„An der Fähre“ in Ketzin: Die märkische Küche mit direktem Blick auf die Havel!
Wer von Ketzin nach Schmergow gelangen möchte, nutzt die Autofähre „Charlotte“, um über die Havel zu gelangen. Genau hier ist auch das Ausflugslokal „An der Fähre“ zu finden. Vor Ort sitzt man bei schönem Wetter auf der Terrasse im Freien und genießt den Blick auf die Havel. Aufgetischt wird eine märkische Küche mit schlesischen Einschlägen. Große Portionen, faire Preise und leckere Gerichte laden zum Schlemmen ein. (ANZEIGE)
Oft kommt im Havelland die Frage auf: Wo kann man denn noch richtig schön essen gehen? Gesucht wird eine Gastronomie, die nicht direkt an der Straße liegt, die einen atmosphärischen Charme mitbringt, die eine gutbürgerlich deutsche Küche auf den Teller bringt und wo man satt wird, ohne gleichzeitig arm zu werden.
An dieser Stelle wird gern geflüstert: „Kennst du das Restaurant an der Fähre, das in Ketzin direkt an der Havel liegt?“
Zurzeit ist es leider nicht mehr ganz so leicht, zur Fähre „Charlotte“ zu gelangen, die Fußgänger, Fahrradfahrer und Autofahrer von Ketzin aus über die Havel bringt, damit der Weg ins vier Kilometer nahe Schmergow möglich wird. Eine große Baustelle blockiert die Straße direkt am „Redo XXL“, die zur Fähre führt. Eine Umleitung ist zum Glück ausgeschildert, sie führt aber mitten durch die Ketziner Nachbarschaft und über Stock und Stein zum Fähranleger.
Vor Ort gibt es einen großen Parkplatz, auf dem die Gäste für die Gastronomie gern ihr Auto abstellen können. Von hier sind es nur noch ein paar Schritte in die etwas versteckt gelegene Restauration mit dem Namen „An der Fähre“. Im Café und Restaurant gibt es einen Gastraum für etwa 65 Personen, einen Wintergarten für Feiern aller Art für 30 Leute und dann noch die Terrasse im Freien, die es bis zu 100 Besuchern erlaubt, direkt vom Tisch aus auf die vorbeifließende Havel zu blicken und den Fährbetrieb im Auge zu behalten.
Das Restaurant „An der Fähre“ wird heute von Jana Zeine und ihrem Bruder Sascha betrieben. Olaf Wiechert (56) ist der Mann von Jana Zeine. Er beschreibt sich selbst als „Mädchen für alles“ im Restaurant. Und beweist sich sogleich als kundiger Historiker: „1927 begann vor Ort alles mit einer Erfrischungshalle, 1928 kam eine Wassertankstelle dazu. Damals wurde in Ketzin nämlich viel Ton abgebaut. Es gab viele Ziegeleien, die ihre Produkte auf dem Wasserweg nach Berlin brachten. Nach dem Krieg wurden die ganzen Klinker in die Hauptstadt gefahren, um so beim Wiederaufbau eingesetzt zu werden. Später ist nur noch ein Imbiss geblieben. Hier wurde die eine oder andere Bockwurst verkauft, auch Bier wurde ausgeschenkt. Zeitweise war zu DDR-Zeiten auch eine Sporthalle mit im Gebäude zu finden, da blieb für die Gastronomie nur der rechte Teil mit der Terrasse und einer Verkaufsluke.“
1983 hat der Schwiegervater von Olaf Wiechert das Gelände übernommen. Das ging gut bis kurz vor der Wende, da gab es plötzlich kein Bier mehr aus Potsdam. Olaf Wiechert: „Da hat er den Laden kurzerhand zugeschlossen. Meine Schwiegermutter hat nach der Wende ihre Arbeit als Lehrerin in der Schule aufgegeben, um die Gaststätte zu dem umzubauen, was sie heute ist. Alles ist etwas schicker und größer geworden. 1995 ist sie gestorben. Da hat meine Frau Jana übernommen, später ist ihr Bruder mit eingestiegen. Seit dem Jahr 2000 bin auch ich mit dabei. Wir haben das Restaurant immer wieder modernisiert. Zuletzt ist vor sechs Jahren die Überdachung über der Terrasse mit Südausrichtung mit dazugekommen.“
Viele Stammgäste kommen gern, weil der Blick auf die Havel einfach einzigartig ist. Andere lieben das rustikale Essen, das aber wunderbar angerichtet auf dem Teller serviert wird – mit üppigen Portionen zu bezahlbaren Preisen. Die Gastronomen verorten sich selbst in der märkischen Küche. Die von Friedrich dem II. in Brandenburg kultivierte Kartoffel in all ihren Variationen spielt in der Küche eine große Rolle, ansonsten lässt man sich inspirieren von „Speisen, wie man sie zu Zeiten von Königin Luise kochte“. Auch die Küche der Einwanderer aus Schlesien, Böhmen, Ostpreußen, Mecklenburg und Vorpommern spiegelt sich auf der Karte wieder. Angesichts der Nähe zur Havel spielt Fisch eine große Rolle.
Auf der Karte finden sich viele leckere Speisen, so etwa eine Soljanka mit Zitrone und Sauerrahm, der Aal „Grün“, die Matjes Hausfrauen-Art, der „Fährmannsteller“, die Berliner Currywurst mit Landhaus Pommes oder aber der Fährhaus-Burger mit Fisch, Rindfleisch oder Hähnchen.
Früher gab es eine Saisonkarte, inzwischen wurde sie von einer Wochenkarte abgelöst. Hier entdeckt man temporär verfügbare Gerichte wie etwa die hausgemachte Eisbeinsülze mit Remoulade und Bratkartoffeln, die Schmorgurken Schlesischer Art, das gebratene Rotbarschfilet, die frisch geräucherte Forelle, Kohlrouladen, Königsberger Klopse oder aber den DDR-Klassiker Jägerschnitzel mit Spirelli, wobei als Schnitzel eine frisch panierte Jagdwurstscheibe zum Einsatz kommt.
Olaf Wiechert: „Wir kochen selbst vor Ort, auch wenn unsere Küche recht klein ist. Und wir verwenden leidenschaftlich gern Produkte aus unserer Region. In Schmergow hole ich etwa Kartoffeln und Gemüse. Unser Fleischer sitzt in Werder, da bekommen wir echtes Brandenburger Fleisch. Den Aal nehmen wir nur aus der Havel. Bei uns gibt es immer auch einen gewissen schlesischen Einschlag in der Küche, weil meine Verwandtschaft aus Schlesien kommt. Das ist oft auch auf der Wochenkarte zu bemerken, die schmeckt schon sehr süß-sauer – wie in Königsberg. Man denke da nur an die Körnigsberger Klopse, die liebt einfach jeder.“
Die absoluten Bestseller im Restaurant sind das Zander-Filet und das Schnitzel Wiener Art – die müssen bestimmt für immer auf der Karte bleiben. Olaf Wiechert: „Unsere dicken Steakhouse-Pommes sind sehr beliebt. Die Kunden lieben aber auch unsere hausgemachten Bratkartoffeln mit schöner Kruste, mit Zwiebeln und mit Speck.“
Wie sieht es mit den Preisen im Restaurant „An der Fähre“ aus? Olaf Wiechert: „Die Personalkosten sind gestiegen, die Preise für Obst und Gemüse auch. Wir können das bislang kompensieren und hoffen auf die Reduzierung der Mehrwertsteuer. Unsere Preise können wir also halten. Zurzeit bereitet uns die Baustelle direkt in unserer Zufahrt mehr Sorgen. Die Umleitung durch die Gärten der Nachbarschaft ist aber gut ausgeschildert und kein großer Umweg für unsere Gäste.“
Sobald es ein bisschen kühler wird, kommen die Ochsenbäckchen und der Rindergulasch wieder auf die Karte. Wie sieht es eigentlich mit der vegetarischen Küche aus?
Olaf Wiechert: „Die Nachfragen nach vegetarischen oder veganen Speisen nehmen zu, sie sind aber noch in der Minderheit. Wir sind hier im ländlichen Bereich und auf dem Dorf, da bestellen die meisten Gäste doch ein deftiges Schnitzel mit Bratkartoffeln. Man findet auf unserer Karte aber auch unsere vegetarischen Spaghetti nach Art des Hauses und die Kürbis-Karotten-Rösti.“
Geöffnet hat das Restaurant mit Café täglich von 12 bis 21 Uhr. Olaf Wiechert: „Vor zwei Jahren mussten wir am Montag leider schließen, weil wir zu wenig Personal hatten. Das ist zum Glück vorbei. Wir haben jetzt wieder an jedem Tag geöffnet. Zu uns kommen viele Stammkunden. Bei Sonnenschein und schönem Wetter sind natürlich auch viele Ausflügler bei uns. Unser Haupttag ist der Sonntag, auch am Sonnabend ist viel los. Das hängt eben auch immer vom Wetter ab. Spannend ist, dass manche Gäste schon vor zwölf Uhr bei uns vor der Tür stehen, weil sie möglichst genau um die Mittagszeit essen wollen. Wir wissen, dass niemand gern lange auf sein Essen wartet und haben alle Vorgänge in der Küche deswegen so optimiert, dass jeder innerhalb einer halben Stunde sein Essen bekommt.“
Das Restaurant ist zugleich auch ein Café? Olaf Wichert: „Ja. Meine Frau backt jeden Tag einen frischen Kuchen. Viele Gäste kommen nur deswegen vorbei und genießen ihren Kuchen mit einem frisch aufgebrühten Kaffee.“ (Text/Fotos: CS)
Info: Restaurant & Café „An der Fähre“, An der Fähre 1, 14669 Ketzin, Tel.: 033233-80632, www.an-der-faehre.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 235 (10/2025).
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