Heinz Sielmann Stiftung: Zwei Wisente bewachen die Schule in Elstal!
Das „Schulzentrum Heinz Sielmann“ in Elstal trägt seinen Namen nicht ohne Grund. Die Heinz Sielmann Stiftung, die in der Döberitzer Heide ein einzigartiges Naturschutzgebiet bewahrt, arbeitet besonders eng vor allem mit der neu gebauten Grundschule zusammen. Der Schulterschluss wird nun auch von außen sichtbar: Zwei riesige Wisente stehen seit kurzem in modellierter Lebensgröße mitten auf dem Schulgelände. Am 14. Januar wurde die Spende offiziell mit einem Fototermin gewürdigt.
Die Döberitzer Heide und der Ferbitzer Bruch stehen seit 1997 unter Naturschutz. Die Heinz Sielmann Stiftung hält eine schützende Hand über den ehemaligen Truppenübungsplatz, der auf einer Fläche von 3.600 Hektar viele verschiedene Biotope aufweist, darunter offene Sandflächen, Trockenrasen, lichte Wälder und sonnige Waldränder. Solche Landschaften gibt es in Deutschland nicht mehr sehr häufig. Sie bieten aber einen Lebensraum für sehr viele seltene Tier- und Pflanzenarten.
Für die Naturschützer von der Heinz Sielmann Stiftung ist es ganz besonders wichtig, die Offenlandschaften zu erhalten. Ohne eine gezielte Kontrolle würden aufschießende Büsche und Bäumchen schnell dafür sorgen, dass überall Wald entsteht.
Damit die weiten Flächen erhalten bleiben, braucht es große Pflanzenfresser. Seit 2004 sind deswegen in einem deutschlandweit einzigartigen Großsäugerprojekt Wisente in der Döberitzer Heide zuhause. Ihre ständige Beweidung sorgt dafür, dass die Landschaft in der Kernzone nicht verbuscht: Inzwischen gehen 130 Wisente ihrer Aufgabe nach. Es handelt sich dabei um die größte Wisenteherde in ganz Deutschland.
Szenenwechsel. In Elstal gibt es schon lange eine Oberschule. Zusammen mit der neu gebauten Grundschule bildet sie das „Schulzentrum Heinz Sielmann“. Vor allem die sehr modern konzipierte Grundschule zeigt bereits im ganzen Gebäude die enge Verbundenheit zur Heinz Sielmann Stiftung. Denn die Schule setzt auf das moderne Konzept der Lernhäuser. Jedes Lernhaus in der Schule ist dabei farblich individuell gestaltet und einem typischen Tier aus der Döberitzer Heide zugeordnet. Als Patentier kommen hier Reh, Wisent, Przewalski-Pferd, Wiedehopf, Urzeitkrebs und Wildbiene zum Einsatz.
Der Name Sielmann verpflichtet. Die Heinz Sielmann Stiftung hat dem Schulzentrum zwei riesige Wisente aus einem schwarzen Kunststoff zur Verfügung gestellt, die nun in Originalgröße auf dem Schulgelände zu sehen sind und dem Areal ihren besonderen Stempel aufdrücken. Ein drittes Tier steht vor dem Natur-Erlebniszentrum der Stiftung in der Döberitzer Heide. Die beiden Tiere für die Schule wurden übrigens nicht neu angefertigt, sie gehörten zum Fundus der Stiftung. Ihr Einsatz auf dem Elstaler Schulgelände ergibt aber sehr viel Sinn: Die in der Bewegung für immer eingefrorenen Tiere drücken als vierbeinige Statuen stumm die Verbundenheit zwischen dem Schulzentrum und der Stiftung aus. Und sicherlich sind die Schüler auch ganz besonders stolz auf ihr einzigartiges Wahrzeichen.
Auch wenn die beiden Wisente schon länger stumm als Wächter auf die Schüler aufpassen: Am 14. Januar wurden die Tiere noch einmal ganz offiziell „begrüßt“. Wustermarks Bürgermeister Holger Schreiber, Schulleiter Raiko Bäker, Hortleiterin Claudia Ernicke-Jankowiak und Jochen Paleit als Vorstand der Heinz Sielmann Stiftung posierten für Fotos.
Jochen Paleit, der ein ausgebildeter Landschaftsarchitekt ist und vor zwei Jahren selbst noch ein Bürgermeisteramt in einem Ort am Oberrhein bekleidet hat, arbeitet nun seit anderthalb Jahren als Vorstandsvorsitzender in der Sielmann-Stiftung. Er wohnt in Elstal und sagt von sich selbst, dass er eine wirklich große Passion für die Wisente und die anderen großen Weidetiere entwickelt hat. Die naturnahe Umweltbildung findet er extrem wichtig, er möchte gern mehr Kinder zu „Bionauten“ machen. Er mahnte aber auch. Jochen Paleit: „Das Wissen um die Prozesse in der Natur erodiert leider. Die große Frage ist für uns die, wie wir die Kinder und Jugendlichen von den digitalen Medien weg und zurück in die echte Natur führen können.“
Die Lösung liegt auf der Hand. Die Naturlandschaft Döberitzer Heide liegt ja keine zwei Kilometer vom Schulzentrum in Elstal entfernt. Die Schüler sind herzlich eingeladen, das neu errichtete Natur-Erlebniszentrum zu besuchen, das viele moderne Ansätze bietet, um das Wissen um unsere heimische Natur unterhaltsam, spannend und einprägsam zu vermitteln. So mit neuem Wissen ausgestattet macht es natürlich gleich noch einmal mehr Freude, anschließend selbst zu Fuß durch die Döberitzer Heide zu laufen.
Jochen Paleit: „Eine Form der Kooperation mit dem ‚Schulzentrum Heinz Sielmann‘ ist natürlich, dass die Schüler uns besuchen kommen, damit wir zusammen in die Natur gehen und gemeinsam die Tier- und Pflanzenarten in der Döberitzer Heide kennenlernen. Hier geht es um Begegnung und um das gemeinsame Erleben.“
Hortleiterin Claudia Ernicke-Jankowiak: „Vor allem in den Ferien haben wir das Natur-Erlebniszentrum schon mehrfach besucht. Sehr begehrt sind in den Sommerferien während der Hortbetreuung auch unsere Mountainbike-Touren durch die Döberitzer Heide, da gibt es eine sehr hohe Nachfrage. Wir sind dann mit fünf pädagogischen Fachkräften mit dabei und betreuen das. Da haben wir bereits die kleine und auch die große Heiderunde mit den Fahrrädern gemeistert. Dabei geht es natürlich auch immer wieder darum, anzuhalten, Tiere zu entdecken, Fotos zu machen und etwas zu lernen. Wir waren aber auch bei Führungen mit dabei, bei denen die Kollegen der Heinz Sielmann Stiftung mit kleinen Rätseln und Mitmachspielen Wissen über die Döberitzer Heide vermittelt haben.“
Aber findet denn wirklich auch Unterricht in der Schule statt, bei denen die Experten aus der Döberitzer Heide zu Gast sind und zum Lehrer werden?
Schulleiter Raiko Bäker: „Es gibt eine sehr gute Zusammenarbeit, aber sie hängt für uns aufgrund der Nähe zur Döberitzer Heide vor allem mit der Idee zusammen, Themen vor Ort erlebbar zu machen. Wenn in den naturwissenschaftlichen Fächern etwa das Thema Insekten auf dem Lehrplan steht, gehen wir in die Heide und schauen uns die Insekten in ihrem Lebensraum an – mit der Unterstützung der Experten aus der Stiftung.“
Jochen Paleit: „Unser Angebot richtet sich übrigens an alle Schulen in der Region. Gerne kommen wir direkt in den Unterricht. Ebenso gern laden wir aber auch Schul- und Hortkinder zu uns in die Döberitzer Heide ein.“ (Text/Fotos: CS, Luftbild: Sebastian Kelm, Gemeinde Wustermark)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 239 (2/2026).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige




