Clemens‘ Holzdesign in Schönwalde-Glien: Selbst gedrechselt!
Während andere Schüler zum Ende ihrer Schullaufbahn nicht wissen, wie es für sie beruflich weitergeht, gab es für Clemens Theil (17) aus Schönwalde-Glien keinen Zweifel: Er möchte etwas mit Holz machen. Seine Ausbildung zum Tischler in Oranienburg hat er bereits begonnen. In seiner privaten Werkstatt verbringt er außerdem viele weitere Stunden, um Lampenschirme aus Holz zu erstellen oder hölzerne Füller zu drechseln.
Auf dem Grundstück seiner Großmutter nutzt Clemens Theil ein kleines gemauertes Gartenhäuschen, um hier seine ganz persönliche Werkstatt unterzubringen.
Der 17-jährige Schönwalder hat schon ganz früh seine Leidenschaft für den Werkstoff Holz entdeckt: „Bei mir fing das schon im Kindergarten an. Ich hatte Holzschienen zu Hause und habe mir passend dazu an der Hobelbank eine eigene Eisenbahn aus Holz gebaut. Zum vierten Geburtstag hab ich eine richtige Werkbank geschenkt bekommen, die ich tatsächlich noch immer benutze. Ich habe schon immer gern mit Holz hantiert und vor drei Jahren mit dem Drechseln angefangen. Da beim Drechseln sehr viele Holzspäne und Holzstaub anfallen, ging das in meinem Jugendzimmer nicht mehr. Deswegen bin ich in das Gartenhaus unserer Familie umgezogen. Hier kann ich meine Werkbank unterbringen, eine Entlüftung mit Staubfilter aufstellen, meine Werkzeuge und meine Sammlung an Massivholzstücken unterstellen.“
Die große Leidenschaft, die Clemens Theil für die Verarbeitung von Holz mitbringt, sorgt dafür, dass gestandene Handwerker ihm nur allzu gern dabei helfen, sich neues Wissen anzueignen und neue Kniffe zu erlernen: „Der Drechselmeister Uwe Marggraf hat mich ein bisschen unter seine Fittiche genommen und mir viel beigebracht. Ich habe mir einige Techniken aber auch selbst beigebracht, sodass Uwe Marggraf und ich durchaus unsere ganz eigene Art zu drechseln haben. Ich habe auch das Lampendrechseln selbst erlernt. Dabei entstehen ganz dünne Lampenschirme aus Holz, bei denen die Holzmaserung sehr schön sichtbar bleibt. Diese Lampenschirme sind bei meinen Kunden zurzeit äußerst begehrt. Ich probiere eben gern etwas aus und lerne so jeden Tag noch etwas dazu.“
Wenn man so für den Werkstoff Holz brennt, ergibt es natürlich Sinn, sich auch beruflich in dieser Richtung zu engagieren. Clemens Theil: „Ich habe eine Ausbildung zum Tischler in der Tischlerei Segler in Oranienburg angefangen. Natürlich ist hier der Arbeitsweg recht lang. Aber ich habe mir diese Tischlerei ganz bewusst unter dem Aspekt ausgesucht, dass sie vor allem mit Massivholz arbeitet. Es ist mir sehr wichtig, dass ich wenig mit Plattenmaterialien arbeite, sondern lieber mit echtem Holz. Es macht mir einfach Freude, der Natur eine Bühne zu geben. Ich gebe dem Holz zwar eine neue Form, hebe aber trotzdem das hervor, was die Natur zuvor erschaffen hat. Die Maserung vom Holz und auch kleine Holzfehler wie etwa der Ursprung eines Astes sind in meinen Augen Dinge, die das Material erst lebendig machen. Insofern verstehe ich meine Arbeit durchaus als Kunst.“
Seit Jahrzehnten wissen viele Schüler nicht, wie es nach der Schule für sie weitergeht. Vielleicht, weil echte Interessen fehlen oder weil sich die Heranwachsenden zu spät mit dem Thema Beruf beschäftigen. Das findet Clemens Theil schade: „Ich bin fest davon überzeugt, dass jeder seine Berufung oder seine Leidenschaft finden und sie zu seinem Beruf machen kann.“
Der angehende Tischler möchte dabei helfen, mehr Insider-Wissen über seine eigene Ausbildung im Handwerk zu vermitteln. Auf seinem Instagram-Account (www.instagram.com/clemens.holzdesign/) veröffentlicht er deswegen an jedem einzelnen Arbeitstag ein neues Video, das aufzeigt, was er gerade in der Ausbildung tut. Da geht es etwa darum, Löcher in Dielenböden zu schlagen, Akustikpaneele richtig zu montieren, die kleinste Ratsche der Welt einzusetzen, Bauschaum und Silikon zur Fixierung von Türzargen zu verwenden oder eine alte Tür zu restaurieren. Über 80 Videos sind bei Instagram bereits online gegangen: Spannende Einblicke in die alltäglichen Arbeiten eines Tischlers. Und eine gelungene Werbebotschaft fürs Handwerk.
Auch neben der Ausbildung wird Clemens Theil bereits selbst aktiv. In seiner Freizeit erstellt er unter dem Namen „Clemens‘ Holzdesign“ (Kontakt: theilclemens@gmail.com, Tel.: 0151-59951179) Alltagsgegenstände aus Holz, die auf lokalen Märkten verkauft werden: „2023 hat das angefangen. Da habe ich erst für die Familie und dann auch für Freunde Präsente aus Holz angefertigt. Vorrangig Füller, Kugelschreiber und Druckbleistifte, wobei der Korpus der Stifte aus gedrechseltem und glänzend poliertem Massivholz besteht. Jetzt sind die gedrechselten Lampenschirme hinzugekommen. Ich finde es toll, das Licht der Lampe mit der Holzmaserung in Verbindung zu bringen. Gerade die Rotbuche sieht hier einfach toll aus. Als nächstes möchte ich mich an hölzernen Gewürzmühlen versuchen.“
Einen Online-Shop gibt es noch nicht. Am einfachsten ist es, Clemens Theil über Instagram zu kontaktieren. Oder man trifft ihn auf einem der nächsten Märkte. Clemens Theil: „Beim nächsten Handwerkermarkt von EDEKA Vujanov am 26. April bin ich auf jeden Fall wieder mit dabei.“
Gern würde sich der junge Schönwalder nach der Ausbildung selbstständig machen und in eine größere Werkstatt umziehen. Und auch das steht an: „Ich lerne in der Ausbildung, wie man zwei Holzteile ohne Nägel und Kleber so zusammenbringt, dass die Verbindung dauerhaft hält. Das sind traditionelle Handverbindungen. Da arbeitet man nur mit der Säge und dem Stemmeisen. In diesem Bereich gibt es sogar eine Deutsche Meisterschaft. An der würde ich gern einmal teilnehmen. Ganz traditionell möchte ich nach der Ausbildung in der Zunftkleidung auf Wanderschaft gehen, also auf die Walz. Und ein Traum ist es, für eine Weile nach Schweden zu ziehen, um dort im Wald ein Blockhaus aus Holz zu bauen.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 239 (2/2026).
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