Solarpark Ketzin: Solarstrom für 28.000 Haushalte!
Brandenburg und vor allem das Havelland schreiten mit Sieben-Meilen-Stiefeln voran, wenn es um den Ausbau der erneuerbaren Energien geht. Wind und Sonne sind hier die Kernbereiche. Am 11. November wurde der Solarpark Ketzin feierlich eröffnet. Das gewaltige Solarfeld, das in Etzin auf ehemaligem Ackerboden entstanden ist, soll genug Strom erzeugen, um 28.000 Haushalte zu versorgen. Diese Gemeinschaftsleistung der EDP und der Kronos Solar EDPR könnte damit also locker den Strombedarf von einem Drittel aller Haushalte im Havelland decken.
Schade war’s. Am 11. November spielte der Wettergott leider nicht mit. Als das neu errichtete Solarfeld vom Solarpark Ketzin bei Etzin feierlich eröffnet werden sollte, hingen graue Wolken fast direkt über den Solarpaneelen, es nieselte und die Sonne ließ sich nicht blicken. Kurzerhand wurde die Eröffnung in ein großes Zelt verlegt.
Tatsache ist, dass der bei Etzin errichtete Solarpark Ketzin eine Größe hat, die sich kaum in Worte fassen lässt. Es dauert mehrere Minuten, bis man mit dem Auto durch die endlosen Reihen mit neu aufgestellten Solarfeldern gefahren ist. Die vor Ort erwartete Jahresproduktion Strom liegt bei rund 91 Gigawattstunden (GWh). Das entspricht etwa dem Bedarf von 28.000 Haushalten und vermeidet etwa 75.000 Tonnen an CO2-Emissionen. Bei im April 2025 80.100 gemeldeten Haushalten im Landkreis Havelland reicht allein die Leistung vom Solarpark Ketzin aus, um ein Drittel des Strombedarfs im gesamten Landkreis zu decken. Wenn man noch die übrige Stromleistung aus anderen Solar-Feldern, aus den Wind-Anlagen und aus der Biogas-Verbrennung hinzunimmt, kann sich das Havelland inzwischen doppelt und dreifach aus eigener Kraft mit nachhaltigem Strom versorgen.
Das Unternehmen EDP ist weltweit tätig – vor allem in Europa, in Nord- und Südamerika sowie im asiatischen Pazifik. Insgesamt kontrolliert EDP bereits 32 Gigawatt an installierten Leistungen – mit Fokus auf der umweltfreundlichen Stromgewinnung. Der Solarpark Ketzin ist für die EDP tatsächlich die allererste PV-Anlage, die in Deutschland entwickelt wurde. Vor Ort hat sich das deutsche Unternehmen Kronos Solar EDPR um die Umsetzung gekümmert. Kronos gehört bereits seit 2022 zur EDP. Auch die Tochterfirma EDP Renewables (EDPR) war beim Ausbau mit beteiligt.
Der Solarpark Ketzin liegt im Geltungsbereich der Stadt Ketzin/Havel. Bürgermeisterin Katrin Mußhoff stellte bei der Eröffnung heraus, dass Ketzin nicht nur ein traditionsreiches Fischerstädtchen sei, sondern auch als “ein Standort gelte, der in energiepolitischer Hinsicht seit Jahrzehnten eine herausragende Rolle spielt.”
Von den 60er Jahren bis 1999 diente Ketzin/Havel so als Speicherort für Stadt- und Erdgas. Von 2004 bis 2007 war die Stadt ein Pilotstandort für die CO2-Speicherung im Untergrund: “Außerdem liegt Ketzin/Havel auf der Nauener Platte, einem ausgewiesenen Vorranggebiet für den Ausbau der Windenergie. Allein in unserem Stadtgebiet sind fast 50 Windenergieanlagen zu verorten, die grünen Strom produzieren und damit einen wichtigen Beitrag zur Energiewende leisten.”
Bürgermeisterin Katrin Mußhoff machte somit klar, dass Ketzin/Havel nicht nur über den Weg in eine klimaneutrale Zukunft spricht, sondern ihn bereits eifrig selbst beschreitet.
Die Bürgermeisterin blickte angesichts der Feierstunde noch einmal zurück und erinnerte sich an den Werdegang des neuen Solarparks: “Die erste Vorstellung des neuen Projekts erfolgte im Mai 2023. Der Bau startete im November 2024, er konnte bereits ein Jahr später erfolgreich abgeschlossen werden. Der Betriebsbeginn erfolgte wie geplant in der zweiten Jahreshälfte 2025, nun also im November.”
Frank Bohne ist der Co-Managing Director der Kronos Solar EDPR. Er ergänzte: “Von der Idee bis zur Realisierung hat es vier Jahre gedauert. Die ersten Pachtverträge haben wir bereits im Jahr 2022 abgeschlossen. Der Stadtrat hat Anfang 2022 den Aufstellungsbeschluss geliefert, sodass wir den Bebauungsplan für den Solarpark aufstellen konnten. Es gab drei öffentliche Beteiligungsrunden. Die Ergebnisse daraus sind immer wieder in unsere Vorentwürfe und Entwürfe eingeflossen. Ende 2023 hat der Stadtrat den Satzungsbeschluss gefasst. Das war wichtig, denn erst zu diesem Moment konnten wir den Bauantrag stellen. Ende 2024 kam die Baugenehmigung für den Solarpark und das Umspannwerk, das in zwei Kilometern Entfernung zum Solarpark steht.”
Im Solarpark wurden auf metallenen Unterbaugerüsten 148.000 Solarmodule installiert, deren Aufgabe es nun ist, das Etziner Sonnenlicht in elektrische Energie umzuwandeln, also in Strom. 186 Wechselrichter machen aus dem erzeugten Gleichstrom Wechselstrom, da die Stromnetze in Deutschland nun einmal mit Wechselstrom arbeiten.
Frank Bohne: “Zehn Trafos auf der Anlage bringen den Strom auf ein höheres Spannungsniveau. Über eine 2,2 Kilometer lange Kabeltrasse gelangt der Strom zu unserem neuen Umspannwerk. Hier findet sich u.a. ein Transformator, der den Strom auf 110 Kilovolt Spannung transformiert. Auf dieser Spannungsebene wird der Strom in das Stromnetz eingespeist.”
Zum Bebauungsplan, auf dessen Basis die Errichtung des Solarparks basiert, sind allerhand Festsetzungen vermerkt, die zwingend umzusetzen sind. Dazu gehören auch ökologische Festsetzungen, die bei der Umwandlung eines ehemals intensiv bewirtschafteten Ackerlandes in eine extensiv bewirtschaftete Grünfläche zu beachten sind.
Frank Bohne: “Bei der Kartierung, also bei der ökologischen Begutachtung der Flächen im Rahmen des Bauleitplanungsprozesses, haben wir auf unserem Gelände 32 Feldlerchen gefunden. Das sind Bodenbrüter, die freie Flächen lieben. In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde war es unklar, ob die Abstände zwischen unseren Modulreihen ausreichen, um ausreichend freie Flächen für die Feldlerchen zu schaffen. Wir haben deswegen nördlich vom Solarpark 64 sogenannte Lerchenfenster angelegt. Das sind quadratische und rechteckige Freiflächen, die mindestens zwanzig Quadratmeter groß sind. Mittlerweile beobachtet man bei anderen Solarprojekten, dass die Feldlerchen durchaus auch zwischen den Modulreihen brüten. Soweit war der Erkenntnisstand aber noch nicht, als wir den Solarpark geplant haben.”
Der Solarpark Ketzin gilt als extensiv genutztes Grünland. Und muss entsprechend gepflegt werden. Möglich sind zwei bis drei Grünschnitte im Jahr. Oder die Grünpflege durch Schafe. Im Solarpark Ketzin sollen Schafe zum Einsatz kommen.
Frank Bohne: “Die Erfahrung aus anderen Projekten zeigt, dass auf der Fläche eines Solarparks ganz neue Habitate entstehen und sich hier viele Kleintiere ansiedeln. Wir pflanzen außerdem 7.600 Quadratmeter Hecken und 17 neue Bäume – weitere neue Lebensräume für viele Tiere.”
Wichtig für die Stadt Ketzin/Havel ist natürlich auch, wie sie von der neuen Installation profitiert. Fließen denn überhaupt Gelder in den Finanzhaushalt der Stadt?
Frank Bohne: “Wir haben uns dazu entschlossen, der Stadt Ketzin/Havel die Solarabgabe in der maximalen Höhe auszubezahlen, die das EEG zulässt. Das sind 0,2 Cent pro produzierter Kilowattstunde. Unsere Prognose sagt aus, dass hier im Jahr etwa 170.000 Euro ausbezahlt werden sollten. Die Höhe der Auszahlung hängt natürlich davon ab, ob es ein sonnenreiches Jahr gibt oder ein sehr verregnetes. Insofern hoffe ich auch für die Stadt Ketzin, dass in den kommenden 30 Jahren ordentlich die Sonne scheinen möge.”
Die Stadt Ketzin/Havel kann außerdem auf Einnahmen durch Gewerbesteuer setzen. Frank Bohne: “Hier gehen unsere Prognosen in Richtung 200.000 Euro pro Jahr. Allerdings bringt so ein großes Investment erst einmal auch hohe steuerliche Abschreibungen in den ersten Jahren mit sich, sodass die Gewerbesteuer in den ersten Jahren noch geringer ausfällt. Sie wird aber mit den Jahren kontinuierlich steigen.”
Eine echte Überraschung: Die Bürger in Ketzin/Stadt können sich auch ganz persönlich am Solarpark beteiligen, um finanziell von ihm zu profitieren.
Frank Bohne: “Inzwischen hat die Zeichnungsfrist unserer Bürgerbeteiligung begonnen. Es gab im Vorfeld auch schon eine gute Resonanz auf das Angebot. Es geht um Folgendes: Die Bürger können sich am Solarpark finanziell beteiligen und zwar in Form eines Nachrangdarlehens.”
Zeichnungsberechtigt sind Bürger, die im Postleitzahlenbereich 14669 wohnen. Sie können 500 bis 25.000 Euro anlegen, Die Laufzeit beträgt sieben Jahre, der Zinssatz liegt bei fünf Prozent.
Frank Bohne bedankte sich bei der Eröffnung des Solarparks bei allen, die das Projekt unterstützt haben: “Unser Dank gebührt allen voran den Landbesitzern, die uns das Land für den Solarpark verpachtet haben. Sie haben uns aber auch Flächen für das Umspannwerk zur Verfügung gestellt, uns die Wegerechte für die Zufahrten gegeben und uns auch dabei unterstützt, Kabel zu verlegen. Ohne diese Unterstützung hätten wir mit den Baumaßnahmen gar nicht anfangen können. Auch die lokale Politik hat uns sehr unterstützt, wir sind sehr freundlich aufgenommen worden und haben immer konstruktiv zusammengearbeitet. So konnten wir das Projekt auch in der anvisierten Zeit über die Ziellinie schieben. Das ist wichtig, da Verspätungen bei solchen Projekten immer mit sehr, sehr hohen Kosten verbunden sind.”
Mit dem Baulärm und dem erhöhten Verkehrsaufkommen soll jetzt Schluss sein. Frank Bohne: “Vielleicht hören Sie jetzt noch das eine oder andere Mäh von einem Schaf, das auf dem Solarpark Ketzin wohnt.” (Text/Fotos: CS – Luftbild: EDP)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 237 (12/2025).
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