Nerds im Himmel auf der Trade & Play Convention 2025: 3.500 Besucher bei großer Sammelkarten-Messe in Falkenseer Stadthalle!
Sammelkartenspiele wie Pokémon, Magic the Gathering, One Piece und aktuell Lorcana von Disney begeistern viele junge wie alte Sammler über alle Maßen. Alexander Vujanov hat extra für diese besondere Community die “Trade & Play Convention” ins Leben gerufen, die am 15. November erstmals in der Falkenseer Stadthalle stattfand. Damit hat er anscheinend einen echten Nerv getroffen: 3.500 Besucher aus ganz Deutschland strömten in die Stadthalle. Besonders schön anzusehen: Die Cosplayer in ihren bunten Kostümen, die Figuren aus den japanischen Manga-Comics und Anime-Filmen nachempfunden sind.
Eine Generation ist es her, da wurden die Kinder in Deutschland “infiziert”. Ein ganz besonderer Sammel-Virus hatte sie plötzlich erfasst. Auf dem Schulhof wurden in den Pausen so lange die bunten Karten aus den Sammelkartenspielen Pokémon und Yu-Gi-Oh! getauscht, bis die Schulen das schließlich verboten haben.
Inzwischen sind die Kinder von damals erwachsen geworden – und haben nun selbst Kinder, die mit großen Augen Sammeltüten aufreißen und darauf hoffen, in den Paketen eine ganz besonders seltene und damit auch tatsächlich wertvolle Rare-Karte mit Glitzermotiv vorzufinden.
Aus der verrückten Sammelidee ist inzwischen eine eigene Fan-Blase geworden, in der sich weltweit Millionen Menschen sehr gern aufhalten. Sie sammeln die Karten, tauschen und verkaufen die Doppelten – und verwenden die seltenen Einzelstücke nicht selten als Wertanlage, die leicht für tausend Euro und mehr weiterverkauft werden könnten.
Alexander Vujanov vom EDEKA im Falkenseer Wachtelfeld ist selbst ein bekennender großer Fan dieses internationalen Sammeltrends. Regelmäßig organisiert er Pokémon-Tauschtage in seinem Markt oder baut einen üppig bestückten Pokémon-Verkaufsstand bei seinen Veranstaltungen auf.
Nun hat er das ganz große Rad gedreht – und zu einer “Trade & Play Convention” eingeladen. Als Veranstaltungsort hat er dafür kurzerhand die Falkenseer Stadthalle angemietet. Am 15. November pilgerten Fans aus dem Sammelkartenkosmos nach Falkensee, um sich vor Ort ganz und gar ihrem Hobby hinzugeben.
Alexander Vujanov: “Wir hatten 30 Händler in der Halle, die wirklich alles angeboten haben, was sich der Fan nur vorstellen kann. Hinzu kamen 25 Kunsthandwerker, die von Aufklebern über gestrickte Figuren bis hin zu eigenen Gemälden dem Thema noch einmal eine ganz neue Ausrichtung gaben. Ich war sehr froh, dass uns auch die Cosplayer-Szene so sehr unterstützt hat. Ich habe in der Halle unzählige Cosplayer in fantastischen Kostümen gesehen. Kostüme übrigens, die oft unter größtem Aufwand und mit sehr viel Handarbeit selbst angefertigt wurden.”
Die große Veranstaltungshalle hatte man für das Event in drei Bereiche eingeteilt. Vor der Bühne standen Stühle in mehreren Reihen, sodass die Besucher den Veranstaltungen auf der Bühne im Sitzen zuschauen konnten.
Dahinter schlossen sich mehrere Reihen mit Tischen und Stühlen an. Hier nahmen die Sammler mit ihren von zu Hause mitgebrachten Kartenstapeln und großformatigen Sammelordnern Platz, um doppelte Karten zu tauschen und zu verkaufen, aber auch, um das eine oder andere Spiel zu starten. Schließlich kann man Sammelkartenspiele wie Pokémon oder Magic the Gathering mit ihren vielen hundert Einzelkarten nicht nur sammeln, sondern auch spielen.
Im hinteren Drittel der Halle hatten die Händler ihre Tische aufgebaut – mit jeder Menge Blister, Boxen, Einzelkarten, Sets, Merchandise-Artikeln, Figuren, Würfeln und sonstigem Zubehör, das man so im Handel um die Ecke kaum in die Finger bekommen kann.
Ein typischer Anblick in der Halle waren übrigens versierte Sammler, die auf ihrem Handy spezielle Online-Dienste aufgerufen hatten, in denen man den aktuellen Marktwert einzeln angebotener Sammelkarten gezielt nachschlagen kann. Das war sozusagen die “Rückversicherung” dafür, dass ein von den Händlern aufgerufener Preis auch wirklich in Ordnung geht. Verständlich, wenn man bedenkt, dass seltene Karten schnell für 30 bis 300 Euro über den Tisch gehen können.
Zu den privaten Fans vor Ort, die ausrangierte Karten in geschützten Sammelordnern auf den bereitgestellten Tischen angeboten haben, gehörte auch Gero Franziski aus Hamburg: “Ich habe meine Trade-Karten mitgebracht, also meine Doppelten und ein bisschen auch etwas fürs Auge. Mir geht es gar nicht um den Verkauf. Ich möchte hier vor Ort gern fair traden und tauschen, um meine PC zu erweitern, also meine Personal Collection. Sollte ich aber etwas Schönes entdecken, bin ich auch bereit, dafür etwas Geld auszugeben, wenn ich es mir leisten kann. Ich sammele übrigens querbeet, aber an liebsten Garados- und Relaxo-Karten.”
Der Sammler, der Zuhause bereits zig tausend Karten aufbewahrt, übte übrigens deutliche Kritik an der Vermarktung der Sammelkarten: “Die Verfügbarkeit der Karten könnte viel besser werden. Selbst bei uns in Hamburg ist es schwer, sie im Handel zu bekommen. Da gibt es leider sogenannte Scalper, die nach einem Release das gesamte Angebot vom Markt aufkaufen, um es anschließend selbst zu höheren Preisen weiterzuvermarkten. Das ist wirklich schade. Am Ende bleiben uns Sammlern die Messen, bei denen man die Chance hat, die Karten doch noch zu finden und zu kaufen.”
An den einzelnen Tischen wurde während der gesamten Messe fleißig getauscht. Aber es gab ja auch noch die kommerziellen Händler, die komplette Kartons, aber auch Booster-Packs und jede Menge einzelne Karten verkauften.
Björn Steinmeier von “Schwert und Spiele” aus Spandau hatte an seinem Stand verschiedene Living Card Games wie “Herr der Ringe”, “Netrunner” oder “Star Wars” mit dabei. Sein Hauptaugenmerk lag aber ganz klar auf den Sammelkarten vom Spiel Magic the Gathering, das neben Pokémon zu den ältesten in der Szene gehört. Er kritisierte allerdings eine Entwicklung bei Magic sehr: “Bei Magic gibt es gerade viele Crossover-Geschichten. So ist gerade ein Spiderman-Set erschienen. Dieses Vermischen mag ich gar nicht. Nächstes Jahr soll ein Star-Trek-Set erscheinen. Damit kriegen sie mich leider wieder, das werde ich mir privat kaufen.”
Den aktuellen Pokémon-Hype sieht Björn Steinmeier kritisch: “Die Karten sind für viele schon zu einer echten Wertanlage geworden. Aber: Das sind für mich moderne Tulpenzwiebeln – in Anspielung auf den ersten Börsencrash der Menschheitsgeschichte in Holland. Ich denke, der Pokémon-Markt wird zu sehr gehypt und entpuppt sich als Blase, die jederzeit platzen könnte. Aber man muss auch zugeben – solche Hypes gab es auch früher schon. Und: Pokémon ist aus jedem Tief immer wieder stark zurückgekehrt.”
Zu den Kartenanbietern in der Stadthalle zählte auch Nils Dittmer aus Berlin-Zehlendorf. Er kaufte sogar selbst ausgemusterte Karten der Messegäste an: “Wahlweise sealed, also noch in der Originalverpackung. Oder als Raw, also als lose und ungegradete Einzelkarte, so, wie sie aus einem Booster kommt. Oder als Slab, gegradet und im Plastikgehäuse.”
Viele deutsche, englische und amerikanische Pokémon-Karten, die Nils Dittmer selbst zum Verkauf angeboten hatte, waren sehr selten und deswegen teuer. Sie kamen als Slab in einem robusten Plastik-Case daher und waren von der PSA bewertet: “Die PSA ist die führende Organisation auf der Welt, die Karten ganz genau bewerten kann. Auf einer Skala von 1 bis 10 wird dabei benotet, wie perfekt erhalten eine Karte ist. Je höher die Bewertung ausfällt, umso wertvoller wird die Karte. Die Bewertung der PSA ist in der Szene anerkannt. Allerdings muss man seine Karten dafür in die USA schicken. Nächstes Jahr möchte die PSA aber endlich auch ein Zentrum in Deutschland eröffnen.”
Josi Reimann war extra aus Berlin-Steglitz angereist, um einzelne ihr noch fehlende Pokémon-Karten und einen kompletten Karton mit One-Piece-Boostern einzukaufen. Sie zeigte sich sehr begeistert von der neuen Messe: “Hier waren noch deutlich mehr Nerds, also echte Fans unterwegs als in Berlin. Denen geht es noch um die Community, um das Tauschen und um die Begeisterung über das Sammeln. Das Geld stand nicht an erster Stelle. Auch die Händler haben sehr faire Preise aufgerufen, da sind die Messen in Berlin viel teurer. Toll fand ich, dass so viele Kinder vor Ort waren. Die hatten sehr viel Spaß.”
Alexander Vujanov war am Ende fix und fertig: “Es war sehr anstrengend. Es hat sich aber gelohnt. Wir haben sehr viel Lob bekommen – und werden nächstes Jahr gern zu einer Wiederholung ansetzen. Mir persönlich hat es am meisten gefallen, so viele glückliche Kinder zu sehen, die ihren Schätzen nachgejagt sind und sich gegenseitig immer wieder angefeuert und unterstützt haben. Es haben sich auch viele erwachsene Sammler und Spieler die Zeit genommen, um der nächsten Generation zu zeigen, wie das alles funktioniert.”
Aber nicht allein die kleinen bunt bedruckten Karten standen im Vordergrund. Es gab auch ein mehr als buntes Rahmenprogramm.
Holger Kohl aus Falkensee hatte ein großes Fotosetting aufgebaut, um die bunt kostümierten Cosplayer professionell abzulichten. Blackjack Tattoo aus Hennigsdorf half den Besuchern dabei, beliebte Motive aus der Welt der Mangas und Animes direkt auf die Haut zu bringen. Die deutsche Synchronsprecherin Giuliana Jakobeit (spricht u.a. Keira Knightley) war vor Ort und gab Autogramme – und wurde überraschend von Sven Plate unterstützt, der deutschen Stimme von Bugs Bunny und Will Wheaton aus Star Trek und Big Bang Theory. Das Mellin Quartett sorgte für Live-Musik und Makkuro Cosplay richtete einen Wettbewerb um die beste Kostümierung auf der Bühne aus.
Im Foyer zeigte Dennis Zarnowski aus Falkensee seine Kunst. Er modellierte zum Erstaunen der Besucher live einen riesigen Pokémon aus Plastilin – und das in der Größe eines Schäferhundes: “Das ist Turtok, ein entwickelter Wasser-Pokémon der ersten Generation, der aus zwei Kanonen auf dem Rücken mit Wasser schießen kann.”
Dennis Zarnowski modelliert seit zwanzig Jahren, seit knapp 13 Jahren sogar hauptberuflich: “Ich kümmere mich um den Urmodellbau. Ich modelliere sozusagen den Prototyp, der anschließend industriell vervielfältigt wird. Ich habe lange Jahre Miniaturen für Brettspielfirmen angefertigt. Meine Augen sind heute aber leider nicht mehr so gut wie früher, ich erkenne die Details nicht mehr. Deswegen arbeite ich inzwischen häufiger an Modellen in einem größeren Maßstab. Das Pokémon-Modell ist nur für die Show da, es soll gar nicht verkauft werden. Es ist ja schön, sich als Falkenseer mit seiner Arbeit am Heimatort präsentieren zu können.”
Zurück in die Welt der Karten ging es noch einmal mit Malte Kanto von Kanto Trading aus Waren an der Müritz. Er hatte eine Kartenversteigerung auf der großen Bühne organisiert. Und freute sich sehr über das starke Echo aus der anwesenden Community: “Wir haben 19 Pokémon-Karten angeboten, die zum Teil für dreistellige Summen versteigert wurden. Die Leute im Publikum hatten richtig Ahnung von den Karten – und haben gut mitgeboten. Einige Karten gingen letztlich noch unter Wert über den Tisch, aber das ist auch total in Ordnung so. Es ging um den Spaß und die Show und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. In der Kartenszene erleben wir gerade wieder einen richtigen Hype, das Ding geht durch die Decke.”
Auch ein krasser Fakt aus der Nerd-Welt: Malte Kanto betreibt eine eigene “Safe Community” auf WhatsApp: “Hier treffen sich online etwa 300 Sammler aus dem Gebiet zwischen Rostock und Berlin, die in einer geschützten Umgebung Karten tauschen möchten. Aus dieser Community heraus wurde die Versteigerung in Falkensee organisiert.”
Für Alexander Vujanov war die Organisation der ersten “Trade & Play Convention” ein großes finanzielles Risiko. Er wusste ja im Vorfeld nicht, wie gut sie angenommen wird: “Am Ende war es ein voller Erfolg, auch für alle Beteiligten. Es kamen sogar Besucher aus Mainz, Kiel und Mannheim, die extra wegen der Veranstaltung ins Havelland gereist sind.”
Für einen Besucher eröffneten sich in der Stadthalle übrigens komplett neue Welten. Bürgermeister Heiko Richter gab nach der feierlichen Eröffnung der Messe mit Alexander Vujanov unumwunden zu: “Also dieser ganze Kosmos der Pokémon-Karten ist an mir völlig vorbeigezogen. Das erlebe ich hier nun in dieser geballten Präsenz tatsächlich zum allerersten Mal. Ich staune.”
Angesichts der vielen kostümierten Cosplayer mit ihren gefährlich anmutenden Äxten, Schwertern und langen Stäben, mit ihren im Dunkeln glühenden Augen, den überlangen Fingernägeln und diversen spitzen Hörnern auf dem Kopf muss man am Ende aber auch zugeben: Selten zeigte sich eine Veranstaltung so friedlich wie diese. Völlig fremde Leute aus ganz Deutschland frönten gemeinsam ihrem Hobby, kamen immer wieder ins Gespräch und fachsimpelten um die Wette.
Sammler Gero Franziski: “In der Szene steckt eben auch ganz viel Herz.”
Es gab vor Ort auch ordentlich etwas zu schmunzeln. Ein Papa half so etwa mit ein paar Euro seinem sechsjährigen Sohn dabei, seinen Schatz an Pokémon-Karten zu vergrößern. Dabei hielten sich die Kosten im Rahmen: “Dem Kleinen ist es nur wichtig, dass die Karten schön bunt sind.” (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 237 (12/2025).
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