Mein Freund Rilke: Melanie Garanin aus Falkensee präsentiert neue Graphic Novel im Carlsen Verlag!
Melanie Garanin lebt in Falkensee. Die gelernte Zeichentrickfilm-Animatorin hat 2020 ihre erste Graphic Novel als Comic-Zeichnerin und Autorin veröffentlicht: „Nils. Von Tod und Wut. Und von Mut.“ Nun legt sie nach. Passend zum 150. Geburtstag des Dichters Rainer Maria Rilke hat der Carlsen-Verlag ihre zweite Graphic Novel „Mein Freund Rilke“ gedruckt. Wir trafen die Autorin zu einem Spaziergang mit ihren beiden Windhunden.
1986 war es, da wurde „Maus – Die Geschichte eines Überlebenden“ von Art Spiegelman in den USA veröffentlicht. Es war die gezeichnete Geschichte eines Überlebenden des Holocausts. Die Juden wurden im zweiteiligen Buch als Mäuse dargestellt, die Deutschen als Katzen.
Eine wirklich anspruchsvolle Geschichte für Erwachsene nicht in reiner Textform zu veröffentlichen, sondern als Comic, das war neu – und schenkte der 9. Kunst eine komplett neue und sehr wertvolle Ausdrucksform. Die Graphic Novel ist auch heute noch ein Ort für tief unter die Haut gehende Auseinandersetzungen mit wichtigen Themen.
An dieser Stelle kommt Melanie Garanin (53) ins Spiel. Die Künstlerin stammt aus Berlin-Lichterfelde. Sie hat ihre Jugend in Wuppertal verbracht und ist später zurück in die Hauptstadtregion gezogen, um in Potsdam-Babelsberg Animation im Einsatzgebiet Zeichentrick zu studieren. Seit 2006 wohnt sie mit ihrer Familie, zwei Windhunden und einer Katze in Falkensee-Waldheim. Drei Ponys gehören auch mit dazu.
In den vergangenen Jahren hat Melanie Garanin viele Kinder- und Jugendbücher illustriert. Sie hat einen Zeichenstil, der einen sofort gefangen nimmt und der sehr viele Emotionen transportiert.
Das macht ihre allererste Graphic Novel als moderne Comiczeichnerin sicherlich noch emotionaler. In „Nils. Von Tod und Wut. Und von Mut“, 2020 beim angesehenen Carlsen-Verlag erschienen, erzählt sie vom Tod ihres eigenen Kindes – und davon, anschließend wieder in der Welt zurechtzukommen. Ein privates, ernstes und ehrliches Werk, das sicherlich eine Stütze für viele Eltern in gleicher Lage ist.
Nun geht es aber weiter. Passend zum 150. Geburtstag des deutschen Dichters Rainer Maria Rilke am 4. Dezember 2025 erschien bei Carlsen bereits im September Garanins zweite Graphic Novel. Sie trägt den Titel „Mein Freund Rilke“ (192 Seiten im Hardcover, 26 Euro).
Und darum geht es: „Ellen, Journalistin bei einer kleinen Zeitung, recherchiert über den Dichter Rainer Maria Rilke. Als sie dabei nicht nur sein Werk entdeckt, sondern ihm selbst begegnet, entwickelt sich eine Affäre, die ebenso wirklich wie unwirklich ist.“
Auf den wunderschön in Szene gesetzten Seiten wird immer wieder die klassische Erzählform auf die Probe gestellt. Die für einen Comic typischen Panel-Kästchen werden gesprengt, die Geschichte bahnt sich mit visueller Freude ihren Weg und wer Rilke noch nicht kennt, wird sich über zahllos eingesprenkelte Zitate freuen, die einem Rilkes Zeilen näherbringen.
Melanie Garanin: „Ich war auf der Suche nach einer großen Idee für ein neues Buch, einen langen Comic. Ich wusste nur, ich möchte etwas Leichtes zeichnen. Und eine Liebesgeschichte – für eine mittelalte Frau. Rilke begleitet mich schon lange, seit meinem ersten Comic. Irgendwann hat es Klick gemacht und ich dachte, es wäre doch ganz witzig, wenn sich meine Protagonistin in Rilke verliebt. Und zwar in echt irgendwie. An Rilke fasziniert mich schon immer seine Zeitlosigkeit und seine Weltoffenheit. Zugleich ist er kein Sprücheklopfer und kein Wahrheitsfinder. Er ist eher ein Suchender, der viele Fragen stellt und nach Antworten sucht. Auf diesem Weg begleite ich ihn gern.“
Die Umsetzung der ungewöhnlichen Liebesgeschichte ist sehr gelungen. „Mein Freund Rilke“ kommt leichtfüßig und schräg und herzklopfend daher wie ein französischer Film.
Trotzdem: Ein Thema für die breite Masse ist eine Liebesgeschichte mit Rilke sicherlich nicht. Melanie Garanin: „Man macht so einen Comic nicht, um reich zu werden. Berühmt vielleicht schon. Aber vor allem wünsche ich mir, dass die Leute das Buch mögen.“
Von der ersten Idee bis zur Abgabe hat „Mein Freund Rilke“ drei Jahre lang gebraucht. Melanie Garanin: „Man denkt nach, sammelt Ideen, macht Skizzen, bastelt am Storyboard. Ich arbeite in Originalgröße auf Papier. Ich zeichne mit der Feder und koloriere anschließend mit Aquarell. Die Scans mache ich selbst und schicke sie in den Verlag.“
Nach dem Buch ist vor dem Buch. Melanie Garanin: „Ich habe mir jetzt erst einmal eine kleine Pause verschrieben. Dann geht es weiter. Ich habe bereits eine neue Idee. Aber die kennt bislang noch nicht einmal der Verlag.“ (Text/Foto: CS, Illustrationen: Carlsen Verlag)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 238 (1/2026).
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