30 Minuten Tanzshow „Growing up“ in der Falkenseer Stadthalle: Innere Monster
Manchmal muss man einfach ein bisschen Glück haben, um die besonderen Ereignisse mitzuerleben, bevor sie auch schon wieder vorbei sind. Nachdem 23 Tänzerinnen vom TSV Falkensee bereits im vorletzten Jahr mit professioneller Hilfe ein beeindruckendes Tanz-Theaterstück auf die Bühne der Falkenseer Stadthalle gebracht hatten, gab es am 14. Dezember noch einmal einen Nachschlag: Das neue 30-Minuten-Stück „Growing Up“ visualisierte die inneren Konflikte von Jugendlichen.
Im letzten Jahr passierte in Falkensee etwas Magisches. Natascha Grünberg, die beim TSV Falkensee den Fachbereich „Tanz“ leitet, konnte 19.000 Euro Förderung aus dem Programm „Kultur macht stark. Bündnisse für Bildung“ vom Bundesministerium für Bildung und Forschung abrufen.
Mit dem Geld wurde ein einzigartiges Projekt realisiert. 23 TSV-Mädchen im Alter zwischen 9 und 14 Jahren führten das Tanztheaterstück „Beyond Borders“ auf – auch auf der Bühne der Stadthalle Falkensee. Natascha Grünberg: „Die Tänzerinnen beschäftigten sich in mehreren Tanzbildern mit dem Thema Grenzen überwinden.“
Das große Glück: Natascha Grünberg konnte auf die Unterstützung eines sehr professionellen Teams bauen. Carley Marholin, die elf Jahre lang in renommierten Tanzcompagnien in New York getanzt hat und in Deutschland Engagements an der Semperoper Dresden und den Landesbühnen Sachsen hatte sowie aktuell an der Staatsoper Unter den Linden als Tänzerin beschäftigt ist, kümmerte sich um die Tanz-Choreographie – und brachte einen kosmopolitischen Expressionismus in die Falkenseer Aufführung. Die für die Besucher der Veranstaltung vollständig kostenlos war.
Natascha Grünberg: „Die große Überraschung: Wir haben noch einmal 23.000 Euro aus dem gleichen Topf bekommen. Unser neues Projekt wurde wieder gefördert von ChanceTanz, einem Projekt des Vereins ‚Aktion Tanz – Bundesverband Tanz in Bildung und Gesellschaft e.V.‘ So konnten wir einen Nachfolger von ‚Beyond Borders‘ entwickeln, der den Namen ‚Growing up‘ bekommen hat.“
„Growing Up“ ist ein neues halbstündiges Bühnen-Theaterstück ohne Sprache, bei der allein die Bewegungen der dieses Mal zwanzig jungen Tänzerinnen in Verbindung mit den Kostümen und der Musik die Geschichte erzählen. Die Uraufführung fand am 14. Dezember um 16:30 Uhr in der Stadthalle statt – wieder mussten die Besucher keinen Eintritt bezahlen. Eine weitere Aufführung wird es am 18. April 2026 in der Jugendtheaterwerkstatt Spandau geben. Gern schlüpfen die TSV-Mädchen noch ein weiteres Mal in ihre Kostüme, falls sich Veranstalter finden, die eine passende Bühne zur Verfügung stellen.
Natascha Grünberg: „Hinter den Kulissen haben wir mehrere Monate lang geprobt. Unser bewährtes Team ging wieder gemeinsam an die Aufgabe heran, das neue Stück auf die Bühne zu bringen. Carley Marholin kümmerte sich erneut um die Choreographie, Charlotte Lorenz um das Schauspiel. Frank Helfer gab musikpädagogische Unterstützung und schrieb die Musik genau auf die Choreo. Inga Helfer kümmerte sich um die eingespielten Grafiken auf der Leinwand. Viktoria Stritic entwarf und gestaltete die Kostüme.“
Doch worum geht es bei „Growing up“ genau? Man erinnere sich einfach an die eigene Schulzeit. Damals wie heute gab und gibt es die angesagten Schüler, die Streber, die Nerds, die Sportler oder die Außenseiter. „Growing up“ lässt sich auf genau diese Thematik ein. Das Stück beschäftigt sich mit den inneren Konflikten und Identitätsfragen der Jugendlichen. Wer bin ich – und bin ich das wirklich? Bin ich so, weil ich dazugehören möchte? Bin ich vielleicht jemand ganz anderes? Gibt es ein „Monster“ in mir, das ich verstecke? Bin ich nur Fassade, weil die Gesellschaft es so erwartet?
In mehreren spektakulären und sehr beeindruckenden Tanzbildern treffen in „Growing Up“ die Cool-Girls, die Follower-Girls, die New Girls, die Teacher Girls und die Outsider aufeinander.
Die einzelnen Gruppierungen konnte man auf der Bühne bereits anhand ihrer uniformen Kleidung gut auseinanderhalten. In welchen Beziehungen die einzelnen Gruppen zueinander stehen und wie man das innere „Monster“ entfesselt, zeigten die Tänze. Passend zur basslastigen Musik, die zeitweise von einer live spielenden Gast-Trommelgruppe aus Spandau unterstützt wurde, präsentierten die Mädchen einen beeindruckenden Auftritt, dessen einzelne Tanzelemente innovativ, mutig, außergewöhnlich, erfrischend, beängstigend und umwerfend waren. Den Auftritt selbst hätte man von der Qualität der Darbietung auch in einem großen Theater am Broadway verorten können.
Birgit Faber, Geschäftsführender Vorstand vom TSV, war nach der Veranstaltung ganz gerührt von ihren Tanzmädchen: „Unsere wunderbaren Tänzerinnen haben gezeigt, dass es nicht einfach ist, erwachsen zu werden, gemeinsam aber möglich ist. Elf Monate Proben, Schweiß und Emotionen – es hat sich gelohnt. “
Natascha Grünberg zeigte sich nach der gelungenen Aufführung vor voll besetzten Stuhlreihen erleichtert: „Das Stück zeigt sehr schön, wie man sich als Heranwachsender nicht im Gruppenzwang verliert und an Normen anpasst, sondern seine eigene Individualität findet.“
Das nächste Tanzprojekt ist bereits in Arbeit – für die TSV-Weihnachtsgala Ende des Jahres. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 238 (1/2026).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige
































