit dabei: „Für unsere Polizei in Brandenburg suchen wir Auszubildende und Studenten. Für die Ausbildung braucht man wenigstens den MSA, also den Abschluss nach der 10. Klasse. Beim dualen Studium wird ein Abitur oder ein Fachabi vorausgesetzt. Bei der Polizei muss man einen zweitägigen Einstellungstest überstehen, der sowohl auf eine körperliche Fitness als auch auf eine gute Allgemeinbildung abzielt.“
Was am Stand der Polizei auffällt – es wird mit vielen Benefits geworben, etwa mit einem Urlaubssparkonto oder einem ÖPNV-Zuschuss. Auch wird klar gesagt, dass es keinen Gender Pay Gap gibt. Ingo Schürer: „Viele Anwärter, die jung bei uns beginnen, haben ja noch keinen Führerschein. Sie sind auf den ÖPNV angewiesen – und da möchten wir eben unterstützen.“
Andreas Plessow ist der Ausbildungsleiter bei Havelbus. Er sagt: „Wir bieten in diesem Jahr wieder Ausbildungen zum Berufskraftfahrer im Personenverkehr (m,w,d) und zum Kfz-Mechatroniker (m,w,d) an. Aktuell können wir noch Ausbildungsplätze zum Berufskraftfahrer vergeben, Start wäre noch in diesem Jahr im August 2026. Wir expandieren, gleichzeitig steigen Mitarbeiter altersbedingt aus. Wir suchen immer Nachwuchs.“
Wie z.B. Heinrich Mauerhoff (21) aus Grünefeld: „Ich befinde mich jetzt im zweiten Ausbildungsjahr zum Berufskraftfahrer im Personenverkehr. Ganz klassisch wusste ich nach dem Abitur nicht, wie es für mich weitergehen soll. Ich habe ein Jahr lang gar nichts unternommen und in dieser Zeit meinen Führerschein gemacht. Dabei habe ich gemerkt, dass Fahren genau mein Ding ist. So bin ich zum Busfahren gekommen. Und das war tatsächlich die richtige Entscheidung für mich. Am meisten Spaß macht es mir, das große Fahrzeug im Verkehr zu bewegen, das ist schon eine echte Herausforderung – und eine, die jeden Tag wieder ganz anders ist. Man denke da nur an die Wochen mit Schnee und Eis auf der Straße, da lernt man das Busfahren besser als bei jedem Fahrsicherheitstraining. Aber auch der Umgang mit den Fahrgästen gefällt mir sehr.“
Heinrich Mauerhoff ist für Havelbus sogar Ausbildungsbotschafter geworden: „Ich bin auf Messen mit dabei, damit junge Leute direkt mit mir sprechen können. Ich erkläre ihnen den Ausbildungsberuf und kann ihre Fragen auf Augenhöhe beantworten.“
Mit richtig großen Fahrzeugen hat es auch Laura Pietack von Colossus Logistics aus Wustermark zu tun. Das Unternehmen führt Großraum- und Schwertransporte durch und ist vor allem für „herausfordernde“ Aufträge zu haben. 75 Prozent der Fahrten werden innerhalb von Deutschland durchgeführt, ein Viertel führt die Fahrer auch in die anderen Länder in Europa. Laura Pietack: „Wir transportieren Baumaschinen für die Industrie, aber auch Hausboote, Tiny Häuser oder Betonteile für die großen Windanlagen. Das sind oft die Transporte mit Polizeibegleitung und blinkenden Lichtern. Genau dafür bieten wir eine Ausbildung zum Berufskraftfahrer (m,w,d) an. Hier kann man sich bereits mit 16 Jahren bewerben, ein Hauptschulabschluss oder ein MSA reichen aus.“
Stefan Baerns leitet in Falkensee die Firma Elektro Wolf, die Elektroarbeiten aller Art durchführt. Hier sind wir wieder beim Handwerk: Es fehlt an Nachwuchs. Baerns: „Wir bieten eine Ausbildung zum Elektroniker für Energie und Gebäudetechnik (m,w,d) an.“
Auf der Börse hatte der Chef auch eine Auszubildende mit dabei – Kati Severin aus Nauen: „Das Handwerk war schon immer meins. Mitunter kann es als Frau aber schwierig sein, einen Weg ins Handwerk zu finden. Stefan Baerns hat mir die Chance dafür gegeben. Besonderen Spaß macht es mir, Kabel zu verlegen; das Schlitzen und Stemmen liegt mir.“
Zum ersten Mal war auch die Heinz Sielmann Stiftung mit auf der Börse anzutreffen. Thomas Bischoff hatte als Leiter des Geschäftsbereichs Kommunikation & Fundraising einen Stand aufgestellt: „Wir bieten in diesem Jahr erstmals einen Ausbildungsplatz für den Kaufmann oder die Kauffrau für Büromanagement (m,w,d) an – an unserem Standort in Elstal mitten in der Döberitzer Heide. Uns geht es nicht nur um die klassischen Büroaufgaben, die erledigt werden müssen. Ein Schwerpunkt bei dieser Arbeitstelle wird später im Einkauf und in der Logistik liegen, ein zweiter bei der Öffentlichkeitsarbeit, dem Veranstaltungsmanagement und dem Fundraising. Die Ausbildung startet am 1. August. Gern kann man vorher bereits ein Praktikum bei uns absolvieren.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 240 (3/2026).
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