Falkenseer Stadtbibliothek: Juliane Manthei möchte gern eine Saatgut-Bibliothek einrichten!
In einer Stadtbibliothek kann man sich Bücher ausleihen, also Romane, Sachbücher und gerne auch Comics. Längst hat man sich auch daran gewöhnt, dass sogar Computerspiele, Kinofilme und Hörbücher zum Bestand einer Bibliothek gehören. Aber wie sieht das mit Saatgut für den eigenen Garten aus? Das würde man doch nicht in einer Bibliothek erwarten, oder? Und doch möchte Juliane Manthei genau das in Falkensee etablieren. Im Frühjahr geht es los.
Juliane Manthei (39) gehört seit März zum Team der Falkenseer Stadtbibliothek (www.stadtbibliothek-falkensee.de) – hier ist sie nun die stellvertretende Leiterin.
Nun möchte sie gern ein erstes Projekt initiieren – und das soll die Saatgut-Bibliothek sein. Juliane Manthei: „Das Konzept einer Saatgut-Bibliothek ist ja nicht neu. Das gibt es schon länger und ich habe die Umsetzung der Idee in verschiedenen Bibliotheken kennenlernen dürfen. Als ich in Falkensee angefangen habe, dachte ich, das wäre doch etwas für die Gartenstadt. Viele Hausbesitzer haben ja große, wunderschöne Gärten. Ich habe mich dann an die AG Umwelt der Lokalen Agenda 21 gewandt. Da bin ich auf offene Ohren gestoßen. Das wird ein Gemeinschaftsprojekt, das wir zusammen angehen wollen.“
Eine Saatgut-Bibliothek gehört zum Konzept „Bibliothek der Dinge“. In anderen Bibliotheken kann man ja auch Musikinstrumente, Werkzeuge oder Computer-Konsolen ausleihen. Dinge eben. Und was sind Samenkörner von Pflanzen anderes als – Dinge?
Juliane Manthei: „Das Saatgut, das man bei den Discountern einkaufen kann, das sind meist F1-Hybriden. Das bedeutet, dass man das Saatgut jedes Jahr neu einkaufen muss, weil man es nicht aus der Pflanze selbst gewinnen kann. Eine Saatgut-Bibliothek geht einen anderen Weg. Wir möchten samenfestes Saatgut ausgeben. Da geht es im ersten Schritt um Nutzpflanzen, die essbares Gemüse hervorbringen. Hier setzen wir auf alte und regionale Sorten, deren Samen wir zunächst von verschiedenen Anbietern einkaufen werden. Dafür haben wir einen gewissen Geldbetrag eingeplant. Wir denken da an Tomaten, an Bohnen, an Salat, an Mais oder an Radieschen. Auch Kräuter und Heilpflanzen können wir uns vorstellen. Verzichten werden wir allerdings auf Kürbisgewächse, Zucchini und Gurken. Da kann es leicht zu Einkreuzungen kommen, bei denen sich gesundheitsgefährdende Bitterstoffe bilden.“
Das Konzept der Saatgut-Bibliotheken kommt aus den USA. Dort wollte man um die Jahrtausendwende damit beginnen, alte Pflanzensorten wieder zu fördern und zugleich die Aussaat von genmanipulierten Pflanzen einzudämmen.
Die Saatgut-Bibliothek in Falkensee arbeitet gemeinnützig. Juliane Manthei: „Das Saatgut kann man ausleihen wie ein Buch. Wir erwarten nur, dass uns die Falkenseer ein Jahr später neue Samen aus ihren selbstgezogenen Pflanzen zurückbringen. Wichtig ist: Es darf kein kommerzielles Interesse bestehen. Das Saatgut darf nicht weiterverkauft werden. Auch das aufgezogene Gemüse darf nicht verkauft werden, etwa auf einem Markt.“
Das Team muss nun schauen, wie die Details ab Februar 2026 umgesetzt werden, wenn die neue Pflanzsaison startet. Juliane Manthei: „Entweder machen wir einen Barcode auf die Tüten und verleihen das richtig mit dem Bibliotheksausweis. Oder wir geben das Saatgut auf Vertrauensbasis aus. Das wäre mir am liebsten.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 236 (11/2025).
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