32. Ketziner Fischerfest – Wenn die Stadt im Fahnenmeer versinkt!
Am dritten Augustwochenende herrscht in Ketzin/Havel immer der Ausnahmezustand – und zwar im allerbesten Sinn, denn es wird das Ketziner Fischerfest gefeiert. Die Straßen und Plätze verwandeln sich für ein verlängertes Wochenende in ein buntes Fahnenmeer, es riecht nach frisch gebratenem Fisch, und Musik erklingt bis tief in die Nacht. Das Fischerfest lockt seit Generationen Einheimische und Gäste an die Havel – und auch in diesem Jahr wurde vom 15. bis 17. August wieder ordentlich gefeiert. Erstmals kümmerte sich die Cottbus Brauhaus GmbH Fürst Pückler-Muskau um die Organisation.
Die Wurzeln des Ketziner Fischerfestes reichen weit zurück in die Vergangenheit. Bereits im 19. Jahrhundert war es Tradition, dass die Fischer an besonderen Tagen früh am Morgen ihre Kähne schmückten – mit Blumen, Girlanden und Kränzen – und hinaus auf die Havel fuhren. Auf dem ersten Boot waren die Musiker zu finden, die den Fang musikalisch begleiteten. Mittags kehrten die Fischer zurück, wo die Ketziner sie bereits erwarteten. Später zog man weiter zum „Wrönherrn“ und stieß gemeinsam auf den Tag an.
Ende des 19. Jahrhunderts erlosch diese Tradition – und erst 1939, nach rund 50 Jahren Pause, wagte man einen Neustart. Damals kamen rund 5.000 Besucher zum Fischerfest. Doch nur elf Tage später brach der Zweite Weltkrieg aus, und das Fest verstummte erneut. Erst 1963 wurde wieder gefeiert, wenn auch mit den Einschränkungen der deutsch-deutschen Teilung. Ab den 70er Jahren fand das Fest dann im Dreijahresrhythmus statt – bis es nach der Wende zum festen Termin im Veranstaltungskalender von Ketzin wurde.
Die Fischergilden verschwanden mit den Jahren, und auch die Finanzierung des Fischerfestes war nicht immer gesichert. 2004 entschied sich die Stadt deswegen, professionelle Veranstalter einzubinden. Seitdem wird das Fischerfest, abgesehen von der Corona-Pause, wieder in jedem Jahr gefeiert. Mit einer Ausnahme. Im letzten Jahr 2024 konnte leider kein Veranstalter gefunden werden, der sich um die Organisation kümmern wollte, sodass das Fest erneut ausfallen musste.
In diesem Jahr sprang erstmals die Cottbusser Brauhaus GmbH Fürst Pückler-Muskau in die Bresche. Ketzins Bürgermeisterin Katrin Mußhoff: „Die Stadt hat das Ketziner Fischerfest ausgeschrieben, und die Cottbusser Brauhaus GmbH Fürst Pückler-Muskau konnte uns mit ihrem schlüssigen Konzept sofort überzeugen. Schon während der Vorbereitungsphase gestaltete sich die Zusammenarbeit äußerst professionell und partnerschaftlich.“
In Ketzin ist das Fischerfest mehr als nur ein Volksfest – es ist ein Stück gelebte Geschichte. Für den Ort ist das Fest ganz besonders wichtig. Warum das so ist, weiß Bürgermeisterin Katrin Mußhoff: „Mit dem Fischerfest feiern wir ein Stück Identität unserer Stadt. Es erinnert an unsere jahrhundertealte Fischereigeschichte, die bereits 1738 mit der Gründung der Ketziner Fischergilde begann, und an unsere enge Verbundenheit mit der Havel und dem Trebelsee. Das Fest ist ein wichtiger Treffpunkt für Bürgerinnen und Bürger, bietet Vereinen, Institutionen und Unternehmen die Möglichkeit, sich zu präsentieren, und lädt Gäste aus nah und fern dazu ein, unseren Ort Ketzin/Havel und das historische Fischerviertel zu entdecken. Vor allem aber feiern wir gemeinsam, genießen das Miteinander und die Freude an unserer Stadt. Mit Ausnahme einiger Unterbrechungen findet das Fischerfest seit vielen Jahren immer fest am dritten Augustwochenende statt.“
Wie kann man sich das Ketziner Fischerfest (www.fischerfest-ketzin.de) vorstellen?
Das Spektakel begann am Freitagabend zunächst mit der feierlichen Eröffnung durch die Bürgermeisterin. Auf der Festbühne sorgten bekannte Künstler für Stimmung, Fahrgeschäfte wie das 30 Meter hohe Riesenrad „Wheel of Circus“, eine Familienachterbahn oder das beliebte „Breakdance“ lockten auf dem Festgelände mit Nervenkitzel, Essensstände auf dem internationalen Streetfood-Markt stillten den Hunger, und außerdem zog der Mittelaltermarkt Neugierige in seinen Bann.
Bereits eine halbe Stunde vor der Eröffnung stimmte das Ketziner Blasorchester die Besucher auf die Festtage und die bevorstehende Krönung der Fischerkönigin ein. Bereits seit den Mittagsstunden belebten unter anderem Steve Reeves und die The Bally Brigade die Themenbühnen. Die Band Baeritone eroberte ab 20 Uhr die Bühne und lieferte Partyhits mit wummerndem Bass.
Apropos Fischerkönigin. Die bisherige Ketziner Fischerkönigin Aurora Melich ließ es sich nicht nehmen, sich auf der Bühne für die vielen positiven Erfahrungen während ihrer Tätigkeit zu bedanken und ihrer Nachfolgerin alles Gute zu wünschen.
Die neue Fischerkönigin ist ab sofort Joane Brömme (18). Sie sagte bei ihrer Krönung mit Diadem und Schärpe: „Heute geht für mich ein großer Herzenswunsch in Erfüllung. Schon als kleines Mädchen habe ich die Frauen in den schicken Kleidern angeschaut und mitgefiebert, wer wohl das Amt bekommt. Ketzin/Havel ist mein Zuhause. Eine Stadt voller Geschichte, Tradition und Lebensfreude. Ich bin stolz, diese Stadt als Fischerkönigin vertreten zu dürfen. Ich freue mich auf die Erfahrungen, die ich sammeln darf und die Eindrücke, die ich mit nach Hause nehme.“
Die Fischerkönigin wird die Stadt Ketzin/Havel auf vielen öffentlichkeitswirksamen Veranstaltungen wie etwa der Grünen Woche in Berlin repräsentieren. Sie ist für den Ort so wichtig, dass sie sich in das Ehrenbuch der Stadt eintragen darf. Außerdem erhält ihr Foto einen Ehrenplatz in der Galerie der Fischerköniginnen.
Nach dem einen Jahr Pause gab es durchaus einige Neuerungen, die auf die Besucher warteten. Bürgermeisterin Katrin Mußhoff: „In diesem Jahr gibt es gleich mehrere Neuerungen. Zum einen konnten wir – wie schon erwähnt – eine neue Veranstalterin für unser Fischerfest gewinnen, die frischen Schwung und neue Ideen mitbringt. Nach zwei Jahren Pause wurde außerdem wieder eine neue Fischerkönigin gekürt – eine Tradition, die viele Gäste besonders schätzen. Und nicht zuletzt wurde ein Pfandbechersystem eingeführt, das zu mehr Sauberkeit auf dem Festgelände beitragen und insgesamt für mehr Nachhaltigkeit sorgen soll. Das Fischerfest ist jedes Jahr ein echter Besuchermagnet mit mehreren tausend Gästen. Wir sind froh, dass wir an dem besagten August-Wochenende auch so gutes Wetter hatten.“
Am Samstag ging es mit dem Programm weiter. Ein echter Höhepunkt war dabei das Kutterrudern, bei dem Teams aus den Vereinen und den städtischen Einrichtungen gegeneinander antraten. Das Kutterrudern hatte der Seesportclub organisiert: 13 Teams gingen an den Start.
Am Nachmittag präsentieren außerdem die Berufsfischer aus der Region ihren Fang – fast wie vor hundert Jahren. Dabei wurde auch der Fisch des Jahres gekürt – das ist nun der Europäische Aal.
Am Sonntag schließlich füllte sich die Stadt mit vielen verkleideten Bewohnern, denn der traditionelle Festumzug durch die Straßen der Altstadt stand an. Um 11 Uhr ging es los. Begleitet von Blasmusik zogen die bunt dekorierten Wagen an den Zuschauern vorbei. Birgit Bär hatte den fröhlichen Umzug organisiert, der in diesem Jahr unter dem Motto „Ketzin einfach fabulös“ stand.
Ein weiterer Höhepunkt war der traditionelle Fischzug, bei dem der Fischer Lutz Schröder mit seinen tapferen Helfern allen Gästen einen Einblick in ihre Arbeit gewährte. Bei der sich anschließenden Fischversteigerung sorgte Moderator Udo Feist für Unterhaltung.
Was war wohl das persönliche Highlight der Bürgermeisterin auf dem Fest? Katrin Mußhoff: „Ein einzelnes Highlight kann ich gar nicht nennen – es sind die vielen besonderen Momente, die das Fischerfest ausmachen: die Krönung unserer neuen Fischerkönigin, der traditionelle Fischzug, der bunte Festumzug, das tolle Riesenrad, das abwechslungsreiche Bühnenprogramm, der Streetfood-Markt und natürlich das spektakuläre Feuerwerk, das am Abend zu sehen war. Zusammen ergibt das eine einzigartige Mischung aus Tradition, Spaß und guter Laune – genau das macht unser Fest so besonders.“
Viele Bürgermeister aus der Nachbarschaft schauten ebenfalls gern vorbei, so auch Bodo Oehme aus Schönwalde-Glien: „Solche Traditionsveranstaltungen gehören einfach zum Leben in den Städten und Gemeinden mit dazu. Sie bringen die Menschen zusammen und zeigen, wie wichtig das gemeinsame Feiern und die Geselligkeit sind.“ (Text: Sandy Kolbuch, Patrick Hückstädt, cs / Fotos: Sandy Kolbuch)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 234 (9/2025).
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