Kino-Filmkritik: The Long Walk
1979 stand Stephen King noch am Anfang seiner Karriere. Und er schrieb schon damals deutlich mehr, als ihm sein Verlag nach „Carrie“ (’74) und „Brennen muss Salem“ (’75) abnehmen wollte. So kam er auf eine verwegene Idee: Er erweckte sein Alter Ego Richard Bachman zum Leben und schaffte es, unerkannt unter Pseudonym mehrere Romane zu veröffentlichen.
Das waren harte, geradlinige und recht brutale Werke, die schnell eine eigene Fangemeinde fanden. Fünf Bachman-Romane sind erschienen, bevor das Pseudonym aufflog. „The Running Man“ wurde bereits 1987 mit Arnold Schwarzenegger verfilmt, nun ist „The Long Walk“ an der Reihe.
Regisseur Francis Lawrence („Die Tribute von Panem“) inszeniert die düstere Dystopie ganz im Bachman-Stil schnörkellos, erschreckend und mit blassen Bildern ohne viel Farbe.
In einer zukünftigen Welt hat der Bürgerkrieg Amerika in die wirtschaftliche Armut getrieben. Der Major (Mark Hamill) herrscht gnadenlos und mit militärischer Härte. Es gibt für alle jungen Männer nur eine Chance, um der allgegenwärtigen Armut zu entgehen – sie machen beim „Long Walk“ mit. Dieser Todesmarsch führt – übertragen im Fernsehen – über Stock und Stein, durch kleine Orte und durch das Niemandsland dazwischen. Wer die Straße verlässt, wird erschossen. Wer stehenbleibt, wird erschossen. Wer drei Mal wegen zu langsamer Ganggeschwindigkeit verwarnt wurde, wird erschossen. Am Ende kann nur einer unermesslichen Reichtum und einen freien Wunsch gewinnen – wer das Zu-Fuß-Massaker als einziger überlebt.
Zunächst einmal. In der Nazi-Zeit hat es in Deutschland echte Todesmärsche gegeben. Gerade hierzulande ist es sehr befremdlich, dieses düstere Kapitel der eigenen Vergangenheit als „Unterhaltung“ auf der Leinwand zu sehen.
Dann, rein analytisch gesehen: Der Film konzentriert sich komplett auf den Marsch. Es gibt keine Vorgeschichte, kein Überblenden in die Wohnzimmer der Zuschauer und erst Recht kein Vorführen der Not der Bevölkerung. Das sorgt dafür, dass sich der Zuschauer immer wieder fragt: Warum um Himmels Willen melden sich denn die ganzen Jungen Leute freiwillig für diesen Irrsinn, den sie kaum überleben können?
Der ganze Film besteht im Grunde genommen aus drei, vier Handvoll Schauspielern, einer Straße und drei gepanzerten Fahrzeugen. Der Film dürfte also nicht viel Geld gekostet haben. Da die Todesszenen detailliert gezeigt werden, dürfte ein Großteil der Dollar für Maske und Effekte draufgegangen sein. Trotzdem fühlt sich „The Long Walk“ aufgrund der reduzierten Kammerspiel-Optik an wie ein klassischer B-Movie.
Sehr gut ist allerdings: Die jungen Läufer sind sehr gut charakterisiert und führen erstaunliche und interessante Gespräche. Jeder Läufer wächst dem Zuschauer schnell ans Herz, umso schmerzhafter ist es, wenn sie alle nacheinander ins Gras beißen. Die Schauspieler, allesamt noch am Anfang ihrer Karriere und dem großen Zuschauerfeld völlig unbekannt, legen eine erstaunliche Performance hin.
Vor allem die beiden Hauptpersonen Raymond Garraty als #47 (gespielt von Cooper Hoffman) und Peter McVries als #23 (David Jonsson) werden so zu den Sympathieträgern des Films. Der unausweichliche Fakt, dass einer der beiden den Film nicht überleben wird, macht „The Long Walk“ noch unerbittlicher. (CS / Bilder: LEONINE Studios)
Fazit: 3 von 5 Sternen (FSK: k.A.)
Spieldauer: 108 Minuten
Trailer: https://www.youtube.com/watch?v=DnpyQSiBPjU
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 235 (10/2025).
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