Wir retten Leben: Neue Flotte für den Rettungsdienst Havelland!
Sobald Not am Mann ist, fahren sie sofort los – die Rettungssanitäter in ihren gelb-rot leuchtenden Rettungswagen. Zwischen Falkensee und Rathenow kümmert sich der Rettungsdienst Havelland um die Bereitstellung der mobilen Flotte. Nun werden 16 Fahrzeuge ausgetauscht und zwar gegen moderne, komplett neu eingerichtete und bereits für die Telemedizin vorbereitete Einsatzwagen. Am 15. Oktober hat der Landkreis die fünf ersten Fahrzeuge übergeben.
Der Rettungsdienst Havelland mit seiner Lehrrettungswache in Nauen ist eine Tochtergesellschaft der kommunalen Havelland Kliniken Unternehmensgruppe. Er kümmert sich von mehreren Standorten im ganzen Havelland aus um die “bodengebundene Notfallrettung” – für eine Bevölkerung von knapp 170.000 Menschen im Landkreis.
Die Einsatzfrequenz im Rettungsdienst nimmt zu. 23.000 Einsätze waren es im Jahr 2018, aktuell gehen die Verantwortlichen von 27.000 Fahrten im Jahr aus. Steffen Kirchner, Geschäftsführer der Rettungsdienst Havelland GmbH: “Sehr viele Fahrten haben einen kardiologischen Hintergrund, da geht es vor allem um Herzinfarkte oder Schlaganfälle. Hinzu kommen die stumpfen Traumata bei Unfällen, die in den letzten Jahren zugenommen haben, weil eben auch immer mehr Menschen im Landkreis mit dem Auto unterwegs sind.”
Thilo Spychalski weiß als Geschäftsführer der Havelland Kliniken Unternehmensgruppe: “So ein Einsatzfahrzeug muss regelmäßig alle paar Jahre ausgetauscht werden. Die Einsatzfahrzeuge, zu denen neben den Rettungswagen auch Krankentransportwagen und Notarzteinsatzfahrzeuge gehören, haben ja eine sehr hohe Laufleistung. Nach 300.000 bis 400.000 Kilometern sind die einfach am Ende ihres Leistungsspektrums angekommen. Wir sind froh, dass wir nun die dritte Generation Einsatzfahrzeuge bei uns in Betrieb nehmen können.”
16 Einsatzfahrzeuge werden nun gegen neue Modelle eingetauscht. Sie kommen in zehn Rettungswachen zum Einsatz, von denen Falkensee, Nauen und Rathenow die drei größten sind. Weitere Rettungsstationen mit bereitstehenden Fahrzeugen gibt es aber auch in Brieselang, Friesack, Etzin, Rhinow, Premnitz und Stechow.
Die neuen Wagen kosten etwa vier Millionen Euro. Michael Koch ist Dezernent im Landkreis Havelland: “Wir sind sehr dankbar, dass der Klinikkonzern und der Rettungsdienst die Ausschreibung und die Beschaffung der Fahrzeuge für uns abgewickelt haben. Die ersten fünf Fahrzeuge haben wir am 15. Oktober übergeben, acht weitere folgen 2026, der Rest der 16 Rettungsfahrzeuge soll bis 2027 vollständig einsatzbereit sein. Das ist eine hohe Investition, aber eine, die sich lohnt. Das Geld dafür stammt übrigens nicht aus dem Haushalt vom Landkreis. Wir befinden uns hier in einem gebührenfinanzierten Bereich. Das zahlen im Grunde genommen die Patientinnen und Patienten mit ihren Krankenkassenbeiträgen.”
Die neuen Fahrzeuge sind völlig anders konzipiert und für den Einsatz vorbereitet als die Vorgänger. Steffen Kirchner zeigt bei einem Rettungswagen: “Die neue Fahrzeugflotte bietet eine hochmoderne medizinische Ausstattung und viele technische Verbesserungen für den Arbeitsalltag der Einsatzkräfte. So gibt es elektrohydraulische Fahrtragen und elektrisch betriebene Treppentragestühle. Besonders auffallend ist, dass es im Wagen keine offenen Regale mehr gibt. Alles ist nun ordentlich hinter Türen und Klappen verstaut. Neben der Trage gibt es im hinteren Bereich des Wagens drei Sitzplätze – etwa für eine Begleitperson des Patienten, für den Rettungssanitäter und gerne auch für einen Auszubildenden.”
Thilo Spychalski: “Die Rettungswagen werden heute speziell für ihren Einsatz gebaut. Früher waren das relativ einfach umgerüstete Kastenwagen.”
Die neuen Rettungswagen sind bereits für das neue Telenotarztsystem vorbereitet. Dabei geht es darum, Daten, Informationen und ggf. auch Fotos und Videos noch aus dem fahrenden Fahrzeug heraus an das Krankenhaus zu übermitteln, sodass hier Ärzte Anweisungen geben, vor Ort aber auch schon die weiterführende Behandlung vorbereiten können.
Thilo Spychalski: “Zum Bereich Telemedizin gibt es zurzeit ein großes Pilotprojekt in Cottbus. Wir haben bereits mit der Regionalleitstelle Nordwest, die für uns verantwortlich ist, gesprochen, wie wir dieses Pilotmodell auch bei uns dauerhaft implementieren können. Da fehlt uns aber noch der Rahmen, den das Land Brandenburg setzen muss. Da die Rettungswagen aber bereits komplett auf den Einsatz der Telemedizin vorbereitet sind, könnten wir ohne Umbaumaßnahmen sofort loslegen, sobald das Telenotarztsystem auch bei uns scharfgestellt wird. Es gab übrigens bei uns auch schon einmal erste Feldversuche im Kreis. Ein Problem bei uns im Landkreis sind die Datenlöcher. Wenn man etwa im Funkloch zwischen Rathenow und Nauen unterwegs ist, kann man eben auch keine Daten übermitteln.”
Was passiert eigentlich mit den 16 ausrangierten Rettungswagen? Thilo Spychalski: “Wir werden einige der Wagen als Reserve vorhalten – falls es einmal einen Ausfall gibt oder es im Landkreis zu einer Katastrophe kommt.” (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 236 (11/2025).
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