Kino-Filmkritik: TRON: ARES
Der Disney-Film “TRON” aus dem Jahre 1982 war visionär. Jeff Bridges wurde als Videospielentwickler Kevin Flynn mitten in die 3D-Pixelwelt virtueller Welten gesaugt und musste sich hier gegen garstige Programme wehren. Die Grafik, die der Film damals am Anfang des Computerzeitalters zeigte, war wie von einem anderen Stern – so etwas hatte man vorher noch nie gesehen. Kein Wunder also, dass der Film mit den leuchtend-zerstörerischen Kampf-Frisbees und den Wände-hinter-sich-herziehenden Motorrädern Kult wurde. 2010 gab es mit “TRON: LEGACY” noch einmal einen Nachfolger.
Nun ist in diesem Oktober mit “TRON: ARES” ein dritter Teil erschienen, die Trilogie ist komplett. Wobei man ganz klar sagen muss: Wer die ersten beiden Filme nicht gesehen hat, kann mit “ARES” trotzdem seinen Spaß haben. Vorkenntnisse sind wünschenswert, aber keine Bedingung.
Im neuen Film lernen wir den jungen Konzernchef Julian Dillinger (Evan Peters) kennen. Er hat nun eine Technik entwickelt, um Programme aus der Cyberwelt in unsere Realität zu holen. Hier könnten die Künstlichen Intelligenzen als unbesiegbare Supersoldaten in den nächsten Kriegen eingesetzt werden. Natürlich findet das Militär diese Aussicht mehr als nur spannend. Allerdings verschweigt Dillinger ein letztes Geheimnis: Die lebendig gewordenen Programme halten in der neuen Welt nur 29 Minuten lang durch, dann zerfallen sie in Bits & Bytes.
Die Technik, die ihren Wechsel in die echte Realität permanent machen könnte, hält Flynns Nachfolgerin Eve Kim (Great Lee) in den Händen. Die Künstliche Intelligenz ARES (Jared Leto) wird ausgeschickt, um den Code in Besitz zu nehmen.
Zunächst einmal: Optisch ist “TRON: ARES” eine Wucht. Ganz egal, ob die Action im virtuellen Raum (dem sogenannten ‘Grid’) stattfindet oder in unserer Realität: Die Bilder sind wirklich perfekt. Wenn die dieses Mal leuchtend rot erscheinenden Cybermotorräder der Mensch gewordenen Programme durch unsere echten Straßen brettern und dabei rot leuchtende Wände hinter sich aufbauen, sieht das aus jeder sich erdenklichen Perspektive einfach nur grandios aus. Eine Augenweide, bei der auch das CGI einmal perfekt passt.
Auch akustisch ist der Film ganz große Klasse, auch wenn das Trommelfell Schaden nehmen könnte. Es kracht, scheppert, rummst und knallt, dass die Boxen Risse bekommen. Die Musik stammt dieses Mal von den “Nine Inch Nails”. Die machen einen so guten Job, dass man sich glatt den Soundtrack zum Film kaufen möchte.
Das Problem bei “ARES” ist einmal mehr, dass die Story dünner ist als Zahnseide und viele Chancen, die das Thema bietet, einfach nicht aufgreift. So könnte ARES als perfekte Künstliche Intelligenz so viel mehr erreichen, da er doch schlauer als alle Menschen ist. Im Film ist ARES aber einfach nur schneller im Googeln. Die ganze philosophische Komponente, was denn der Einsatz von K.I. mit den Menschen macht, wird beiseite geschoben. Es bleibt im Grunde genommen bei der klassischen Idee, dass ein verrückter 08/15-Industriemagnat die Weltordnung bedroht – und ein paar wenige Idealisten gegen die Zeit arbeiten, um den Tag zu retten. Da hätte Regisseur Joachim Rønning mehr Tiefgang liefern können. (CS / Bilder: Disney)
Fazit: 3 von 5 Sternen (FSK: 12)
Spieldauer: 119 Minuten
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=wGG1jGgAZOs
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 236 (11/2025).
Seitenabrufe seit 27.11.2025:
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige





