Beschluss vom Kreistag: Das MAFZ wird 2026 abgewickelt!
Die Tage vom Märkischen Ausstellungs- und Freizeitzentrum (MAFZ) sind gezählt. Der Landkreis muss sparen – und die für den weiteren Betrieb vom „Erlebnispark Paaren“ benötigten Zuschüsse sind für die Kasse einfach zu hoch. Der Kreistag hat deswegen im Dezember beschlossen, die Betreibergesellschaft des MAFZ abzuwickeln. Bis entschieden ist, wie es weitergeht, kann es aber noch dauern.
Der Landkreis Havelland muss aufs Geld achten. Landrat Roger Lewandowski erklärt die Situation wie folgt: „Der Landkreis war im September 2024 schuldenfrei und hatte keine Kreditverbindlichkeiten mehr. Wir haben aber inzwischen deutlich mehr Ausgaben als Einnahmen und können die Differenz nur ausgleichen, indem wir in unsere Rücklage greifen. Nun ist es so, dass wir 2026 neue Kredite aufnehmen müssen, um neue Schulprojekte wie eben den Neubau eines Gymnasiums in Wustermark bezahlen zu können. In diesem Kontext muss unser Haushalt vom Ministerium des Inneren begutachtet und auch genehmigt werden. Die schauen sich dabei auch unsere mittelfristige Finanzplanung ganz genau an. Dabei sehen sie, dass unsere Rücklagen nicht ewig vorhalten werden – und mahnen an, dass gespart wird.“
Der Landkreis unterstützt so etwa die Havelland Kliniken jedes Jahr mit bis zu 15 Millionen Euro. Geld kostet auch das Kulturzentrum Rathenow. Roger Lewandowski: „Vor allem aber unsere Jugend- und Sozialausgaben explodieren. Wir müssen gegensteuern, bevor das Ministerium uns ein verpflichtendes Haushaltssicherungskonzept überhilft. Deswegen habe ich eine Arbeitsgruppe aus allen Fraktionen eingerichtet, die alles auf den Prüfstand gestellt hat, um zu schauen, wo sich Einsparungen realisieren lassen. Dabei kam ganz deutlich heraus, dass die MAFZ-Betreibergesellschaft trotz aller finanziellen Zuwendungen vom Landkreis seit Jahren Minus schreibt.“
Der Landkreis, dem auch das Grundstück vom MAFZ gehört, zahlt im Jahr etwa 330.000 Euro nur für den Erhalt der Gebäude, 167.000 Euro als Zuschuss für Veranstaltungen, 100.000 Euro für den Haustierpark und den Wasserspielplatz und noch einmal 100.000 für das Grüne Klassenzimmer. Roger Lewandowski: „Während der Corona-Zeit hat die MAFZ GmbH außerdem einen Kredit von 320.510 Euro bekommen. Das Problem ist, dass die Betreiber-GmbH weiterhin rote Zahlen schreibt. 2024 waren es alleine 218.100 Euro.“
Die Zahlen führten nun dazu, dass im Kreistag beschlossen wurde, das Märkische Ausstellungs- und Freizeitzentrum abzuwickeln, also im Klartext – die dafür verantwortliche MAFZ GmbH aufzulösen. Gesellschafter der GmbH ist übrigens nicht alleine der Landkreis mit seinen 88,98 Prozent. Mit an Bord sind auch die Gemeinde Schönwalde-Glien (2,01 Prozent), der Rinderzuchtverband Berlin/Brandenburg (2 Prozent), der Landesbauernverband (2,01 Prozent) und die Pro Agro GmbH (5 Prozent). Letztere hat auch ihren Bürositz auf dem Gelände.
Roger Lewandowski: „Am 15. Dezember wurde auf dem Kreistag beschlossen, den Landrat damit zu beauftragen, die Auflösung der GmbH vorzubereiten und alternative Nutzungsmöglichkeiten für die Liegenschaften vorzubereiten.“
Das MAFZ (www.erlebnispark-paaren.de) besteht nicht nur aus der Brandenburghalle, in der regelmäßig Veranstaltungen wie etwa Tierschauen, Schlachtefeste oder Kreativitätstage stattfinden, sondern auch aus einem großen Outdoor-Areal, auf dem in der Vergangenheit Schlager-Festivals, Oldtimer-Ausstellungen, Feuerwerk-Meisterschaften und natürlich die Brandenburger Landwirtschaftsschau (BraLa) durchgeführt wurden. Eine Schaubrauerei und ein Hofladen gehören ebenfalls mit dazu.
Wie kann man sich nun die Abwicklung der MAFZ GmbH vorstellen? Roger Lewandowski: „Der Landkreis ist ja nicht der einzige Gesellschafter. Wir werden Anfang des Jahres eine Sitzung mit dem Aufsichtsrat und der Gesellschafterversammlung abhalten. Hier müssen die Gesellschafter noch der Auflösung zustimmen, damit die Gesellschaft wirklich liquidiert werden kann. Diese Liquidierung dauert im Regelfall etwa ein Jahr.“
Veranstaltungen, die für 2026 bereits angekündigt sind und die auch keine Verluste schreiben, werden weiterhin durchgeführt. Roger Lewandowski: „Auch die BraLa wird weiter geplant. Aber wir werden keine Verträge mehr für neue Veranstaltungen unterschreiben.“
Die große Frage ist: Wenn die Betreibergesellschaft nicht mehr existiert: Was passiert im Anschluss mit dem schönen großen Gelände?
Roger Lewandowski: „Wir werden noch im Januar erneut eine Arbeitsgruppe zusammenstellen – mit Mitgliedern aus allen Fraktionen vom Kreistag, aber auch mit Kollegen aus der Verwaltung, um Ideen und Vorschläge zu sammeln. Es gab ja in der Vergangenheit schon Konzepte, die wir zusammen mit dem Kreistag entwickelt haben. Ein Bildungscampus scheiterte an mangelnden Fördergeldern. Wir wollten ein Kompetenzzentrum für die Landwirtschaft einrichten – unter Berücksichtigung des Klimawandels. Dafür gab es auch keine finanzielle Unterstützung. Wir wollten das MAFZ touristisch mehr erschließen. Auch das scheiterte am Geld. Es melden sich nun bei uns bereits erste Investoren von außen, die eine Idee für das Gelände mitbringen. Wir werden sehen, wohin das führt. Verkaufen würde ich persönlich das Grundstück aber nur sehr ungern.“
Die MAFZ GmbH wird von den beiden Geschäftsführern Ute Lagodka und Steffen Krebs geleitet. Beide haben bis zum Redaktionsschluss auf die Bitte nach einem persönlichen Statement nicht reagiert. (Text/Archivfotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 238 (1/2026).
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