Falkensee: „Rene’s Kesselglück“ startet mit seiner Feldküche neu durch!
Da freuen sich die Handwerker, die Rentner und viele hungrige Falkenseer: René Hilber belebt eine alte lokale Tradition mit neuem Leben: Am 5. Januar hat er zum allerersten Mal seine Feldküche „Rene’s Kesselglück“ zwischen dem Bahnhof Seegefeld und der Herlitz-Ruine angefeuert und literweise selbstgemachte Erbsensuppe ausgegeben. Ab sofort möchte der Falkenseer an jedem Wochentag zwischen 11 und 14 Uhr eine warme Alternative zum klassischen Pausenbrot anbieten.
Was tun in der Mittagszeit, wenn der Magen knurrt und das Pausenbrot bereits lange aufgefuttert ist?
Von 2013 bis Dezember 2024 durfte man noch darauf vertrauen, dass Ralf Steinicke seine grüne Feldküche auf der sandigen Freifläche zwischen dem Bahnhof „Seegefeld“ und der Herlitz-Ruine aufgebaut hatte. Und auch Ralf Steinicke in seinem typisch karierten Holzfällerhemd war bereits ein Nachfolger von Georg Strauch, der schon lange vorher vor Ort die urige Feldküche angefeuert hatte.
2025 mussten sich Handwerker, Rentner und viele Mitarbeiter aus Falkenseer Betrieben allerdings nach einer anderen Möglichkeit zum Mittagstisch umsehen. Ralf Steinicke verlor seine Gewerbeküche, fand keine neue und musste deswegen auch in letzter Konsequenz seine Feldküche schließen: Er ging mit 60 Jahren in den vorzeitigen Ruhestand.
Das „Selgros Bistro“ und natürlich auch „Püppi“ am Bahnhof „Finkenkrug“ sind seitdem gute Alternativen, insofern es in Falkensee um ein solides Mittagsessen in erreichbarer Nähe zum fairen Preis geht. Viele Havelländer haben die urige Feldküche im Freien aber trotzdem sehr vermisst.
Die gute Nachricht – sie ist wieder da. René Hilber steht seit dem 5. Januar wieder mit einer grünen Feldküche auf dem altbewährten Platz an der Straße der Einheit und wartet auf Kunden, die vor Ort auch leicht einen Parkplatz finden. Der Name „Renés Kesselglück“ soll dabei Programm sein. Eine erste Überraschung hat der neue Feldküchen-Chefkoch auch noch in petto: „Meine Feldküche habe ich tatsächlich wirklich von meinem Vorgänger Ralf Steinicke übernommen. Er hat mir auch viele Tipps mit auf den Weg gegeben.“
René Hilber (Telefon: 0151-41227502) wohnt selbst in Falkensee, in seinem bisherigen Leben war er als Baumpfleger und gelernter Schweißer unterwegs: „Ich bin Hobbykoch, ich koche schon immer sehr gern. Das habe ich jetzt zu meinem Hauptberuf gemacht. Meine Gewerbeküche habe ich bei mir Zuhause eingerichtet und auch vom Amt abnehmen lassen. Abends bereite ich immer alles vor, morgens wird dann gekocht. In der Feldküche wird das Essen nur noch warmgehalten. Dazu wird sie mit Holz geheizt. Unter der Woche bin ich immer von 11 bis 14 Uhr vor Ort.“
In der Feldküche gibt es jeden Tag immer zwei Essen, meistens eine Suppe oder einen Eintopf, hinzu kommt immer noch ein „richtiges“ Essen. Bei unserem Besuch am 6. Januar gab es je nach Wunsch eine deftige Erbsensuppe (pur 5 Euro, mit Knacker oder Bockwurst 7 Euro) oder aber eine gefüllte Paprika mit Hackfleisch und Kartoffeln (8 Euro). René Hilber: „Die Erbsensuppe braucht zwei Tage, bis sie fertig ist und bei mir in den Kessel kommen darf. Die Erbsen müssen recht lange einweichen, anschließend muss die Suppe mehrere Stunden lang kochen. Ich lege allergrößten Wert darauf, dass alles frisch zubereitet wird. Dabei verwende ich viele Zutaten aus unserer Region. Die Kartoffeln beziehe ich hier aus der Gegend. Als Jäger schieße ich mein Wild selbst. Was ich dann noch brauche, bekomme ich bei Selgros. Eine Erbsensuppe aus der Büchse käme bei mir nicht auf den Teller.“
Eigentlich wollte der Selfmade-Koch bereits im Dezember mit seiner mobilen Feldküche durchstarten. René Hilber: „Aber dann haben wir im Dezember ein Baby bekommen. So habe ich den Start auf Januar verschoben, auch wenn ich bereits Hummeln im Hintern hatte. Der Start im Januar ist aber sehr gut gelaufen, so könnte es gern weitergehen. Es sind viele alte Stammkunden gekommen, die bereits in den sozialen Medien gelesen haben, dass die mobile Feldküche wieder aufmacht. Es waren aber auch schon ganz neue Kunden bei mir, die zufällig vorbeigefahren sind und dabei die Feldküche entdeckt haben.“
Auch Marc Zogbaum (49) aus Falkensee gehörte zu den ersten Kunden. Er wollte nicht vor Ort am Tisch der aufgestellten Bierzeltgarnitur essen, sondern nahm seine Erbsensuppe in einer bereitgestellten Plastikbox mit: „Ich war schon früher gern hier vor Ort, um mir in der Mittagspause etwas zu Essen zu holen. Es ist in der Nähe, es schmeckt gut und ich mag die Hausmannsküche sehr gern. Am liebsten esse ich Eintöpfe. Und überhaupt: Man kann ja nicht jeden Tag Döner essen.“
Dass es jeden Tag zwei Essen gibt, soll auf jeden Fall so bleiben. Für Abwechslung ist aber trotzdem gesorgt, weil an jedem Tag etwas anderes auf den Teller kommen soll. René Hilber: „Ich denke hier etwa an Königsberger Klopse, an ein Wildgulasch, an eine Schweinekeule, an verschiedene Nudelgerichte. Der größte Wunsch meiner ersten Kunden ist Eisbein, das nehme ich nun auch in Angriff. Ich kann eigentlich alles anbieten, was ich Zuhause gut vorkochen und hier in der Feldküche warmhalten kann. So wären auch Kohlrouladen kein Problem. Ich selbst bin absolut nicht mäkelig, ich esse alles gern. Ausgenommen Tote Oma, das ist mir zu trocken.“
Bevor jemand fragt: Natürlich darf sich nicht jeder mit seiner Feldküche auf eine freie Fläche stellen und mit der Essensausgabe loslegen. René Hilber: „Ich habe eine Genehmigung der Stadt Falkensee, dass ich an dieser Stelle arbeiten darf und zahle für den Standort auch eine Pacht. Das hat also alles seine Richtigkeit.“
Der absolute Klassiker aus der Feldküche ist und bleibt die Erbsensuppe. Sie schmeckt aus der Feldküche einfach am allerbesten, vor allem dann, wenn auch noch eine ordentliche „Wurscht“ in ihr schwimmt. René Hilber: „Im Ansatz ist immer Schweinespeck dabei, der gibt der Erbsensuppe erst den richtigen Kick im Geschmack. Früher hat man ja gern einen Schweinekopf in der Suppe ziehen lassen, aber ich mache das ganz modern mit etwas geräuchertem Bauchspeck.“
Der frischgebackene Koch, dem die schneidende Kälte vor Ort anscheinend nichts anhaben kann, arbeitet ganz alleine; nur so lassen sich die günstigen Preise realisieren: „Was ich mir von meinen Kunden wünsche: Gebt mir gern ein Feedback. Sagt mir, was ihr gern essen wollt oder was ich vielleicht noch verbessern kann.“
Kunde Marco Knapp (50) aus Falkensee hat erst einmal nichts zu meckern: „Mir schmeckt es. Ich schaue gern bei der Feldküche vorbei. Nicht immer in der Mittagspause. Es hängt ganz davon ab, wie mein Bauchgefühl ist, wann ich Hunger habe. Das Essen ist günstig, es ist frisch und es schmeckt. Ich finde das einwandfrei – und besser als die klassische Wurst mit Pommes.“
Das Geschirr, das vor Ort genutzt wird, kommt Zuhause in die Spülmaschine und wird wieder gereinigt.
Wer sein Essen allerdings to go bestellt, bekommt ein hochwertiges Plastikgeschirr mit auf den Weg, das man sogar in die Mikrowelle stellen kann.
René Hilber: „Bei meinem Vorgänger Ralf Steinicke haben viele Stammkunden immer ihr eigenes Geschirr für den Transport mitgebracht, etwa klassische Tupper-Schalen. Da würde ich mich aus Gründen der Nachhaltigkeit und auch der Kosten freuen, wenn wir das wieder einführen könnten.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 239 (2/2026).
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