Gas dominiert: Falkensee stellt passend zur kommunalen Wärmeplanung eine Bestands- und Potenzialanalyse vor!
Bis 2045 soll Deutschland klimaneutral werden. Die Wärme, die in den Wohnungen und Häusern zum Heizen genutzt wird, macht – verglichen mit Verkehr und Stromerzeugung – rund 40 Prozent der CO2-Emissionen aus. Es lohnt sich also, hier einen Hebel anzusetzen. Um eine strukturelle Umstellung durchzuführen, sind alle Städte und Gemeinden angehalten, eine „kommunale Wärmeplanung“ vorzulegen. Sie soll den Bürgern aufzeigen, wie der aktuelle Status vor Ort aussieht – und welche Wärmequellen in Zukunft geplant sind. Am 12. Februar hat die Stadt Falkensee in das Foyer der Stadthalle eingeladen, um erste Ergebnisse vorzustellen. Über 150 Bürger folgten der Einladung.
Viele Hausbesitzer in Falkensee verschieben seit mehreren Jahren jeden Gedanken an den anstehenden Austausch ihrer in die Jahre gekommenen Heizung. Das ungeliebte Gebäudeenergiegesetz (GEG) macht ihnen Angst.
Nicht nur die einzelnen Hausbesitzer müssen sich mit der Energiewende beschäftigen. Auch die Städte und Kommunen haben Handlungsbedarf. Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden. Die meisten CO2-Emissionen lassen sich tatsächlich bei der Heizung einsparen.
Das 2023 beschlossene Wärmeplanungsgesetz sieht vor, dass Städte und Gemeinden eine kommunale Wärmeplanung vorlegen sollen. Das ist ein Plan, der aufzeigt, wie die Gebäude vor Ort künftig klimafreundlich beheizt werden sollen.
Städte über 100.000 Einwohner müssen ihren Wärmeplan bis 2026 vorlegen, kleinere Kommunen bis 2028. Nauen war im östlichen Havelland ganz besonders schnell – und war bereits im Dezember 2024 fertig. Falkensee arbeitet gerade mit einem externen Büro an der Umsetzung – und lud am 12. Februar um 18 Uhr in das Foyer der Stadthalle ein, um eine erste Bestands- und Potenzialanalyse vorzustellen.
Die Veranstaltung war extrem gut besucht, über 150 Gäste drängten in die Stadthalle; am Ende mussten sogar noch weitere Stühle organisiert werden, damit jeder einen Sitzplatz finden konnte.
Ganz wichtig: Die kommunale Wärmeplanung verbietet keine Heizungen und schreibt dem Bürger nichts vor. Sie zeigt aber auf, welche Optionen der Stadt oder der Kommune offenstehen. Lohnt es sich etwa, vor Ort ein Fernwärmenetz aufzubauen, bietet es sich vielleicht nicht mehr an, vorher noch teuer auf die Wärmepumpe umzusteigen. Ein kommunaler Wärmeplan soll also auch Planungssicherheit für Hausbesitzer schaffen.
Kurz zusammengefasst: Die Kommunale Wärmeplanung ist der „Heiz-Masterplan“ einer Stadt für die nächsten Jahrzehnte – mit dem Ziel, fossile Energie durch klimafreundliche Wärme zu ersetzen.
87 Prozent aller Gebäude in Falkensee sind Wohngebäude: Bestandsanalyse
Wie ist es überhaupt um das Thema Wärme in Falkensee bestellt?
Die Bestandsanalyse der beauftragten Firma PricewaterhouseCoopers zeigt auf, dass es in Falkensee 29.686 Gebäude gibt. Davon werden 15.705 beheizt.
87 Prozent der Gebäude in Falkensee sind Wohngebäude. Davon sind 76 Prozent Einfamilien-, Zweifamilien und Reihenhäuser.
40 Prozent der beheizten Gebäude in Falkensee wurden vor 1980 errichtet – und damit vor dem Inkrafttreten der ersten Wärmeschutzverordnung von 1977. Entsprechende Altbauten mit einem großen Sanierungspotenzial befinden sich vor allem in Falkenhain, in Seegefeld und in Finkenkrug. Jüngere Gebäude, die ab dem Jahr 2000 errichtet wurden, sind vor allem in den Randgebieten der Stadt zu finden. Hier gibt es nur ein geringes Wärmereduktionspotenzial.
Die große Frage bei einer kommunalen Wärmeplanung ist es immer, ob es bereits Wärmenetze im Ort gibt, die sich ausbauen lassen. In Falkensee gibt es nur im Stadtteil Falkenhorst ein größeres Fernwärmenetz. Insgesamt haben 134 Gebäude Anschluss an ein Wärmenetz.
Die vorherrschende Art, Wärme ins Haus zu bringen, ist in Falkensee allerdings – Erdgas. Das Erdgasnetz erstreckt sich flächendeckend über ganz Falkensee. Es liegen 14.256 Anschlüsse vor. Das bedeutet, dass 91 Prozent aller beheizten Gebäude mit Erdgas versorgt werden. Berechnet man auch noch die Ölheizungen dazu, so stammen 96 Prozent des Endenergieverbrauchs für Wärme in Falkensee aus fossilen Energieträgern.
Der Anteil an erneuerbaren Energien, die zum Heizen verwendet werden, ist in Falkensee noch sehr gering. Gerade einmal vier Prozent entfallen auf die bereits erwähnten Wärmenetze, auf Wärmepumpen oder auf das Verbrennen von Holzpellets.
Aktuell sorgt Falkensee auf diese Weise für 98.000 Tonnen THG-Emissionen (THG = Treibhausgas) im Jahr. Falkensee hat derzeit einen Endenergieverbrauch von etwa 410 GWh pro Jahr. Private Haushalte haben mit 346 GWh/a den größten Anteil am Verbrauch. Die Industrie in der Gartenstadt bringt es nur auf 22 GWh/a und damit nur auf fünf Prozent des Energieverbrauchs. Das ist nicht viel.
Die Potenzialanalyse: Wärmenetze in Falkensee ohne Zukunft, großes Potenzial bei Sanierung alter Wohngebäude
Die Potenzialanalyse geht davon aus, dass sich der Wärmebedarf bei den Gebäuden in Falkensee um 150 GWh/a reduzieren lässt – technisch gesehen. Das bedeutet – wenn alles klappt, sich jeder Bürger beteiligt und es keine wirtschaftlichen Gründe gibt, die dagegen sprechen. 85 Prozent des Potenzials entfallen dabei auf den Sektor Wohnen. Das Wärmepotenzial soll genutzt werden über Sanierungspotenziale und Energieeinsparungen in Folge von Modernisierungen.
Die Potenzialanalyse analysiert die verschiedenen zukunftsträchtigen und CO2-sparenden Methoden, um für Wärme zu sorgen, und weist Zahlen für die dezentrale und zentrale oberflächennahe Geothermie, für dezentrale Grundwasserwärmepumpen, für die mittel- & tiefe Geothermie, für die Solarthermie auf den Dachflächen, für die Verwendung von Biomasse aus der Landwirtschaft oder für die Wärmeentnahme aus den Oberflächengewässern in Falkensee aus.
Zentrale Aussage aus der Potenzialanalyse ist: Für den Aufbau eines Wärmenetzes gibt es in Falkensee keine Zukunft – die Häuser stehen auch zu weit auseinander. Es wird wohl an jedem Hausbesitzer hängenbleiben, welche Heizungsmethode er für die Zukunft wählt.
PricewaterhouseCoopers muss nun noch ein Zielszenario entwerfen, eine Einteilung Falkensees in voraussichtliche Wärmeversorgungsgebiete vornehmen und eine Umsetzungsstrategie erarbeiten.
Einer spontanen App-gesteuerten Umfrage zufolge planen fast die Hälfte der Menschen im Publikum demnächst einen Heizungstausch – klar, viele Gasheizungen sind am Ende ihrer Nutzungsdauer angekommen. Viele Bürger wissen laut Umfrage noch nicht, für welche Heizungsform sie sich in Zukunft entscheiden sollen. In Falkensee gibt es ganz klar eine Abwägung zwischen der modernen Wärmepumpe und einer neuen Gasheizung.
Weit über die Hälfte der anwesenden Umfrageteilnehmer gab an, sich aktuell nicht gut informiert zu fühlen, was die Handlungsmöglichkeiten zu einer möglichen Umstellung der Heizungsversorgung anbelangt. Viele fürchten, dass bei einem Austausch der Gasheizung die Auflagen der Regierung in den kommenden Jahren dazu führen werden, dass sich diese Form der Heizung nicht mehr wirtschaftlich betreiben lässt.
Margrit Unger von der Verbraucherzentrale Brandenburg brachte in einem weiteren Vortrag Licht ins Dunkel.
Das Gebäudeenergiegesetz von 2024 sieht vor, dass es bei einem Kessel im Alter über 30 Jahre eine Austauschpflicht gibt – Ausnahme sind u.a. Wohnhäuser mit maximal zwei Wohnungen, die seit dem 1. Februar 2002 selbst bewohnt werden.
Ab dem 1. Januar 2024 müssen bei Neubauten in Neubaugebieten 65 Prozent Erneuerbare Energien genutzt werden.
Bei Kommunen mit weniger als 100.000 Einwohnern, also etwa Falkensee, müssen ab dem 1. September 2028 bei Heizungen für Neubauten und Bestandsgebäuden 65 Prozent Erneuerbare Energien eingesetzt werden. Gasheizungen, die noch vorher eingebaut werden, müssen ab 2029 mindestens 15 Prozent Erneuerbare Energien wie Biogas oder Wasserstoff nutzen, ab 2025 mindestens 30 Prozent und ab 2040 mindestens 60 Prozent.
Update vom 24. Februar: Die schwarz-rote Koalition aus CDU und SPD beschließt, das aktuelle Heizungsgesetz zu kippen. Stattdessen soll ein neues Heizungsgesetz in Kraft treten. Die Kernpunkte:
– Bestehende Öl- und Gasheizungen können weiter betrieben werden. Ab 2028 sollen die Versorger bei Gas und Öl allerdings ein Prozent Biokraftstoff beimengen.
– Die Regel, dass ab 2045 alle Heizungen zu 100 Prozent mit Ökoenergie oder Ökokraftstoff betrieben werden müssen, entfällt komplett.
– Neu ab 2029 eingebaute Öl- und Gasheizungen müssen zu zehn Prozent mit Biogas oder Bioöl betrieben werden. Der Anteil soll in drei Schritten steigen bis 2040. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 240 (3/2026).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige






