Neujahrsempfang Falkensee 2026: „Kunst ist der Wein des Lebens“
Am 9. Januar beendete die Stadt Falkensee die inoffizielle Winterpause zwischen den Jahren und lockte die Menschen wieder aus ihren gut geheizten Häusern. Beim Neujahrsempfang in der Falkenseer Stadthalle kamen an die 300 Vertreter aus dem Ehrenamt, der Politik, der Wirtschaft, der Bildung und dem Sport zusammen, um gemeinsam das neue Jahr einzuläuten. Das Motto des Empfangs: „Falkensee ist KULTur“.
Falkensee wächst noch immer. Im letzten Jahr gab es 273 Geburten, 499 Sterbefälle, 3.022 Zuzüge und 2.339 Wegzüge. In der Gartenstadt leben damit zum Stichtag 31. Dezember 2025 46.854 Menschen.
Natürlich ist es nicht möglich, sie alle zum Neujahrsempfang der Stadt Falkensee einzuladen. Bürgermeister Heiko Richter und sein Team aus der Verwaltung können im Veranstaltungsraum der Stadthalle maximal 400 Personen unterbringen, um gemeinsam das neue Jahr einzuläuten. Dem drohenden Schneesturm Elli war es zu verdanken, dass am Ende nur an die 300 Gäste ihre Mäntel an der Garderobe abgaben. Die Verwaltung hatte im Vorfeld gepokert und den Empfang trotz Wetterwarnung nicht abgesagt. Eine gute Entscheidung: Der Schneesturm brauste komplett an Falkensee vorbei, nicht eine einzige Schneeflocke fiel vom Himmel.
In der Halle startete Bürgermeister Heiko Richter nach dem Sektempfang in den Abend. Er gab als Motto den Leitspruch „Falkensee ist KULTur“ aus – und hatte als ehemaliger Betreiber der Kultkneipe „Schrääg ‚rüber“ auch gleich ein passendes Zitat zur Hand: „Kunst ist der Wein des Lebens.“
Radio1-Moderator Tom Böttcher führte wie bereits im letzten Jahr souverän durch ein 90-minütiges Bühnenprogramm. Tatsächlich bot der Neujahrsempfang eine extrem abwechslungsreiche Show mit gesungenen und getanzten Beispielen aus dem eigenen Kulturbereich. Das war nicht nur sehr kurzweilig, sondern auch äußerst professionell in der Präsentation auf der Bühne.
Den Start machte Sebastian Maihs, den viele noch aus dem „Kleinen Theater Falkensee“ kennen. Als Sänger hat er eine Stimme, die Wände zum Einstürzen bringen kann. Er wurde am Piano von Tobias Bartholmeß begleitet – und sang „I come undone“ von Jennifer Rush und „Fifty percent“ aus dem Musical „Ballroom“. Mit seinem Gesangsprogramm ist Maihs auch weiterhin regelmäßig in Falkensee zu Gast.
Der Vorleser Dirk Lausch, der oft im Hexenhaus zu Gast ist und einmal im Jahr auch mit den „Literatur-Ladies“ in der Kirche liest, nahm im Ohrensessel Platz und las die „Entwicklung der Menschheit“ von Erich Kästner und die zungenverknotenden „Inhaltsangabe“ zu einer englischen TV-Serie von Vicco von Bülow alias Loriot.
Niels Fölster hat 2025 die Stadthalle mit dem selbstgeschriebenen Musical „Das Haus im Wald“ gerockt. Mit seinen Tänzerinnen ließ er noch einmal die Bühne vibrieren und zeigte einen Auszug aus dem Stück. Anschließend war eine Tanz-Show der Ultimates zu sehen, wie sich die Tänzerinnen aus dem Stück selbst nennen.
Die Schauspielerin Luca Lehnert hat inzwischen die Führung der Theater-Abteilung am Haus am Anger übernommen: Hier proben zurzeit zwei ganz neue junge Schauspieler-Teams für ihren ersten Auftritt. Sie zeigten als Sketch ein Vorsprechen für „Alice im Wunderland“.
Tanzend ging es mit dem Tanzensemble Regenbogen weiter. Zwei Tänze gab es zu sehen – eine erste Werbung für die neue Show „Once Upon A Time“, die am 28. und 29. März in der Stadthalle aufgeführt wird.
Ein echter Hingucker und der Höhepunkt des ganzen Kulturabends: Die „Beats of the Streets“ von der Tanzschule Schuh ließen in zwei Tanzchoreographien noch einmal ordentlich die Bühne wackeln.
Aber natürlich wurde auch geredet. Bürgermeister Heiko Richter schaute auf das vergangene Jahr zurück. Aus dem Blickwinkel der eigenen Verwaltung war der Umzug in den neuen Erweiterungsbau auf dem Rathausgelände das Thema Nummer eins. 70 neue Arbeitsplätze sind in der Verwaltung entstanden, die auch nahezu alle bereits besetzt sind. Auch die Digitalisierung sei im letzten Jahr ein großes Ding gewesen. Inzwischen habe man die E-Akte eingeführt, ein digitales Bewerbungsmanagement eingeführt und es geschafft, dass sich viele Dienstleistungen vom Bürger auch online anstoßen lassen.
Heiko Richter: „Dass unsere Verwaltung auch analog noch sehr gut arbeiten kann, zeigte sich beim großen Sturm im Juni letzten Jahres. Noch nie war Falkensee von solch großen Sturmschäden betroffen – das Stadtbild ist seitdem nicht mehr das gleiche.“
Auch die Generalsanierung der Hamburger Bahn mit ihrer neunmonatigen Sperre stellte die Stadt vor allem im letzten Jahr vor Herausforderungen, so der Bürgermeister: „Immerhin haben wir über 16.000 Pendlerinnen und Pendler in Falkensee.“
Der Blick nach vorn durfte natürlich auch nicht fehlen. Heiko Richter gab zu bedenken, dass die Rückabwicklung des Geländes der alten Stadthalle vom Investor noch dauern wird. Er zeigte aber auf, dass für 2026 endlich die Umgestaltung des Gutsparks ansteht. 33,8 Millionen Euro sollen 2026 investiert werden – u.a. in den Neubau der Sporthalle an der Oberschule, in verschiedene Straßenbauprojekte, in eine neue Fahrzeughalle am Betriebshof und in öffentliche Toiletten am Bahnhof.
Aber natürlich wurde auch die lokale Kultur in den Mittelpunkt gestellt. In einer Gesprächsrunde auf der Bühne wurden Stefanie Witt („Haus am Anger“), Gabriele Helbig (Museum und Galerie Falkensee), Beata Schulz (Stadtbibliothek) und Manuela Dörnenburg vom Fachbereich Kultur (stellvertretend auch für das Kulturhaus „Johannes R. Becher“) nach ihren Wünschen für das Jahr 2026 befragt. Ihnen merkte man schon etwas die Sorge an, dass angesichts der immer knapper bemessenen finanziellen Spielräume die Mittel für die „freiwillige Leistung“ Kultur gestrichen werden könnten – und viele Pläne wie etwa ein Neubau der Stadtbibliothek oder die Erweiterung des Museums verschoben, eingedampft oder beerdigt werden.
Zwischendurch blieb noch Zeit, um den Falkenseer Michael Ziesecke als Kreishandwerksmeister zu verabschieden – und als Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft im Havelland neu zu begrüßen. Und Michael Koch wurde nachträglich mit dem Bürgerpreis ausgezeichnet. Er gehört mit 82 Jahren der Vorbereitungsgruppe Stolpersteine für Falkensee und Umgebung an – und ist mit dafür verantwortlich, dass in den letzten 19 Jahren ganze 53 Stolpersteine als Erinnerung für während der nationalsozialistischen Herrschaft verfolgte ehemaligen Nachbarn verlegt wurden.
Am Ende blieb noch viel Zeit für spannende Gespräche und fürs erste Netzwerken im Jahr 2026. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 239 (2/2026).
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