Energiewende: Siemens Energy mit eigenem Standort in Falkensee!
Große Konzerne finden inzwischen ihren Weg auch nach Falkensee. Im Gewerbekomplex an der Straße der Einheit ist am 6. Oktober nun auch Siemens Energy in eine der von Hillwood bereitgestellten Hallen eingezogen. Vor Ort werden nun seit Oktober Anlagen und Komponenten für Hochspannungsschaltanlagen hergestellt. Siemens Energy hilft so dabei, einen wichtigen Beitrag zur Energiewende zu leisten.
Das alte Herlitz-Logistikzentrum in der Straße der Einheit wird vom Inhaber Hillwood zurzeit auf spektakuläre Art und Weise abgerissen. An dieser Stelle könnten in Zukunft flache Logistikhallen entstehen, ähnlich wie die fünf, die direkt nebenan zu erahnen sind, würde nicht ein hoher Sicht- und Lärmschutz den direkten Blick auf sie verstellen.
Eine dieser Hallen hat am 6. Oktober nun Siemens Energy feierlich bezogen und für die eigene Produktion eröffnet. Das börsennotierte Unternehmen ist ein Hersteller von Elektro- und Energietechnik, der sich im Bereich der Energieerzeugung, der Energieübertragung und der Industrielösungen sowohl im Bereich der konventionellen als auch der erneuerbaren Energien engagiert.
Das traditionsreiche Schaltwerk „Hochspannung“ in Berlin-Siemensstadt hat seine Kapazitätsgrenzen längst erreicht – und muss zwingend expandieren. Der Standort in Falkensee erlaubt es nun, das Schaltwerk zu erweitern und neue dringend benötigte Produktionsflächen zu nutzen. 80 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aus Spandau sind bereits mit ihren Arbeitsplätzen nach Falkensee umgezogen, perspektivisch sollen einmal 150 bis 200 Kollegen vor Ort arbeiten. Da die Bahn von Spandau nach Falkensee zurzeit nicht fährt, setzt Siemens Energy einen eigenen Shuttle ein, der die Mitarbeiter an ihren neuen Wirkungsort bringt.
Produziert werden in Falkensee Komponenten für Hochspannungsschaltanlagen. Diese sind essenziell für die sichere und effiziente Energieübertragung und leisten einen wichtigen Beitrag zur Energiewende.
Hochspannungsschaltanlagen? Was kann man sich darunter eigentlich vorstellen? Markus Klawa, Standortleiter in Falkensee, hat einen guten Vergleich zur Hand: „Jeder kennt doch im eigenen Haushalt den FI-Schalter, auch Fehlerstromschutzschalter genannt. Er sorgt etwa bei einer Überlastung der Stromleitung dafür, dass die Sicherung herausspringt und die Stromführung unterbrochen wird. So ein FI-Schutz wird auch bei großen Stromanlagen benötigt. Während im eigenen Zuhause aber nur ein Strom mit 220 Volt Spannung fließt, sprechend wir in unserem Bereich von Schaltanlagen, die einen Schutz bei bis zu 420.000 Volt bewerkstelligen müssen. Diese Anlagen sind entsprechend groß und können zwei, drei Meter hoch und breit sein.“
Siemens Energy ist, man darf es durchaus so bezeichnen, ein Nutznießer der Energiewende. Markus Klawa, der übrigens in Schönwalde-Glien wohnt: „Es gibt bei uns in Deutschland ja keine zentrale Energieversorgung mehr über die klassischen Kraftwerke. Sowohl die Atom- als auch die Kohlekraftwerke werden nach und nach heruntergefahren. Das führt aber dazu, dass die gesamte Stromversorgung in Deutschland und auch in Europa neu gedacht werden muss. Überall entstehen nun Umspannwerke, über die der Strom fließt, der von Windkraftanlagen oder von Solarfeldern erzeugt wird. In all diesen Umspannwerken wird mitunter auch Technik von Siemens Energy verbaut. Entsprechend groß ist der Bedarf.“
Ein weiteres Einsatzgebiet von Hochspannungsschaltanlagen sind übrigens auch – Rechenzentren. Markus Klawa: „Allein in unserer Region im Ost-Havelland sind ja drei große Rechenzentren geplant, die einen immensen Stromverbrauch haben werden. Diese Rechenzentren benötige alle eigene Strom- und Umspannwerke. Auch hier werden Hochspannungsschaltanlagen benötigt.“
Was passiert eigentlich in den Umspannwerken? Markus Klawa: „Ein Hochspannungsumspannwerk wandelt elektrische Energie zwischen verschiedenen Spannungsebenen um, damit Strom effizient transportiert und verteilt werden kann. Transformatoren erhöhen oder senken die Spannung, während Schaltanlagen und Schutzsysteme für Sicherheit und Netzstabilität sorgen. Es ist ein zentraler Knotenpunkt für die Integration erneuerbarer Energien ins Stromnetz.“
Hillwood hat auf dem Falkenseer Gelände gleich neben dem alten Herlitz-Logistikgebäude fünf Hallen gebaut, in denen fünf verschiedene Firmen eingezogen sind. Seit Januar 2025 hat Siemens Energy das Gebäude gemietet, um es umfassend an den eigenen Bedarf anzupassen. Markus Klawa: „Wir haben eine Logistikhalle bezogen, brauchen aber eine Produktionsstätte. Deswegen haben wir die große Halle mit ihren 10.000 Quadratmetern Platz für unsere Zwecke umgebaut. Auch der Sozialtrakt im Obergeschoss ist eigentlich nur für 20 Mitarbeiter ausgelegt. Hier haben wir alles umgebaut, damit nun bis zu 150 Leute Platz haben. Jetzt haben wir Umkleidekabinen, Großraumbüros, Meeting-Räume und Besprechungszimmer. Die Anlage ist für fünf Jahre gemietet, danach sehen wir weiter.“
In der großen Produktionshalle ist eine erste Fertigungslinie für Steuerschränke bereits eingezogen, für weitere Produktlinien ist noch Platz.
Falco Jessen (39) Ist der Linienleiter vor Ort: „Wir produzieren vor Ort alle elektrischen Komponenten für die Schalteranlagen und das Schaltwerk. An der Linie arbeiten wir in zwei Schichten mit jeweils 40 Mitarbeitern.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 237 (12/2025).
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