Ein Komiker alter Schule: Bernd Stelter kommt nach Falkensee in die Stadthalle!
Bernd Stelter ist 64 Jahre alt, stammt aus Unna und ist gefühlt schon immer als Kabarettist, Musiker und Moderator auf den Fernsehern der Nation präsent. Er steht leidenschaftlich gern mit seinen selbst geschriebenen Programmen auf der Bühne, die Selbsterlebtes zum Thema haben – gut gewürzt mit etwas Tiefgang und feinem Humor. Am 19. Oktober ist Bernd Stelter zum allerersten Mal auf der Bühne der Falkenseer Stadthalle zu sehen. Carsten Scheibe von “Unser Havelland” sprach im Vorfeld mit dem Künstler.
Lieber Herr Stelter, ich bin Jahrgang `67 und in der “guten alten Fernsehzeit” großgeworden, also mit Moderatoren wie Rudi Carrell, Thomas Gottschalk und all den anderen. Die Show “7 Tage, 7 Köpfe”, bei der Sie ja auch mit dabei waren, habe ich geliebt. Sieben Köpfe schauten auf die Nachrichten der Woche zurück und ordneten sie durchaus schnippisch, witzig und zotig ein. Warum gibt es so etwas nicht mehr?
Bernd Stelter: “Wir hatten damals eine besondere Situation. Wir waren sieben Komiker mit sieben verschiedenen Arten von Humor. Wenn ich die Gags von Kalle gebracht hätte, und Gaby Köster die von mir, hätte es nicht geklappt. Ich glaube, so eine Truppe kriegt man heute nicht mehr zusammen.”
Die Sehgewohnheiten ändern sich. “Früher” haben viele Comedians, die damals noch Komiker hießen, immer auch gern zur Gitarre gegriffen, man denke an Otto und an Mike Krüger. Auch Sie sehen sich ja selbst als Liedermacher und Sänger. Im modernen Fernsehen gibt es das gesungene politische Statement inzwischen aber ebenso wenig wie den geträllerten Witz. Wie passt man sich an, wenn sich die Zeiten ändern?
Bernd Stelter: “Sie haben das richtige Wort angesprochen. Ich bin Komiker, ich bin kein Comedian. Ein Comedian rennt zwei Stunden lang über die Bühne und erzählt irgendwas, Hauptsache, es ist lustig. Das würde mir nicht reichen. Ich habe nichts gegen Klamauk, aber ein bisschen Tiefgang muss auch sein.”
Die modernen Helden von heute sind Internet-Streamer mit komischen Namen, die sich live beim “Leben” zuschauen lassen, und Content-Erzähler, die in wenigen Sekunden Fans auf Tik Tok oder Instagram mit ihren Videos zum Lachen bringen. Kommen Sie mit diesen modernen Sendeformen noch zurecht?
Bernd Stelter: “Nein, ich bin da auch nicht dabei. Ich brauche die Bühne, und ich möchte das Publikum vor mir sehen. Wenn man ein TikTok-Video hochlädt, bekommt man keinen Applaus. Den will ich aber.”
Sie gehen seit vielen Jahren mit ihren Comedyprogrammen auf Tournee. Ihre Programme tragen Namen wie “Geschichten aus der Vorstadt”, “Papa ist ’ne Knackwurst”, “Pubertät ist mehr als Pickel”, “Mundwinkel hoch”, “Wer heiratet, teilt sich die Sorgen, die er vorher nicht hatte” oder “Hurra! Ab Montag ist wieder Wochenende!”. Wie viel Stelter steckt in diesen Programmen?
Bernd Stelter: “Ich glaube, es gibt drei Eigenschaften, die ein Programm haben muss. Es muss relevant sein. Es muss um Themen gehen, die die Leute beschäftigen. Dazu braucht ein Programm Wärme. Ich möchte, dass sich die Leute im Publikum wohl fühlen. Lachen, schmunzeln, vielleicht mal ein Tränchen verdrücken. Aber entscheidend ist der dritte Punkt. Der Mensch auf der Bühne muss authentisch sein. Ich muss dem Mann auf der Bühne abnehmen, was er da sagt. Im neuen Programm geht es darum, dass wir uns nicht ständig aufregen sollen, und es geht ein bisschen ums Älterwerden. Also, es steckt ganz viel Stelter in den Programmen.”
Ich veröffentliche in unserem Landkreis-Magazin jeden Monat eine lustige Glosse. Die schrappt mitunter so nah an der Wirklichkeit vorbei, dass meine Frau sich nur ungern in der Glosse wiederfindet. Gibt es auch bei Ihnen Personen, die in Ihren Programmen vorkommen – und das gar nicht mögen?
Bernd Stelter: “Meine Frau kennt das Problem sicher auch. Aber sie hat mich geheiratet, da muss sie jetzt durch.”
Wie lange sitzen Sie an einem neuen Programm? Wie gehen Sie dabei vor? Trauern Sie nicht manchmal guten Texten nach, die zusammen mit einem abgelegten älteren Programm erst einmal in der Schublade verschwinden?
Bernd Stelter: “Ich spiele ein Programm immer drei Jahre lang. So lange brauche ich, um es quer durch Deutschland zu schieben. Wenn die Hälfte rum ist, so nach anderthalb Jahren, sammele ich Material für das nächste Programm. Das Schreiben dauert dann ein halbes Jahr, schätze ich. Ich hatte eben gesagt, dass ich auf der Bühne authentisch sein muss. Ich hatte ein Programm über die Pubertät meiner Kinder, ich hatte ein Programm über meine Wechseljahre. Wenn ich diese Stücke heute noch spielen würde, wäre das nicht authentisch. Nein, ich trauere den Stücken nicht nach. Manchmal setze ich mich Zuhause hin, trinke ein Glas Wein und höre eine alte Platte. Das macht Spaß.”
Wie gut können Sie ein Publikum lesen? Wann wissen Sie, dass Sie die Zuschauer „gekriegt“ haben?
Bernd Stelter: “Es ist eine Frage der Erfahrung. Ich stehe in diesem Jahr seit 37 Jahren auf der Bühne. Ich glaube, ich kenne mein Publikum. Nach der Einleitung und dem ersten Lied kann ich es einschätzen. Und dann muss man sich überlegen: Baue ich Leute mit ein, spreche ich langsamer, mache ich Pausen. Das alles gehört dazu.”
Wie ist es, in einer völlig neuen und noch unbekannten Stadt aufzutreten, wie das jetzt mit Falkensee der Fall ist?
Bernd Stelter: “Ich habe ja meine 10.000-Schritte-Regel. Ich mache überall meine Wandertour. In Falkensee bin ich noch nicht gewesen, darauf freue ich mich besonders. Ich habe mir eine kleine Rundtour am Falkenhagener See rausgesucht. Drücken Sie mir die Daumen, dass das Wetter hält.”
Es gibt so viele tolle Kollegen. Atze Schröder, Jürgen von der Lippe, Mike Krüger. Trifft man sich da auch einmal privat, gibt es echte Freundschaften?
Bernd Stelter: “Ich kenne Atze und Jürgen gut, das sind wunderbare Kollegen. Und mit Mike habe ich zehn Jahre lang jeden Freitag an einem Tisch gesessen. Auch zu Gaby Köster habe ich weiterhin einen tollen Kontakt.”
Am 19. Oktober kommt Bernd Stelter nach Falkensee – mit dem Programm “Reg dich nicht auf. Gibt nur Falten!” Worum geht es im neuen Programm? Und warum sollte man es auf keinen Fall verpassen?
Bernd Stelter: “Wir Deutschen regen uns über jeden Mist auf. Über die Politesse, über die Schlange im Supermarkt, über die Politik. Es würde uns so viel besser gehen, wenn wir ein bisschen gelassener wären. Die Niederländer sind viel gelassener als wir, die Schweden, erst recht die Australier. Ich gebe an dem Abend einige gute Tipps, wie man das hinkriegen kann. Und seien Sie ehrlich. Wenn man am Ende aus dem Saal geht und denkt, aber jetzt rege ich mich weniger auf, dann hat sich das Eintrittsgeld gelohnt.”
Otto zieht es im Winter nach Florida, Sie ziehen für zwei Monate in einen Wohnwagen auf der Halbinsel Walcheren an der niederländischen Nordseeküste. Männer, die auf das Meer schauen – wie wichtig ist so eine Auszeit?
Bernd Stelter: “Wenn ich am Meer stehe, barfuß im Sand, ich schaue auf den Horizont, dann merke ich, wie klein ich bin. Dann merke ich auch, wie klein die Sorgen und Probleme sind. Ich lasse mir den Wind durch’s Haar wehen und denke mir: ‘Reg Dich nicht auf. Gibt nur Falten’.”
Auf Ihrer Homepage www.berndstelter.de heißt es, dass gutes Essen eine weitere Leidenschaft ist. Kochen Sie selbst? Bernd Stelter: “Ich esse sehr gerne. Ich bin bei uns der Einkaufsbeauftragte. Ich fahre zu den Geschäften und Hofläden, aber meine Frau kocht so sensationell, dass ich ihr gerne die Küche überlasse.” (Foto: privat)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 235 (10/2025).
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