Medizinisches Dienstleistungszentrum Havelland: Wenn es am Hintern juckt, brennt, sticht und blutet!
Es ist für viele Menschen ein sehr unangenehmes Thema. Aber wenn es am Hintern juckt, brennt, sticht oder blutet, lohnt es sich, möglichst schnell zum Arzt zu gehen – bevor das zugrundeliegende Problem dazu führt, dass die Behandlung nicht mehr ambulant im MDZ, sondern stationär im Krankenhaus vorgenommen werden muss. Dr. med. Johannes Diermann (68) vom Medizinischen Dienstleistungszentrum Havelland und Dr. med. Daniel Köppen (43) von den Havelland Kliniken klären auf – über Hämorrhoiden, Analfissuren, Fisteln, Feigwarzen und Analkrebs.
Seit 2017 führt Dr. Johannes Diermann die Chirurgische Praxis im Medizinischen Dienstleistungszentrum Havelland. Ein großes Betätigungsfeld bei seiner täglichen Arbeit ist die Proktologie. Er beschäftigt sich dabei mit verschiedenen Erkrankungen des Enddarmbereichs. Dabei geht es vor allem um den Mastdarm, den Analkanal und den Anus selbst.
Dr. Johannes Diermann: “Die proktologischen Probleme nehmen zu, auch weil die Menschen immer älter werden, die Ernährung immer ballastärmer wird und sich die Stuhlgewohnheiten schädlich auswirken. Manchmal warten in der Sprechstunde 40 bis 50 Patienten auf mich, die ein Problem mit dem Enddarm oder dem Anus haben. Hämorrhoiden und Analfissuren sind tatsächlich die häufigsten Fälle, die wir bei uns in der Praxis sehen. Alle Fälle, die etwas mit dem eigenen Hintern zu tun haben, sind leider sehr schambehaftet. Viele Patienten kommen deswegen erst dann zu uns, wenn die Schmerzen nicht mehr zu ertragen sind, das medizinische Problem weit fortgeschritten ist oder die ganze Kloschüssel voller Blut ist.”
Der Klassiker beim Proktologen sind die Hämorrhoiden. Dabei handelt es sich nicht wie von Laien gedacht um dicke Adern, die in den Analkanal hineinragen, sondern um ganz natürliche Gefäßpolster, die ringförmig unter der Enddarmschleimhaut angelegt sind und dem Feinverschluss des Anus dienen. Sie sind der “Feinverschluss” für Gase und Flüssigkeiten.
Dr. Johannes Diermann: “Man behandelt nur ein symptomatisches Leiden, wie Jucken, Brennen, Blutungen und Nässen etc. und keine Zufallsbefunde, wenn sie nicht die Probleme des Patienten verursacht haben. Dazu kommt es, wenn die Gefäßpolster nicht mehr an der Stelle sitzen, die dafür vorgesehen ist, sondern wenn sie anschwellen oder absinken. Die geschwollenen Gefäße können platzen und richtig stark bluten. Der Analkanal kann auch nicht mehr richtig verschlossen werden. Da läuft immer ein bisschen Schleim aus dem Po. Das fängt meist nachts an zu jucken. Dann kratzt man sich und schon hat man ein Analexzem. Ambulant greifen wir an dieser Stelle ein, indem wir die krankhaften Anteile mit einer Gummibandligatur abbinden oder eine Sklerosierung vornehmen, wie man das auch bei den Krampfadern am Bein tut. Handelt es sich um Hämorrhoiden, die schon aus dem Po herausschauen, dann sind diese Methoden häufig unwirksam und man muss eine Operation vornehmen.”
Sehr schmerzhaft sind häufig auch die Analfissuren, die durch zu harten Stuhlgang oder Durchfall entstehen. Die Haut im Analkanal ist nicht dehnbar und reißt dadurch ein. Darunter liegen viele Nerven und Gefäße.
Dr. Johannes Diermann: “Eine Heilung an dieser Stelle gestaltet sich schwierig. Man muss die Muskulatur weicher machen, die Schmerzen lindern, vor allem aber die eigenen Stuhlgewohnheiten ändern.”
Häufig bekommt es der Arzt auch mit Analvenenthrombosen zu tun, die gerade bei einem starken Wetterwechsel auftreten können.
Dr. Johannes Diermann: “Hier geht es um die kleinen Venen außen am Anus, in denen sich plötzlich ein Blutgerinnsel festsetzt. Dieses kleine Gerinnsel kann so starke und permanente Schmerzen verursachen, dass die Betroffenen umgehend zu uns in die Akutsprechstunde kommen. Das operieren wir direkt akut vor Ort. So eine Venenthrombose kann richtig groß werden, dann muss das im Krankenhaus operiert werden, richtig mit Narkose.”
Dr. Daniel Köppen ist in den Havelland Kliniken Oberarzt in der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie, der auch die Proktologie untergeordnet ist: “Oft hat man beim Gehen ein komisches Gefühl und spürt einen Fremdkörper zwischen den Pobacken. Das ist die Schwellung, die durch das Blutgerinnsel anfängt wehzutun und die spontan nicht von allein weggeht. Manchmal hilft Cortisonsalbe, oft muss aber tatsächlich operiert werden.”
Ein weites Feld sind die sogenannten Analfisteln. Sie entstehen durch Entzündungen rudimentärer Drüsen neben dem Analkanal. Diese Drüsen sind zwischen den Schließmuskeln eingebettet. Es können sich auch Abszesse bilden, die sich über Fistelöffnungen über die Haut um den Anus nach außen drainieren oder in den Analkanal. Es ist nicht immer leicht, die eigentliche Fistel aufzuspüren. Wenn man sie aber erst einmal gefunden hat, kann man sie veröden oder exzedieren.
Sogar im “rückwärtigen Bereich” kann es zu sexuell übertragbaren Krankheiten kommen. Dr. Johannes Diermann: “Wir Proktologen bekommen es dabei vor allem mit den Kondylomen zu tun, das sind die Feigwarzen. Sie werden durch HPV-Viren hervorgerufen. Bei den Feigwarzen handelt es sich um warzenartige Wucherungen, die durch den Virenbefall hervorgerufen werden und die sogar in den Analkanal einwandern können. Die Feigwarzen kann man mit dem Laser oder elektrochirurgisch entfernen. Wir geben auch gern eine Salbe, die aber sehr brennt, weil sie die Feigwarzen im Grunde genommen verätzt. Feigwarzen können sehr, sehr lästig sein, weil sie gern wiederkehren, sobald das Immunsystem ein wenig suprimiert ist, sodass man sie immer wieder neu operieren muss. Deswegen kontrollieren wir diese Patienten für ein Jahr lang alle drei Monate.”
Auch Krebs ist ein Thema beim Proktologen. Dr. Johannes Diermann: “Das ist aber ein ganz anderer Krebs als der klassische Darmkrebs. Dabei handelt es sich um Analkrebs, der im After aber auch außerhalb davon wachsen kann und der von den Patienten häufig lange Zeit als Hämorrhoide missgedeutet wird. Ist der Krebs noch sehr klein, können wir ihn mitunter komplett entfernen. Ab einem Durchmesser über zwei Zentimeter erfolgt i.d.R. eine kombinierte Therapie mit einer Bestrahlung und einer Chemotherapie. Chirurgie kann eine zusätzliche Option sein. Bei Resektion von Anteilen des Schließmuskels kann dies zur Inkontinenz führen.”
Ein großes Thema, das oft vergessen wird, ist die Stuhlinkontinenz. Stuhlinkontinenz bezeichnet die Unfähigkeit, Stuhl oder Darmgase zurückzuhalten, was zu einem unkontrolliertem Entweichen führt. Betroffene merken dies entweder zu spät oder können den Drang der Stuhlentleerung nicht aufhalten, sodass unter Umständen ein Malheur passiert.
Dr. Johannes Diermann: “Bei Frauen ist das häufig mit einer Harninkontinenz vergesellschaftet. Betroffen in Deutschland schätzungsweise 40 Prozent der Frauen. Ursache ist hier oft eine ausgeprägte Beckenbodenschwäche. Das kann man alles gut behandeln, man muss aber genau schauen, was für eine Ursache dahinter steckt. Das kann man in der Regel nicht mehr ambulant operieren, da muss man ins Krankenhaus gehen. Ich bin froh, dass ich hier mit der chirurgischen Abteilung und insbesondere mit der Chefärztin Frau Hinneburg und mit Herrn Dr. Köppen eine gute Kommunikation und Zusammenarbeit pflegen kann. Das ist bei so komplexen Krankheitsbildern außerordentlich wichtig.”
Dr. Daniel Köppen: “Letztlich sehen wir im Krankenhaus ähnliche Erkrankungen wie im ambulanten Bereich, aber in einem Stadium, indem es nicht mehr möglich ist, das ambulant zu beheben. Bei uns finden größere Eingriffe statt und wir müssen die Patienten oft noch ein paar Tage überwachen und begleiten.” (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 236 (11/2025).
Seitenabrufe seit 27.11.2025:
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige



