Neu eröffnet: Zentrum für Seelische Gesundheit am Klinikstandort Nauen!
Die psychischen Erkrankungen nahmen in den letzten Jahren dramatisch zu. Die Havelland Kliniken reagieren darauf. Aus dem ehemaligen Seniorenpflegezentrum Nauen gleich gegenüber vom Krankenhaus wurde nun nach 18 Monaten Umbau das neue „Zentrum für Seelische Gesundheit am Klinikstandort Nauen“. Am 10. Oktober wurde das Zentrum feierlich eröffnet – am „Welttag der seelischen Gesundheit“ (World Mental Health Day).
Landrat Roger Lewandowski brachte es am 10. Oktober bei der Eröffnung des neuen „Zentrums für Seelische Gesundheit Havelland“ in Nauen auf den Punkt: „Psychische Erkrankungen gehören längst zu den größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Ich glaube, fast jeder von uns kennt im Familien-, Bekannten-, Freundes- oder auch Kollegenkreis Menschen, die mit seelischen Belastungen oder psychischen Erkrankungen zu kämpfen haben. Depressionen, Ängste, Suchterkrankungen, psychosomatische Beschwerden: Sie sind keine Randthemen mehr, sondern gehören inzwischen bedauerlicherweise zu unserem Alltag.“
Um der Nachfrage nach einer Behandlung psychischer Probleme Herr zu werden, haben sich die Havelland Kliniken dazu entschieden, das ehemalige Seniorenpflegezentrum in der Ketziner Straße 13 umzugestalten und zu renovieren. Das Gebäude stand eh bereits leer, nachdem die Senioren und das Pflegeheim nahezu komplett in das Seniorenpflegezentrum in Wustermark umgezogen waren.
Klinik-Geschäftsführer Thilo Spychalski wusste das leerstehende Gebäude neu zu nutzen: „Wir haben 18 Monate gebraucht, um das Gebäude umzubauen. Die Arbeiten haben uns dreieinhalb Millionen Euro gekostet, die wir ohne Förderungen vom Land aus der eigenen Tasche bezahlt haben. Hätte man das Haus neu gebaut, würden wir bei 15 bis 20 Millionen Euro liegen. Im neuen ‚Zentrum für Seelische Gesundheit‘ haben wir nun knapp über 70 Behandlungsplätze, die wir nutzen können.“
Am neuen Standort kommen nun die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik, die Psychiatrische Tagesklinik und die Psychiatrische Institutsambulanz unter einem Dach zusammen.
Chefarzt Dr. med. Matthias Theophil machte deutlich, wie nötig der Aufbau des neuen Zentrum ist: „Zwischen 2013 und 2023 ist die Anzahl der Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland, die etwas mit psychischen Störungen zu tun haben, um ganze 55 Prozent gestiegen. Die BKK hat für das Jahr 2023 gemeldet, dass inzwischen 17 Prozent aller Arbeitsunfähigkeitstage mit psychischen Erkrankungen begründet werden.“
Vor Ort soll die Behandlung von psychisch kranken Menschen weiterhin nach dem Heterogenitätskonzept erfolgen. Das erklärt Dr. Matthias Theophil wie folgt: „Wir verzichten auf das Vorhalten von Spezialstationen. Es wird also keine spezielle Depressionsstation oder eine gerontopsychiatrische Station geben. Nach meinem Erleben hat es sich in der Vergangenheit sehr bewährt, dass Patienten mit verschiedenen Störungsbildern aber auch in einem unterschiedlichen Alter sehr davon profitieren, wenn sie gemeinsam auf einer Station behandelt werden und sich hier auch gegenseitig Hilfe und Unterstützung geben können. Trotzdem wird natürlich jeder Patient individuell versorgt.“
Das Heterogenitätskonzept kommt mitunter an seine Grenzen, wenn es Patienten mit einem „herausforderndem Verhalten“ gibt. Aus diesem Grund gibt es für die Unterbringung dieser Patienten auch einen „geschützten Rahmen“ im Haus.
Dr. Matthias Theophil: „Wir sprechen hier über die Patienten, die am schlechtesten dran sind, weil sie aufgrund ihrer psychischen Krankheit in einer sich selbst oder die öffentliche Sicherheit gefährdenden Position sind. Sie brauchen eine besondere Sicherung in einem geschützten Bereich.“
Dabei geht es etwa um Menschen mit einer akuten Psychose, die sich selbst gefährden oder um einen Delir bei Menschen mit einer Demenz, der zu einem akuten Verwirrtheitszustand führen kann. Dr. Matthias Theophil: „Der Delir führt gerade bei dementen Senioren zu einer Weglauf- oder Hinlauf-Tendenz. Das sind dann die Fälle, die über die Straßen irren und sich komplett verlaufen.“
Die geschlossene Abteilung der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik ist nun nicht mehr im 2. Stock der Klinik untergebracht, sondern im Parterre des neuen „Zentrums für Seelische Gesundheit“. Hier gibt es eine sichere Schleuse für den geschützten Zugang der Mitarbeiter, aber eben endlich auch einen gut gesicherten Garten, in dem einige Fitnessgeräte stehen und in dem man einfach einmal frische Luft schnappen kann.
Brandenburgs Gesundheitsministerin Britta Müller ließ sich passend zur Eröffnung durch das Gebäude führen. Sie zeigte sich begeistert: „Psychische Krisen können jede und jeden treffen, unabhängig von Alter, Beruf oder sozialem Status.“
Der Ministerin gefiel vor allem der neue Name „Zentrum für Seelische Gesundheit Havelland“. Sie sagte: „Der neue Name ist mehr als nur Fassade. ‚Klinik für Psychiatrie‘ – das klang für viele Menschen doch eher schwer und belastet. Ein ‚Zentrum für seelische Gesundheit‘ wirkt offen, positiv und einladend. Das ist mehr als sprachliche Kosmetik, das ist ein starkes Signal. Mit diesem Namen senden Sie die klare Botschaft: Hier darf man sich Hilfe holen, ohne Scham und ohne Stigma. Denn wenn wir heute von einem ‚Zentrum für seelische Gesundheit‘ sprechen, dann sprechen wir nicht mehr nur von der Krankheit, sondern wir sprechen von Hilfe, Unterstützung und von Respekt und Teilhabe.“
Klinik-Geschäftsführer Thilo Spychalski wies auch darauf hin, dass nun im Krankenhaus Räume frei werden, die ab sofort für andere Dinge genutzt werden können: „Schließlich schafft der Umzug aus dem Hauptgebäude der Klinik in Nauen für uns kostengünstig Raumkapazitäten für Neuerungen, Anpassungen und Erweiterungen im Rahmen der Krankenhausreform.“
Thilo Spychalski mahnte aber auch an, dass das neue „Zentrum für Seelische Gesundheit Havelland“ noch nicht den ganzen Bedarf deckt. Er sieht gerade im östlichen Bereich des Havellands einen großen Bedarf bei der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Versorgung. Und so wünscht er sich die Einrichtung einer Kinder- und Jugendpsychiatrischen Tagesklinik in Falkensee. In Falkensee würde er auch gern die bestehende Tagesklinik für Erwachsene um zwei weitere Plätze erweitern. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 236 (11/2025).
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