Kellerismus 3: Falkenseer Künstler Alexander Dik mit Ausstellung im Supermarkt-Keller!
Alexander Dik (42) ist zurzeit wohl einer der interessantesten Künstler aus dem Havelland. Der Falkenseer, der sein Atelier in Ketzin hat, malt seit einigen Jahren mit großer Besessenheit – und stellt seine Werke inzwischen weltweit in großen Städten von Berlin über Monaco bis nach Seoul aus. Die internationale Kunstszene ist längst auf Alexander Dik aufmerksam geworden. Und was macht der Künstler? Er bedankt sich bei seinen lokalen Förderern mit einer allerletzten Ausstellung in den Kellergewölben eines Spandauer Supermarktes.
Dieses Szenario muss man sich einmal vor seinem inneren Auge vorstellen. In Spandau gibt es am Brunsbütteler Damm den Mix Markt, das ist ein Supermarkt für osteuropäische Waren aller Art. Ein Supermarkt, den früher einmal der heutige Künstler Alexander Dik (42) geführt hat.
Am 5. Dezember stand ein Mitarbeiter mit einer ausgedruckten Gästeliste nach 18 Uhr an den Kassen, um alle eingeladenen und angemeldeten Besucher der Kunstausstellung KELLERISMUS 3 willkommen zu heißen und durch die Gänge des Supermarktes zu geleiten. Am Ende wurde man in einen Lastenaufzug gesteckt und mit einem Knopfdruck in den Keller geschickt. Kaum öffneten sich die schweren Türen, schaute man in das bärtige Gesicht eines Security-Mannes, dessen Oberarme dicker waren als die Oberschenkel der meisten Besucher. Techno waberte durch die nackten Kellerräume, an dessen Wände Alexander Dik krakelige und launige Kommentare hinterlassen hatte. Außerdem waren hier die Bilder seiner neuesten Ausstellung zu sehen, die nur für diesen einen Abend Bestand hatte.
Doch bevor es um die Ausstellung geht, machen wir rasch einen Schritt zurück: Wer ist dieser Alexander Dik eigentlich? Keine Frage: Er ist zurzeit einer der interessantesten Künstler aus dem Havelland. Der Maler wuchs als Russlanddeutscher in Kasachstan auf, kam 1992 mit acht Jahren als Aussiedler nach Berlin, wurde später Mitglied einer Gang in Marzahn und entdeckte zum Glück den Kampfsport für sich, bevor er ganz auf der schiefen Bahn landen konnte. Im Taekwondo wurde er schließlich sogar Weltmeister – und gründete eine Marktkette für osteuropäische Lebensmittel.
Über sein Leben als Migrant mit einer Herkunft aus dem Zwischenreich („In Russland war ich immer der Deutsche, in Deutschland der Russe“) hat Lothar Berg das ungeschönte Buch „Migrant … und nun?“ geschrieben, das im Anthea Verlag erschienen ist.
Im Keller vom Mix Markt gab Alexander Dik (www.alexanderdik.com), der zusammen mit seiner Frau und seinen Kindern in Falkensee eine neue Heimat gefunden hat, vor einigen Jahren einer Leidenschaft aus seiner Kindheit nach – er fing an zu malen. Zunächst heimlich und nur für sich, und schließlich, als die Kunst ihn mehr und mehr vereinnahmte, immer öffentlicher. In der Folge hat er auch einen Haken unter seine Supermarkt-Laufbahn gemacht und sich 2018 mutig ganz und gar der Malerei verschrieben. Das Kunstmagazin „Parnass“ bezeichnet Diks Kunstwerke als Neoexpressionismus.
Seine farbintensiven Explosionen auf zum Teil riesigen 2×3-Meter-Leinwänden zeigte er als Frühwerk zunächst u.a. in der Ausstellung KELLERISMUS 1 im Lockdown 2021 und dann noch einmal im Jahr 2022 bei KELLERISMUS 2. Beide Ausstellungen fanden im Keller vom Supermarkt statt.
Inzwischen hat der Künstler sein Kunststudium an der Akademie für Malerei abgeschlossen, mehrere internationale Ausstellungen in Städten wie Berlin, Sophia, Madrid, Monaco oder Seoul absolviert und einzelne Werke bereits für bis zu 30.000 Euro verkauft.
Seine Kunst hat sich mit den Jahren deutlich geschärft – seine zentralen Themen sind nun, der eigenen Vita geschuldet, Migration, Herkunft und Identität. So sind die neuen Bilder weniger abstrakt. In den Farbwirbeln tauchen nun Formen, Menschen und Handlungen auf, denen eine gewisse Düsterheit, Zerrissenheit, Aggressivität und zugleich auch sensible Hilflosigkeit innewohnt.
Die Ausstellung KELLERISMUS 3 am 5. Dezember war eine ganz besondere, so Alexander Dik: „Es wird die letzte Ausstellung hier an diesem Ort sein. Danach ist das vorbei. Ich habe drei Monate an dieser einen Ausstellung gearbeitet. Sie soll ein Dankeschön sein für Sammler, Galeristin und Freunde – eben für alle, die mich in den letzten Jahren begleitet und von Anfang an unterstützt haben. Also für diejenigen, die mir Mut gemacht haben, meinen Weg zu gehen.“
Bei der dritten Ausstellung im Keller vom Mix Markt ging es nur noch teilweise um die Kunst von Alexander Dik selbst: „Meine Bilder sind ja zum Teil mehrere Meter groß. Wir haben KELLERISMUS 3 anders geplant. Ich habe bei der Ausstellung nur einige meiner eigenen Werke ausgestellt. Wichtiger war es mir dieses Mal, die Kunst von anderen Malern zu zeigen, die mich auf meinem Weg inspiriert haben. Dafür habe ich Bilder aus meiner privaten Familiensammlung ausgestellt, darunter Werke der russischen Avantgarde, dem russischen Non-Konformismus und der deutschen Nachkriegskunst. KELLERISMUS 3 lebte von der Gegenüberstellung dieser Kunst und meiner.“
Besonders spannend war es, wie Alexander Dik die Kunst in den urigen Kellergewölben präsentiert hat. Die Gemälde wurden zum Teil auf Paletten montiert, die Namen der Künstler auf die nackten Wände gekritzelt. Drum herum hingen goldene Dildos von der Decke, klebten angemalte Schuhe am nackten Kellerstein oder verwandelten sich alltägliche Dinge wie ein Haken, ein Einkaufswagen oder ein Mülleimer in bunte Kunstobjekte.
Mehr als jedes Interview gaben die vielen Kritzeleien an den Wänden Einblick in das Seelenleben von Alexander Dik. „Sascha schlägt deutsche Kinder“ zeichnet sicherlich ein Drama aus der eigenen Vergangenheit nach. „Ich muss zerstören, um zu erfinden, um zu leben. Ich muss malen, ich muss malen, ich muss malen“ zeigt den inneren Druck, die eigene Kunst in einem schmerzvollen Gewaltakt auf die Leinwand zu bringen. Oder: „Ich bin ein deutscher Maler. Schaut … es ist schön-hässlich. Ich wage die Tradition der hässlichen Bilder.“
Alexander Dik hat sein Atelier inzwischen nach Ketzin verlegt – und arbeitet in einer alten Industriehalle. Hier bereitet er seine nächste große Ausstellung vor – in Seoul in Süd-Korea. Er sagt: „Am Anfang habe ich an mehreren Bildern gleichzeitig gearbeitet. Inzwischen male ich bewusster, ich weiß genau, was ich tue. Ich bin nicht mehr auf der Suche nach meinem ganz persönlichen Stil.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 238 (1/2026).
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