Kristina Hölzel: Regionale Geschichte (11): Auf Sand gebaut
Warum gibt es in Falkensee eigentlich eine Binnendüne? Unsere brandenburgische Landschaft wurde geformt von der sogenannten Weichsel-Kaltzeit. Sie begann vor ca. 115.000 Jahren und endete vor rund 11.600 Jahren. Der Eisschild bedeckte Skandinavien, Teile der Britischen Inseln, Norddeutschland und zog sich bis weit nach Osteuropa ins Baltikum. Die maximale Ausdehnung der Gletscher von Norden her reichte bis südlich des Berliner Raumes.
Der Gletscherrückzug formte unser Brandenburger Land sanft mit End- und Grundmoränen. In sich vereinenden Urstromtälern flossen Wassermassen Richtung Nordsee. An den Rändern blieben ausgedehnte Sand- und Geröllflächen zurück. Die Sande wurden permanent von Westwinden davongetragen und lagerten sich über die Jahrhunderte hinweg an anderen Stellen ab. Es bildeten sich im Binnenland Dünenkomplexe.
In der erstmalig detaillierten Erfassung der preußisch-brandenburgischen Territorien östlich der Weser (Schmettausches Kartenwerk 1767-87) wird unsere Düne der „Falckenhagensche Bauern Heyde“ zugeordnet.
Von Generation zu Generation nutzte man den Wald für die Gewinnung von Bau- und Heizmaterial, offene Flächen für die Weidetierhaltung und den See zum Fischfang. Was macht man aber mit den Sandmengen?
Mit der zunehmenden Besiedlung zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde der Sand als Baumaterial interessant. Am 26. Februar 1907 berichtete des Osthavelländische Kreisblatt in der Rubrik aus Kreis und Provinz folgendes:
„ … Es erstreckt sich … von Falkenhain nach Falkenhagen-Seegefeld zu eine Reihe von Sandbergen, deren Ausbeutung hinreichendes Material auf lange Zeit bieten würde. Diese bisher vollkommen wertlosen Sandhügel werden nach Gründung des bezeichneten Unternehmens (eine Kalksandsteinfabrik d.A.) einen verhältnismäßig hohen Wert bekommen.“ (Quelle: Heimatjahrbuch 2007, Seite 44)
Diese Vermarktung kam zwar nicht zustande. Die Sandmengen wurden in den folgenden Jahren trotzdem bewegt: Tiefgelegene und zu nasse Bauflächen in Finkenkrug wurden mit Sand aufgeschüttet. Der Dünenbereich im Bereich der Bergstraße in Richtung Falkenhagener Straße, im Volksmund „Winterberg“ genannt, wurde vor rund 100 Jahren abgetragen, um Bauland zu schaffen. Das sind nur zwei Beispiele.
Wir betrachten das von privater Seite zur Verfügung gestellte Foto aus dem Jahr 1936. Die Bauherren haben damit den Bereich der heutigen Karl-Liebknecht-Straße in Höhe der Donaustraße dokumentiert.
Eine Menge Sand wurde 1938/39 für den Bau eines Bahndammes zwischen dem Bahnhof Falkensee und Spandau benötigt. Auf dem heute in seiner zusammenhängenden Form kaum noch erkennbaren Bahndamm beabsichtigte die Reichsbahnbaudirektion des Dritten Reiches den Fernverkehr zu führen. Mit dem Beginn des Zweiten Weltkrieges endeten die Bautätigkeiten. (Quelle: Sonderheft S-Bahn ins Havelland,1993)
Durch den damaligen Sandabbau entstand der neue kleine Falkenhagener See und eine Dünenlücke in den Falkenhagener Bergen. (Karte im Heimatjahrbuch 2020, S. 114)
Zusammenfassend erstreckt sich unsere Düne vom östlichen Ufer des Falkenhagener Sees über die Falkenhagener Berge, die Falkenhagener Straße und die Hansastraße querend, bis nach Finkenkrug zum Bredower Forst. Die höchste Erhebung mit 16 Metern (50 Meter NHN) ist der im Volksmund benannte „Scheinwerferberg“ nördlich der Kulmbacher Straße. Dort wurden 1943 eine Flakstellung mit einem 150-cm-Scheinwerfer und militärische Unterkünfte errichtet, dazu entfernte man den gesamten Baumbestand.
Die dort in der Nachkriegszeit eingetretene Ruhe, die nur von jugendlichen Kriegsschrottsammlern und von kleinen Wintersportfreunden gebrochen wurde, ist nun schon wieder lange vorbei. Der Mensch und der Sand sind wieder in Bewegung.
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 236 (11/2025).
Seitenabrufe seit 27.11.2025:
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige

