Sammelkarten als Geldanlage: Philipp Schulze aus Falkensee handelt mit seltenen Pokémon-Karten!
Die einen legen ihr Geld bei der Bank an, die anderen kaufen Gold oder investieren in Aktien. Als Wertanlage mit einer gewissen Rendite eignen sich auch Immobilien, Bitcoins, wertvolle Gemälde – oder bunte Pokémon-Karten. Philipp Schulze aus Falkensee ist einer der Händler, der sich gezielt auf die wertvollen Pokémon-Raritäten spezialisiert hat – und darauf hofft, dass die Spekulationsblase nicht platzt.
Am 20. Oktober 1996 erschien das allererste Pokémon-Set in Japan. Drei Jahre später wurden die kleinen bunten Karten auch in den USA und in Deutschland veröffentlicht. Millionen Kinder entdeckten damals schon die „Taschen-Monster“ (so die deutsche Übersetzung des japanischen Worts Pokémon) für sich und kauften die Karten mit Glurak, Turtok oder Pikachu. Die Karten mit den niedlichen Monstern, die sich in zwei Stufen weiterentwickeln können, ließen sich vortrefflich sammeln und tauschen. Und man konnte mit den Karten sogar richtig spielen. Wie die Nachfolger „Magic the Gathering“, „One Piece“ oder „Lorcana“ ist „Pokémon“ nämlich ein Sammelkartenspiel. Zu zweit sitzt man sich dabei gegenüber und lässt seine Pokémon aufeinander los.
Der Anreiz für Geldanleger ist der: Die meisten Sammelkarten aus einem Set sind Standardkarten, die millionenfach gedruckt werden. Diese sogenannten Bulk-Karten sind oft nur ein paar Cent wert, wenn überhaupt. Aber es gibt eben immer auch Karten, die sind extrem selten, da sie nur in allerkleinsten Stückzahlen produziert wurden. Und diese besonderen Karten werden mit den Jahren immer wertvoller. Die teuerste Pokémon-Karte ist zurzeit die japanische „Pikachu Illustrator“ von 1998, die schon einmal für vier Millionen Dollar den Besitzer gewechselt hat.
Zurzeit gibt es weltweit etwa 15.000 verschiedene Pokémon-Karten. Jährlich kommen meist drei bis vier neue Sammelsets hinzu, die jeweils aus etwa 180 bis 260 Karten bestehen. Das interessiert die echten Fans, die gern ganze Sets in ihre dicken Sammelmappen einsortieren möchten.
Es gibt aber eben auch die Menschen, die interessieren sich ausschließlich für die seltenen und damit besonders wertvollen Karten – als Investment und Geldanlage.
Einer von ihnen ist Philipp Schulze (28) aus Falkensee-Finkenkrug: „Ich habe selbst schon als Kind Pokémon-Karten gesammelt, das später aus den Augen verloren und den Spaß an den Karten erst vor ein paar Jahren wiederentdeckt. Es ist schon ein tolles Gefühl, wenn diese alte Sammelleidenschaft wieder aufflammt. Sammeln ist Leidenschaft und Euphorie. Ich sammle aber nicht alles, sondern selektiere schon sehr. Ich suche gegradete japanische Karten aus meinem Geburtsjahr 1997. Und ich versuche, alle Karten passend zu ganz besonderen Pokémon zu bekommen. Meine persönliche Sammlung besteht aus etwa 200 Karten. Mein Wunsch-Kartenschatz wäre die Pokémon-Karte ‚Lovebirds‘, die ganz romantisch zwei vogelartige Pokémon zeigt. Die kostet aber auch um die tausend Euro.“
Um sich diese Wertanlage zu finanzieren und mit den Gewinnen die eigene Sammlung zu erweitern, hat Philipp Schulze ein Kleingewerbe angemeldet, um Handel treiben zu können. Als „Phils Card Lounge“ ist er auf Instagram zu finden, handelt aber vor allem online auf dem ‚Card Market‘ (www.cardmarket.com/de): „Der Card Market ist Europas größter Online-Marktplatz für Sammelkarten. Die Preise, die hier für einzelne Karten aufgerufen werden, spiegeln den aktuellen Marktpreis am ehesten wieder. Hier stelle ich meine Karten ein, und wenn die jemand auf der Plattform kauft, verschicke ich sie per Post. Im Schnitt habe ich fünf bis zehn Bestellungen pro Tag.“
Philipp Schulze konzentriert sich zu 99 Prozent auf die Pokémon-Karten: „Lose im Karton habe ich übrigens keine Karten. Die sind alle in einem Sleeve verpackt, also einer dünnen Plastikhülle. Bei den wertvolleren Karten kommt zusätzlich ein Toploader zum Einsatz, das ist eine härtere Plastikschale. Meine richtig teuren Karten sind alle von einer speziellen Grading-Firma wie etwa der PSA in den USA bewertet worden. Da wartet man schon einmal ein halbes Jahr darauf, dass man seine Karte bewertet und in einem Plastik-Case verschweißt zurückbekommt, da die PSA gerade völlig überrannt wird.“
Die PSA schaut sich die Karten ganz genau an. Ob die Ecken oder die Kartenränder angestoßen sind, ob es Dellen oder Kratzer auf der Oberfläche gibt oder ob eine Karte geknickt oder verschmutzt ist. Sammler wissen: Nur eine Karte, die mit einer satten 10 bewertet ist, behält ihren vollen Wert. Eine Karte mit einer 9 kann da schon nicht mehr mithalten.
Philipp Schulze: „Die meisten Karten, die ich verkaufe, haben einen Wert um die fünf Euro. Einzelne Karten können aber auch schon einmal bis zu 300 Euro teuer sein. Ich habe immer so um die tausend Karten im Angebot.“
Das Interesse an den Pokémon-Karten ist über die letzten 27 Jahre nie konstant geblieben. Es gab immer wieder Zeiten mit weniger Interesse oder mit einem plötzlich neu aufflackernden, echten Hype. Auf lange Sicht steigen seltene Karten trotzdem im Wert, weil es eben nicht mehr möglich ist, neue herzustellen. Und genau deswegen eignen sie sich als Wertanlage.
Was finden Pokémon-Sammler zurzeit besonders spannend? Philipp Schulze: „Die Fans lieben das Set ‚Pokémon 151‘, das im September 2023 erschienen ist. Inzwischen gibt es 1.025 verschiedene Pokémon. Das Set ‚151‘ sammelt aber noch einmal alle 151 Pokémon der allerersten Generation. Das hat für viele Fans einen extrem hohen nostalgischen Wert.“
Das Problem beim Handeln mit seltenen Karten ist nicht das Verkaufen, das läuft über „Card Market“ ganz von alleine. Philipp Schulze: „Schwieriger ist es, Leute zu finden, die einem Karten zu einem fairen Preis verkaufen, sodass ich als Händler meinen Schnitt machen kann. Viele wollen gleich zu hundert Prozent den Preis haben, der online ausgewiesen wird. Ich kann die Karten zu etwa 80 Prozent ankaufen, was mehr ist, als die meisten anderen Händler bieten. Bei ganz normalen Karten lohnt sich ein Ankauf für mich nicht. Die kosten vielleicht 20 Cent. Ich kann sie ja nicht für 16 Cent ankaufen, um sie dann mit vier Cent Gewinn weiterzuveräußern. Das geht nicht.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 238 (1/2026).
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