Zusammen klettern: „Oldies“ gehen jeden Montag in Spandau bouldern!
Wie cool ist das denn? In Spandau haben rüstige Senioren eine ganz erstaunliche Sportart für sich entdeckt, um weiter fit zu bleiben. Immer am Montag um 13 Uhr treffen sie sich in der Cliffhanger Boulderlounge, um gemeinsam an der Wand klettern zu gehen. Das trainiert nicht nur alle Muskeln und fördert die Beweglichkeit und die Standfestigkeit, sondern sorgt auch für Geselligkeit und neue Freundschaften.
Die Boulderhalle Cliffhanger gibt es in Spandau bereits seit Anfang 2016. In der Halle klettert man nicht in die Höhe, braucht also keine Sicherung am Seil. Bei 4,50 Meter Höhe ist hier bereits Schluss. Wer sich von der Wand fallen lässt, landet weich: Dicke Matten am Boden federn nach und sorgen so für Sicherheit. Wer sich beim Bouldern versuchen möchte, leiht sich vor Ort spezielle Kletterschuhe aus und erhält natürlich auch eine Einweisung.
Geschäftsführer Alexander Dietzel: „Es gibt bei uns in der Halle neun Sektoren, also Wandabschnitte, die zum Bouldern einladen. Jede Woche nehmen wir uns einen anderen Sektor vor, montieren alle Kletterelemente ab und schrauben sie wieder neu in die Wand, um auf diese Weise neue Kletterrouten zu generieren.“
Wer sich die Wände anschaut, findet schnell heraus, dass es diese Kletterelemente in den verschiedensten Formen und Farben gibt. An einigen dieser Elemente kann man sich wunderbar mit den Fingern festhalten, andere eignen sich eher dafür, sich mit den Füßen abzustützen. Alexander Dietzel: „Immer die Elemente einer Farbe bilden eine Kletterroute. Dabei lässt sich ein Code ablesen, der festlegt, wie schwierig eine Route zu bewältigen ist. Ziel ist es beim Bouldern immer, nur die Elemente einer Farbe zu verwenden, um so beim Klettern das oberste Element zu erreichen und es wenigstens ein paar Sekunden lang festzuhalten.“
In der Bouldehalle werden Tageskarten ausgegeben. Wer eine solche Karte gebucht hat, darf innerhalb der Öffnungszeiten so lange bleiben, wie er möchte. Alexander Dietzel: „Eine Einweisung ist immer kostenfrei. Man kann aber auch einen Trainer für eine Schnupperstunde buchen. Wir veranstalten auch Kindergeburtstage in der Halle. Und tatsächlich findet bei uns sogar Schulsport statt.“
Ist das Bouldern eigentlich schwer zu erlernen? Alexander Dietzel: „Viele Besucher, die zum ersten Mal bei uns sind, glauben, dass Bouldern sehr kompliziert ist. Sie stellen aber erstaunt fest, dass es ihnen doch sehr leicht fällt. Man hat irgendwie eine natürliche Veranlagung zum Klettern, sage ich immer. Wenn man sich dann noch ein wenig mit der Technik auseinandersetzt, wird alles noch leichter. Unser wichtigster Tipp ist immer: Nicht mit den Händen klettern, sondern mit den Füßen. Man hält sich mit den Händen fest und drückt sich dann mit den Beinen nach oben.“
Bouldern ist ein echtes Ganzkörpertraining, das jeden Muskel fordert und aufbaut. Das machen sich auch einige Senioren aus Berlin-Spandau und dem Havelland zunutze. Sie haben den Boulder-Treff „Oldies“ gegründet. Seitdem treffen sie sich immer am Montag von 13 bis 15 Uhr. Eine zusätzliche Gebühr wird nicht erhoben: Wer eine Tageskarte gelöst hat, darf einfach ohne Voranmeldung mitmachen. Eine Kommunikation erfolgt über die WhatsApp-Gruppe „Cliffhanger Oldies“, die bereits am 24. Januar 2022 ins Leben gerufen wurde.
Beate Quinque (67) reist aus Berlin-Lichtenberg an, um am Montag mit den Senioren bouldern zu gehen: „Der Termin ist mir heilig, da passe ich auf, dass ich zu der Zeit keine andere Verabredung habe. Beim Bouldern treffe ich sehr nette Leute. Montagmittag ist in der Halle noch nicht so viel Betrieb, da sind wir unter uns. Es lohnt sich, auch im Alter regelmäßig zum Bouldern zu gehen, das wirkt sich sehr positiv auf die Fitness aus. Wir nehmen uns auch immer viel Zeit für ein gemeinsames Aufwärmen. Am Anfang hatte ich etwas mit Höhenangst zu kämpfen, das hat sich aber nach einer gewissen Zeit gelegt. Es gibt bei uns neun Senioren, die zum harten Kern gehören und so gut wie immer da sind.“
Die Boulderwand hat bei Beate Quinque einen gewissen Ehrgeiz wachgekitzelt: „Ich habe mit dem Schwierigkeitsgrad 1 und 2 angefangen. Inzwischen meistere ich auch die Kletterrouten mit dem Schwierigkeitsgrad 3 und 4, habe bereits den Schwierigkeitsgrad 5A und 5C bewältigt und habe mich in den letzten Wochen zum ersten Mal an einer 6 versucht.“
Sicherheit steht bei den Senioren an erster Stelle. Beate Quinque: „Unsere Grundregel ist immer: Fallen ist keine Option. Wenn wir unsicher sind oder uns auf einer Kletterroute unwohl fühlen, lassen wir es lieber und brechen ab. Wir machen auch eine Pause, sobald man beim Klettern anfängt zu zittern oder die Hände feucht werden. Uns zwingt ja keiner. Mein Lieblingssatz ist: Bouldern ist wie Tanzen und Gymnastik zusammen.“
Bernd Koczorowski (70) stammt aus Berlin-Charlottenburg. Er erzählt: „Ich hatte mehrere Schlaganfälle und große Probleme mit der Wirbelsäule, ich konnte kaum noch laufen. Eine Freundin hat mich zu einem Schnupperkurs beim Bouldern mitgenommen. Das war ganz toll für mich. Mich treibt keiner an, ich konnte das alles ganz langsam angehen. Inzwischen schaffe ich Boulder-Strecken mit dem Schwierigkeitsgrad 6A+ und bin fit wie ein Turnschuh. Man kann sagen, dass mich Bouldern zurück ins Leben geholt hat.“
Beim Bouldern sind unter den Senioren viele Freundschaften entstanden. Beate Quinque: „Wir sitzen nach dem Bouldern oft noch zusammen, trinken einen Kaffee und reden miteinander. Das gehört einfach mit dazu.“ (Text/Fotos: CS)
Info: Cliffhanger Boulderlounge Berlin, Telegrafenweg 21, 13599 Berlin, Tel.: 030-67060160, www.cliffhanger-berlin.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 239 (2/2026).
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