Wir haben Fragen an Dr. Michael Wiebersinsky: Nauens neuer Bürgermeister im Interview!
Seit Anfang 2018 ist Manuel Meger der Bürgermeister in der Ackerbürgerstadt Nauen. Nach acht Jahren im Amt hat er seine Wiederwahl in der Stichwahl am 28. September denkbar knapp verpasst. Sein Nachfolger im Amt wird nun Dr. Michael Wiebersinsky sein, der zurzeit noch in den Havelland Kliniken als Narkose- und Notfallarzt arbeitet. Er tritt für die parteiübergreifende Wählergemeinschaft “Wir für Nauen” an.
Am 25. Januar 2026 endet in Nauen die Amtszeit von Bürgermeister Manuel Meger (Die Ländliche). Er hat es nach acht Jahren im Amt nur knapp nicht geschafft, die Stichwahl am 28. September zu gewinnen – und muss nun den Schreibtisch für seinen Nachfolger Dr. Michael Wiebersinsky räumen. Doch wer ist der Arzt aus den Havelland Kliniken überhaupt? Er ist erst seit kurzem in der Kommunalpolitik aktiv. Für “Wir für Nauen” gehört er der Stadtverordnetenversammlung an, außerdem ist er der Vorsitzende vom Ausschuss für Ordnung, Sicherheit und Verkehr. Ansonsten ist wenig über ihn bekannt. Es ist an der Zeit, das zu ändern. Mit dem angehenden Bürgermeister sprach Carsten Scheibe.
Sie übernehmen im kommenden Jahr die Verantwortung für die Stadt Nauen – als neuer Bürgermeister. Was verbindet Sie mit Nauen?
Dr. Michael Wiebersinsky (40): “Ich komme aus Nauen, ich wurde hier geboren und bin hier auch aufgewachsen. Ich habe in Nauen meine Kindergarten- und Schulzeit verbracht. Nur 2001/2002 war ich für ein Jahr als Austauschschüler in den USA und zwar in Montana mitten in den Rocky Mountains. 2005 habe ich mein Abitur am Goethe-Gymnasium in Nauen abgelegt.
Nach der Schule habe ich ab Oktober 2025 meinen Zivildienst an der Ostseeküste am Darß in der Nähe von Rostock abgeleistet. Ich fand die Arbeit mit Menschen und auch das Thema Heilen schon immer sehr spannend. In meiner Jugend habe ich mich in der Pharmazie gesehen. Nach meiner Zeit in den USA war mir aber klar, dass es eher die Medizin ist, die mich begeistert. Nach einer gewissen Wartezeit, die dem Numerus clausus im Studienfach Medizin geschuldet ist, konnte ich tatsächlich 2009 mein Medizinstudium an der Uni Rostock aufnehmen. In der Wartezeit habe ich eine Ausbildung zum Rettungssanitäter gemacht und in diesem Bereich auch gearbeitet. Und ich war ein halbes Jahr in Ägypten – als Kite-Surf-Lehrer.”
Nach dem Studium hat es Sie aber doch wieder zurück nach Nauen geführt?
Michael Wiebersinsky: “Wichtig ist: In Rostock habe ich meine heutige Frau kennengelernt. Wir haben nach dem Studium zunächst gemeinsam in der Uniklinik in Rostock gearbeitet, und zwar in der Anästhesie. In Rostock haben wir auch unsere beiden Kinder bekommen.
So im Jahr 2016 haben wir den Plan geschmiedet, nach Nauen zurückzukehren. Für mich ging es dabei um die Verbundenheit zur Familie, aber auch zur Stadt Nauen. Meine Frau kommt ursprünglich aus Zarrentin, das liegt am Schaalsee in Mecklenburg-Vorpommern. Sie hatte mich aber natürlich bei Verwandtschaftsbesuchen in Nauen begleitet und dabei ihr Herz für die Ackerbürgerstadt entdeckt.
Am Ende sind wir in mein altes Elternhaus in der Nauener Stadtrandsiedlung gezogen. Wir haben in Nauen ein schönes Grundstück, auf dem auch meine Mutter noch ein kleines Haus bewohnt, so dass wir unser eigenes Mehrgenerationenprojekt leben – was bei unserer Arbeit viele Vorteile mit sich bringt. Wir lieben das ländlich Angehauchte in der Stadtrandsiedlung, mögen aber auch die Nähe zur Stadt Nauen mit all den infrastrukturellen Möglichkeiten, die wir hier haben.”
Und Sie haben beide in Nauen Arbeit gefunden?
Michael Wiebersinsky: “Das größte Problem war es nach dem Umzug, einen Kitaplatz für die beiden Kinder zu finden. Das hat sich ja in den letzten Jahren in Nauen zum Glück deutlich verbessert. Auch, was die Schulen anbelangt, ist Nauen sehr gut aufgestellt.
Meine Frau und ich, wir haben uns beide in den Havelland Kliniken beworben. Das war im März 2020, also mitten in den Hochzeiten von Corona. Die Kita hatte zu, und wir mussten unsere Kinder mit zum Bewerbungsgespräch nehmen. Einer von uns stand mit den Kindern draußen auf dem kleinen Grünstreifen vor der Apotheke in der Ketziner Straße, der andere hatte sein Vorstellungsgespräch. Glücklicherweise haben sie uns beide genommen.
Ich habe eine Anstellung in der Anästhesie gefunden – als Assistenzarzt. Gerade in den ersten anderthalb Jahren habe ich sehr viel als Narkosearzt gearbeitet – und Operationen begleitet. Nach meiner Weiterbildung zum Facharzt bin ich mehr und mehr auf die Intensivstation gewechselt. 2023 habe ich auch noch meine Qualifikation als Notarzt in der Notfallmedizin erlangt und bin seitdem auch in dieser Position tätig.
Toll für uns: Meine Frau und ich hatten einen kurzen Arbeitsweg und brauchten mit dem Fahrrad nur zehn Minuten. Das ist gewonnene Lebenszeit, die man sonst nur sehr schwer wieder aufholen kann.”
Wie kommt man nun als Arzt mit zwei Kindern, einer Frau und einem Haus auf die Idee, sich auch noch in der Lokalpolitik zu engagieren?
Michael Wiebersinsky: “Politisch war ich schon immer sehr interessiert. Bereits in meiner Schulzeit war ich Schülersprecher und habe als Schülervertreter in der Schulkonferenz mitgearbeitet.
An der Ostsee habe ich das nicht weiter verfolgt. Als wir aber nach Nauen zurückgekehrt sind, wollte man im Jahr 2023 eine erste Klasse am Graf-Arco-Schulzentrum auflösen. Davon hätte auch potenziell mein Sohn betroffen sein können – es war nicht klar, welche Klasse aufgelöst wird. Das war ein Vorgehen vom Landesschulamt, das nicht nachvollziehbar war. Das größte Problem war, dass die Klassenschließung erst drei Wochen nach Beginn des Schuljahres beschlossen wurde. Zu dem Zeitpunkt hatten sich die Kinder gerade kennengelernt und erste Kontakte aufgebaut – und wurden plötzlich auf die vier übrigen ersten Klassen verteilt. Da habe ich beschlossen, mich politisch zu engagieren. Ich habe als Teil der Elternvertretung auch im Bildungsausschuss vorgesprochen.”
Inzwischen sind Sie selbst Mitglied der Nauener Stadtverordnetenversammlung?
Michael Wiebersinsky: “Ja, ich habe mich 2024 für die Wählergemeinschaft WFN zur Wahl der Stadtverordnetenversammlung aufstellen lassen. Damals standen 40 Menschen auf dieser Wählerliste.
WFN steht übrigens für ‘Wir für Nauen’. Das ist ein Zusammenschluss aus Vertretern der SPD, der Grünen, der Linken, der Piraten und auch der Gemeinschaft ‘Frischer Wind’. WFN deckt so gesehen ein sehr breites Spektrum der politischen und auch demokratischen Landschaft ab. Zu uns gehören Juristen, Selbstständige, Ärzte, Lehrer und auch Rentner. Wir sind keine Splittergruppe, sondern ein Bündnis direkt aus der Bevölkerung. Wir haben in der Kommunalwahl ja auch 32 Prozent der Stimmen erhalten und sind stärkste Fraktion geworden.”
Wie haben Sie denn Ihre eigene Bürgermeisterwahl erlebt?
Michael Wiebersinsky: “Ich weiß noch, dass der Sonntag der Stichwahl kein Wahlkampftag im eigentlichen Sinne mehr war. Ich habe mit meiner Familie zunächst den Erntedankgottesdienst besucht und bin am Nachmittag zum Birnenfest nach Ribbeck gefahren. Wir haben uns einfach einen schönen Nachmittag gemacht, das hat mir viel Druck genommen.
So gegen 17 Uhr kam die Anspannung zurück. Wir haben eine eigene Wahlparty im griechischen Restaurant ‘Korfu’ in Nauen abgehalten. Da haben alle gespannt auf die Ergebnisse geschaut. Die ersten Zahlen kamen aus Lietzow, da lag Herr Meger weit vorn. Das hat die Nervosität schon steigen lassen. Bis ganz vor Schluss lag Herr Meger als amtierender Bürgermeister mit gut 55 Prozent der Stimmen vorn. Da kam bei mir schon der Gedanke auf, na, es wird wohl nicht reichen. Ich habe auch schon versucht, die Handynummer von Herrn Meger zu bekommen, um ihm zu gratulieren.
Aber es fehlten ja noch die Briefwahlbezirke. Da waren ja schon bei der ersten Wahl sehr viele Stimmen für mich dabei – und so war es wieder. Die Auszählung des allerletzten Wahllokals hat noch einmal extrem lange zehn Minuten gedauert. Als ich schwarz auf weiß gelesen habe, dass ich die Wahl gewonnen habe, war ich überglücklich. Das konnte ich aber im ersten Augenblick nicht verarbeiten, das musste sich erst einmal setzen. Erst am Montag habe ich wirklich begriffen – ich werde jetzt Bürgermeister. Ich bin sehr dankbar für den Vertrauensvorschuss, der mir von den Bürgern geschenkt wurde. ich werde jetzt natürlich meinen Beruf im Krankenhaus zum kommenden Jahr aufgeben müssen.”
Sie sind nach Manuel Meger der nächste Bürgermeister von Nauen. Was liegt Ihnen besonders am Herzen?
Michael Wiebersinsky: “Ändern möchte ich sehr gern die Art der Kommunikation, wie man sie zurzeit in der Verwaltung, aber auch in der Bürgerschaft beobachten kann. Es ist mir ein großes Anliegen, wieder dahin zu kommen, dass man sich konstruktiv in einem Diskurs begegnen kann und politische Gesprächsthemen diskutiert, ohne dass es eskaliert. Wir können nicht alle die gleiche Meinung haben. Wir dürfen uns ruhig streiten und auseinandersetzen, aber es sollte konstruktiv bleiben. Das ist in der Politik in den letzten Jahren zu kurz gekommen.
Ich habe ja auch von Anfang an im Wahlkampf mit der Schaffung eines Kommunal-Cafés geworben. Unsere Bürger sollen die Möglichkeit bekommen, auf Augenhöhe mit Vertretern der Verwaltung und auch der Stadtverordnetenversammlung zu sprechen und sich auszutauschen. Viele Menschen würden gern Probleme ansprechen, die ihnen am Herzen liegen, trauen sich das aber nicht im Rahmen der Einwohnerfragestunde, wenn die ganze SVV und auch die Presse zuhört.”
Sie stehen als Bürgermeister auch dafür ein, dass Nauen weiter wachsen wird?
Michael Wiebersinsky: “Ja. Ich glaube, dass Nauen allein schon aufgrund seiner infrastrukturellen Lage mit seiner Bahnanbindung und der B5 und der A10 in der unmittelbaren Nähe einen gewissen Wachstumsdruck hat.
Wenn wir uns diesem Wachstumsdruck ganz verwehren und keine neuen Wohngebiete erschließen, bleibt der Druck bestehen und die große Forderung der Nauener, dass die Mietpreise zumindest gezügelt werden, lässt sich nur schwer umsetzen, weil Angebot und Nachfrage nicht mehr zueinander passen.
Ich glaube schon, dass wir Nauen weiterentwickeln müssen, aber mit Augenmaß. Und so, dass die Nauener auch etwas davon haben. So muss natürlich auch die Infrastruktur mitwachsen. Kita- und Schulplätze, die Straßen, die Radwege, aber auch die soziale Versorgung etwa mit Ärzten – alles muss passen.”
Was soll jetzt aus dem Theater der Freundschaft werden?
Michael Wiebersinsky: “Die Stadtverordnetenversammlung hat im November den Beschluss gefasst, das alte Theater der Freundschaft zurückzukaufen. Es gibt aber zurzeit noch gar keinen Kaufvertrag. Eingeplant sind da 869.000 Euro – inklusive Nebenkosten, um den Rückkauf über die Bühne zu bringen.
Sobald ich Bürgermeister bin, möchte ich dafür sorgen, dass der Kauf schnell abgeschlossen wird. Was mit dem Haus passieren soll, dafür gibt es in der Stadt noch kein richtiges Konzept. Wir haben als Fraktion im letzten Jahr 25.000 Euro in den Haushalt einstellen lassen, um bei diesem Thema auch den Bürger mit ins Boot zu holen und ihn zu beteiligen.
Ich persönlich denke, dass sich das Theater der Freundschaft am ehesten zu einem kulturellen Treffpunkt mit vielen Akteuren in der Verantwortung entwickeln könnte. Das wäre ein Gewinn für die Stadt.
Ich hatte übrigens noch selbst in der ersten Klasse eine Weihnachtsaufführung im Theater der Freundschaft, habe das Haus also noch als Kind im Betrieb von innen gesehen.”
Jetzt wird es privat. Lesen Sie gern?
Michael Wiebersinsky: “Sehr gern. Leider fehlt mir die Zeit. Berufsbedingt lese ich viele Fachbücher. Ansonsten gern einmal ganz normale Belletristik, um abzuschalten. Wenn ich lese, dann auf dem Tablet.”
Wie sieht es mit Reisen aus?
Michael Wiebersinsky: “Unendlich gern. Mittlerweile sind wir sehr viel in Deutschland unterwegs. Wenn wir weiter wegfahren, dann nach Skandinavien, also nach Schweden oder Dänemark.”
Sport?
Michael Wiebersinsky: “Früher war ich sehr aktiv im Kite-Surfen, in den letzten Jahren hatte ich aber leider viel zu wenig Zeit für Sport. Mittlerweile beschränkt sich mein Sport auf Radfahren oder Laufen gehen.”
Sonstige Hobbys?
Michael Wiebersinsky: “Musik. Ich habe früher selbst in einer Band gespielt, Gitarre übrigens. Heute mache ich noch immer ein bisschen Wohnzimmermusik. Wenn es möglich ist, versuche ich, viel Zeit mit meiner Familie zu verbringen. Wir machen kleine Ausflüge oder üben bei uns hinten auf dem Kanal das Stand-Up-Paddling.” (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 236 (11/2025).
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