Bodos letzte Rede: Bürgermeister Oehme lud zum letzten Mal zum Neujahrsempfang in Schönwalde-Glien!
Es geht auf die Ziellinie zu. Bodo Oehme ist seit knapp 33 Jahren der Bürgermeister von Schönwalde-Glien. Ende des Jahres geht er – nicht ganz freiwillig – frühzeitig in den Ruhestand. Am 17. Januar lud er zum letzten Mal als aktiver Bürgermeister zum Neujahrsempfang in den Schwanenkrug ein. Die eingeladenen Gäste waren neugierig und ließen sich Oehmes Rede nicht entgehen. Sie erwarteten eine verbale Schlammschlacht mit den Gemeindevertretern, die den Bürgermeister vorzeitig aus dem Amt drängen wollten. Der große Knall blieb aber aus.
Samstag morgen, zehn Uhr in Schönwalde-Glien. Bodo Oehme begrüßte die Gäste des Neujahrsempfang im schwarzen Anzug und mit roter Krawatte, die Amtskette gut sichtbar um den Hals gehängt.
Schnell füllte sich der Saal im Schwanenkrug mit den eingeladenen Gästen. Alle Ortsvorsteher von Schönwalde-Glien waren mit dabei, hinzu kamen Vertreter aus der Politik, der Wirtschaft, der Kultur und aus dem Ehrenamt. Es hätten durchaus noch mehr verdiente Schönwalder unter den Gästen sein können, aber Bodo Oehme legt auch immer großen Wert darauf, die Bürgermeister aus den Nachbarorten einzuladen und auch Vertreter aus den Partnergemeinden und -Orten mit an den Tisch zu bitten.
Traditionell sorgten die Pausiner Jagdbläser für die erste musikalische Einstimmung der Gäste. Die Jagdbläser haben 2025 bei den Brandenburger Jägertagen im MAFZ den ersten Platz im Wettstreit der Jagdhornbläser errungen – und spielten bekannte Melodien aus dem jagdlichen Umfeld.
Zum Einsatz kam auch wieder der Gemischte Chor 1984 e.V., der tatsächlich von Anfang an bei jedem einzelnen Neujahrsempfang in Schönwalde-Glien zu hören war. Er wurde in diesem Jahr sogar noch unterstützt – vom angereisten Chor der Partnergemeinde Schönwalde-Barnim (Wandlitz), die bereits seit knapp 30 Jahren enge Beziehungen mit dem Havelländer Schönwalde pflegt.
„Keine Sorge, die Rede wird dieses Jahr kürzer“, hieß es bereits im Vorfeld. Als Bodo Oehme dann an das Rednerpult trat, war die Neugierde groß, ob es denn dieses Jahr wohl eine ganz andere Rede gäbe als sonst. Das war nicht der Fall. Traditionell schlug Ohme mit der verbalen Machete eine Schneise durch die internationale Politik und arbeitete sich an Themen wie der Wehrpflicht, den Trump’schen Zöllen, an der Bundestagswahl und am Zustand des Deutsch- und Matheunterrichts in den Schulen ab. Und: „Wir sollten uns auf Bundesebene schon mal überlegen, ob wir eine Politik machen für die, die nicht arbeiten gehen, oder für die, die arbeiten gehen. Da sage ich Ihnen ganz ehrlich, es ist gegenwärtig nicht motivierend, arbeiten gehen zu wollen.“
Ein großes Thema in der Rede war natürlich das gerade erst abgeschmetterte Abwahlverfahren, das die Opposition aus dem Schönwalder Gemeinderat gegen den amtierenden Bürgermeister angestrengt hatte – nachdem es in der Vergangenheit bereits „28 Dienstaufsichtsbeschwerden und 110 Petitionen“ gegen den Bürgermeister gegeben hatte. Tatsächlich hatten die Gemeindevertreter (ohne Oehmes Partei, der CDU) am 20. November 2025 ihrem Bürgermeister per Feststellung das Vertrauen entzogen, um bereits am folgenden Tag Plakate aufzuhängen und Broschüren zu verteilen, die auf ein Bürgerbegehren zur Erzielung eines Bürgerentscheids zur Abwahl des Bürgermeisters hingearbeitet haben.
Bodo Oehme hatte darauf reagiert, indem er einen um ein Jahr vorgezogenen vorzeitigen Ruhestand zum 1. Dezember 2026 vorschlug. Das Bürgerbegehren wurde daraufhin vor der Auszählung der Stimmen beendet. Im Flurfunk hieß es, dass zu wenige Bürger das Begehren unterschrieben hätten. So sagte Bodo Oehme auf dem Neujahrsempfang: „Ich danke den Bürgerinnen und Bürgern unserer Gemeinde Schönwalde-Glien, die klar und deutlich in der Mehrheit gesagt haben, dass sie immer noch zu ihrem Bürgermeister stehen – und das nach fast 33 Jahren.“
Dass das Tischtuch zwischen dem Bürgermeister und der Gemeindevertretung dauerhaft zerschnitten ist, konnte man aber auch an dem Fakt ablesen, dass viele Mitglieder der Gemeindevertretung auf dem Neujahrsempfang nicht mit dabei waren; sie sind lieber Zuhause geblieben.
In seiner Rede ging Bodo Oehme immer wieder auf das „Abwahlbegehren“ ein. Es kam aber nicht zum großen Donnerwetter, zur persönlichen Abrechnung mit den einzelnen Parteien und auch nicht zum großen Skandal, der den Ort erschüttert (wie es manche erwartet hatten).
Der Bürgermeister reagierte nur sichtlich angefasst auf diesen Vertrauensentzug und nutzte die Gelegenheit, seine Sicht der Dinge zu erklären. Etwa, was das neue Wohngebiet im Erlenbruch, den Wiederaufbau der Seebadgaststätte am Strandbad oder den Neubau des EDEKA-Markts in der Siedlung anbelangt.
Mit dem Satz „Auch wenn gesagt wird, in der Gemeinde ist nur noch Stillstand, dann möchte ich denjenigen einiges in Erinnerung rufen“ leitete Bodo Oehme auch zu einer Aufzählung über, was in der Gemeinde zuletzt alles geschafft wurde, darunter u.a. der Ausbau der L16 zwischen Börnicke und Grünefeld, die Übergangslösung für den Hort der Grundschule Perwenitz oder die Modernisierung des Schulsportplatzes in der Siedlung.
Er mahnte aber auch an, in seiner Amtsausübung unnötig gebremst zu werden: „Es hat wenig Sinn, mit einem Segelschiff über den See zu segeln, wenn unten am Schwert ein Blecheimer hängt“.
Aber das Ende seiner Laufbahn ist fast erreicht, so Oehme: „Zum 1. Dezember 2026 werde ich, und das kann mir keiner nehmen, der Alt-Bürgermeister sein. Dann habe ich 33 Jahre aktiv für diese Gemeinde zur Verfügung gestellt. Die Gemeinde muss sich nicht schämen, im Gegenteil, wir haben gegenwärtig 16 Millionen Euro auf dem Konto. Ich hinterlasse eine Gemeinde, der es gut geht.“
Dabei war Bodo Oehme klar, dass der Umgang mit ihm selbst nicht immer ein leichter war: „Ich habe mich mit jedem angelegt, das können Sie mir glauben, egal, von wo er kam und wer er war, wenn es um unsere Gemeinde ging.“
Am Ende hatte Bodo Oehme, und das hat man so auch noch nicht gesehen, einen dicken Kloß im Hals und eine Träne im Auge. Die Gäste dankten ihm seine Mühen in über drei Jahrzehnten mit stehendem Applaus. Und mit der großen Sorge, wer denn wohl im kommenden Jahr die Geschicke der Gemeinde als Bürgermeister steuern könnte.
Deniz Oral brachte die Besucher als neuer Betreiber vom Schönwalder Schwanenkrug schnell auf neue Gedanken – und versorgte die Gäste mit einem deftigen Büffet samt einem kompletten Spanferkel vom Grill. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 239 (2/2026).
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