Neuauflage des Yu-Gi-Oh!-Turniers in Falkensee: Turnier der Heiligen Drei Könige in der Stadthalle!
In der Stadthalle wird zur Freude der Zuschauer gesungen, es finden Tanzabende statt, Schriftsteller lesen aus ihren Büchern und manchmal wird sogar dem Gegner auf die Nase geboxt. Beim „Turnier der Heiligen Drei Könige“ spielen Zuschauer aber keine Rolle: Die aus ganz Deutschland angereisten Duellanten sind sich selbst genug. Christopher Böttcher aus Rostock hat am 10. Januar bereits zum zweiten Mal ein Yu-Gi-Oh!-Turnier für die Freunde des japanischen Sammelkartenspiels organisiert.
Viele kennen Sammelkartenspiele wie Pokémon, Magic the Gathering oder Lorcana. Ein Klassiker von Anfang an ist das aus Japan stammende Yu-Gi-Oh!, das seit vielen, vielen Jahren eine starke Fangemeinde hat. Viele Fans sammeln die Karten von Kindesbeinen an, weil sie einfach nur schön (und zum Teil auch wertvoll) sind. Andere nutzen sie aber gezielt, um sich ein starkes Set zum Spielen zusammenzustellen.
Inzwischen gibt es viele tausend einzigartige Karten, die sich als Basis für eine Auseinandersetzung am Tisch verwenden lassen. In jedem Jahr erscheinen in der Regel vier große Sets mit komplett neuen Karten, die sich problemlos in das Spiel integrieren lassen. Hier gibt es schwache und starke Karten, die erst im geschickten Miteinander dabei helfen können, dass ein Spieler den Sieg davonträgt.
Karten mit Monstern, Zaubern und Fallen sollen dabei helfen, die Lebenspunkte des Kontrahenten von anfangs 8.000 auf Null zu reduzieren. Gespielt wird dabei auf einer bunten Spielmatte. Eine Besonderheit ist, dass sich die Spielkarten der beiden Gegner nicht vermischen, sondern dass die Karten immer nur auf der eigenen Hälfte der Spielmatte ausgelegt werden. So lassen sie sich am Ende der Partie leicht wieder einsammeln.
Die große Frage ist: Wo trifft man auf andere Spieler, die ebenfalls großen Spaß daran haben, die wirklich komplexen und nicht immer leichten Regeln zu lernen, die mit den vielen tausend Karten einhergehen, die sich immer wieder neu für ein persönliches Deck zusammenstellen lassen?
Christopher Böttcher aus Rostock (37, www.phototaxis.eu) bringt die Spieler zusammen. Er hat bereits vor zwei Jahren am 6. Januar 2024 in der Falkenseer Stadthalle das „Turnier der Heiligen Drei Könige“ unter dem Titel „Rebirth“ ausgerufen: „Das HDK-Event gibt es eigentlich schon seit 2007. Ich hatte aber zwischendurch aufgehört mit Yu-Gi-Oh! Da haben andere das Event übernommen. Vor drei Jahren habe ich es mir zurückgeholt und es neu aufleben lassen. Wir möchten vor allem für den Norden Deutschlands ein Event anbieten, auf dem sich Yu-Gi-Oh-Spieler untereinander messen können. Die Stadthalle von Falkensee ist optimal für unsere Zwecke geeignet.“
Nach dem Revival ging es am 4. Januar 2025 in Olsberg weiter mit der HDK-„Revolution“, nun trafen sich die Spieler am 10. Januar 2026 erneut in Falkensee. Der Code-Name der dritten Veranstaltung: „Return“. Tickets für den Spieletag konnten die Freunde des Sammelkartenspiels ab 29,99 Euro im Vorfeld online bestellen.
Ist denn Yu-Gi-Oh! trotz der starken Konkurrenz durch Pokémon und One Piece weiter ein Thema für die Spieler? Christopher Böttcher: „Unbedingt. Wenn ich an meine aktive Zeit als Spieler denke, so gab es damals Turniere für vielleicht 300 bis 400 Leute. Heute kommen leicht bis zu 2.000 Spieler zu den großen Events. Letztes Jahr in Düsseldorf kamen 5.000 bis 6.000 Leute zusammen.“
In der Falkenseer Stadthalle hatte das Orga-Team des Turniers wieder zahlreiche Tische mit Stühlen bereitgestellt. Die Tische waren nummeriert. So konnte man die Kombattanten gut zusammenbringen. Der Computer berechnete die Paarungen und gab den Countdown bis zum Start einer neuen Spielrunde vor. Am Tisch konnten die Spieler ihre Spielmatte ausbreiten und die Karten in Stellung bringen.
Als Spieler war auch Peter Heine (35) aus Wildau bei Königs Wusterhausen mit dabei: „Ich spiele Yu-Gi-Oh!, seitdem ich 13 Jahre alt bin. Ich habe nie damit aufgehört und nie eine Pause eingelegt, höchstens, wenn große Prüfungen anstanden, das war dann doch wichtiger. Ich spiele, wenn es geht, gern mehrmals im Monat. In Berlin gibt es mehrere Läden, die auf Sammelkarten spezialisiert sind, und in denen man Gleichgesinnte treffen und mit ihnen spielen kann. Ich reise auch gern zu den größeren Turnieren. Ich habe keine Kinder und kann mir auf Arbeit rechtzeitig freinehmen, wenn ein Event wie etwa die Deutsche Meisterschaft oder die Europameisterschaft anstehen.“
Peter Heine kann selbst gar nicht so genau sagen, wie viele Yu-Gi-Oh-Karten er aktuell besitzt. Mitunter trennt er sich von einzelnen Karten, um so seine Reisen mit zu finanzieren: „Mal habe ich mehr Karten, mal weniger. Wichtig ist: Für mich bleibt das Spiel auch nach all diesen Jahren weiterhin spannend.“
Wenn bei einem Turnierspiel Karten wie „Ansteckender Ausrottungsvirus“ oder der „Laternenhai“ ausgespielt werden, kann es durchaus zu Diskussionen kommen, ob eine Aktion rechtens ist oder nicht. Um Zank und Streit unter den Turnierteilnehmern zu verhindern, hat das Orga-Team extra Schiedsrichter bereitgestellt, darunter vier „Floor Judges“ zwischen den Tischen und einen „Head Judge“ und einen „Assistand Head Judge“ für den Fall, dass ein Streitfall doch komplexer ausfällt.
Konrad Rösel war am 10. Januar einer der Schiedsrichter. Er und sein Team bekamen viel zu tun, ihre schlichtende Expertise war oft gefragt: „Ich bin selber Spieler, die meisten Regeln habe ich im Kopf. Oft lassen sich Streitigkeiten aber bereits dadurch klären, wie man die Karte liest.“
Es gibt auf den Karten bestimmte Schlagwörter, die eigentlich klar vorgeben, wie eine Karte einzusetzen ist. Aber es gibt eben schon einige besondere Karten, die nicht ganz so eindeutig zu lesen sind. Oder es entstehen Probleme durch die Interaktion verschiedener Karten, deren Auswirkung man so oder so interpretieren kann. Konrad Rösel: „Da haben wir uns bereits im Vorfeld besprochen, wie wir damit umgehen. Jeder Spieler hat aber das Recht, eine Situation anzuzweifeln, das nennen wie ‚appealen‘. Dann kommen wir Schiedsrichter ins Spiel. Nicht immer geht es nur um Regeln, manchmal wird auch ein Fehlverhalten der Spieler angemahnt.“
2024 waren noch 300 Spieler vor Ort. 2026 waren es nur knapp hundert. Was ist passiert? Christopher Böttcher: „Viele Spieler konnten leider wegen des Schneesturms Elli nicht anreisen. Die Bahn hält auch zurzeit nicht in Falkensee. Und zeitgleich gab es an diesem Wochenende auch andere Yu-Gi-Oh-Wettbewerbe, bei denen man Punkte etwa für Weltmeisterschaften sammeln konnte.“
Was vor Ort noch auffiel: Yu-Gi-Oh! scheint eine reine Männerdomäne zu sein, spielende Frauen konnten nicht gesichtet werden! (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 239 (2/2026).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige


























