10. Ribbecker Birnenfest: Natalia die Erste ist die Birnenkönigin des Herrn von Ribbeck!
Wer am 28. September das 10. Birnenfest in Ribbeck besucht hat, tat gut daran, auch bei „Frau Wesche’s Waschhaus Café“ vorbeizuschauen. Im Garten gab es ein tolles Angebot rund um die hier so gern zelebrierte Birne. Vor Ort wurde aber auch Ribbecker Geschichte geschrieben. Friedrich-Carl von Ribbeck übergab die Alte Brennerei feierlich an seinen Sohn Janko, Marina Wesche rief die „Birnenmanufaktur im Havelland“ aus und mit Natalia der Ersten wurde die allererste Birnenkönigin des Herrn von Ribbeck gekürt!
Marina Wesche und ihr Waschhaus waren über viele Jahre hinweg eine echte Institution in Ribbeck. Im März 2023 vergrößerte sich Frau Wesche und zog mit ihrem Lebensgefährten Lukas-Ralf Ligmann alias „Lukas Mückenfett“ auf die andere Seite des Ribbecker Dorfangers, um in der Alten Brennerei „Frau Wesche’s Waschhaus Café“ zu eröffnen. Seitdem kann man ihre berühmten Birnen-Kuppeltorten in einem historischen Gebäude genießen.
Die Alte Brennerei gehört der Familie von Ribbeck, hier vor Ort werden weiterhin verschiedene Edelbrände und Birnenessige produziert und unter dem Namen derer von Ribbeck vermarktet.
Friedrich-Carl von Ribbeck ist ein direkter Nachfahre des „Herrn von Ribbeck auf Ribbeck im Havelland“, der so spendabel seine Birnen an kleine Kinder verschenkt hat und dessen segenspendende Hand sogar noch aus dem Grab heraus weiterwirkt. Er nutzte das 10. Birnenfest am 28. September, um vor zahlreichen Zuschauern und Gästen die Alte Brennerei und auch seine Produktion in die Hände der nächsten Generation zu übergeben – an seinen Sohn Janko: „Ich habe heute eine wichtige Aufgabe zu erledigen, nämlich den sogenannten Generationswechsel. Mein Sohn, heute trittst du in die Reihe derer ein, die vor uns waren und übernimmst das Erbe unseres Hauses. Unser Name soll Wert gewinnen, wenn er anderen zum Segen wird. Das hat der Theodor Fontane sehr trefflich in seinem Gedicht geschrieben. Darum, lieber Janko, denke daran, nicht das Haben macht uns groß, sondern das Geben. Darauf gründet sich die Würde des Hauses von Ribbeck.“
Janko von Ribbeck erinnerte sich, wie er vor 20 Jahren dabei geholfen hat, „wohl an die zehn Tonnen Schutt“ aus der damals nicht genutzten Alten Brennerei herauszutragen, um das Haus neu zu beleben: „Nach so vielen Jahren, in denen in der Brennerei nichts mehr los ist, ist sie jetzt wieder der ‚place to be‘ hier in Ribbeck.“
Die Übergabe des Besitzes mit all den dazugehörigen Traditionen an die nächste Generation wurde feierlich begangen. Wie könnte das an diesem Ort anders geschehen – als mit dem Pflanzen eines neuen jungen Birnenbaums? Janko von Ribbeck: „Möge die Birne, die ich pflanze, nicht nur meine, sondern Freude vieler Menschen sein. Und möge man einst von mir sagen, dass ich das Erbe treu bewahre, es mit meiner Kraft und auch der Kraft der Ahnen weiterführe und es dann auch wieder weitergebe, wenn es an der Zeit ist – und es in Sinn und Segen verwandle.“
Marina Wesche erzählte vor versammelter Gesellschaft, dass es gar nicht so einfach war, die passende Birnensorte für die Pflanzaktion zu finden: „Was war das eigentlich für ein Birnenbaum, den der Herr von Ribbeck im Gedicht mit ins Grab genommen hat? Laut eines Pomnologen soll es eine Melanchthonbirne gewesen sein. Das ist eine sogenannte Brandbirne. Das Problem ist: Wenn diese Birne reif wird, ist sie eigentlich auch gleich schon wieder überreif. Deswegen haben wir uns lieber für die gute alte Luise entschieden, die so schön leuchtet im Herbst, deren Obst wir aber auch verarbeiten können.“
Der neue Birnenbaum wurde nicht nur feierlich in die Erde gebracht, sondern auch gleich gegossen. Und zwar nicht nur mit einer ordentlichen Kanne Wasser, sondern auch mit einem Schluck Edelbrand aus dem Hause derer von Ribbeck.
Und es gab noch mehr Überraschungen. Hendrik Riedel von den Oldtimer Freunden Falkensee fuhr plötzlich mit seinem Durant Star Tourer aus dem Jahr 1923 vor. Das Verdeck war zurückgeklappt, sodass man eine junge Frau im Fond ausmachen konnte. Wer das wohl war? Schnell wurde klar: Das ist eine adlige Person. Es ist Natalia die Erste, die allererste Birnenkönigin des Herrn von Ribbeck.
Janko von Ribbeck steckte der jungen Birnenkönigin ihr funkelndes Diadem ins Haar und sagte dazu: „In feierlicher Stunde küren wir die Birnenkönigin des Hauses von Ribbeck . So wie die Birne Sinnbild unserer Familie ist, und für Heimat und für Fruchtbarkeit, für das Teilen und das Geben steht, so soll auch deine Krone ein Zeichen der Güte und der Beständigkeit sein und für die Würde des Namens von Ribbecks stehen. Deine Aufgabe sei es, die Früchte unseres Gartens und die Produkte unseres Hauses den Menschen näherzubringen, nicht nur als Ware, sondern als Botschaft.“
Die junge Birnenkönigin heißt mit vollem Namen Natalia Tarka. Sie ist 16 Jahre alt und arbeitet bereits seit zwei Jahren in Frau Wesches Café. Nicht minder salbungsvoll richtete sie erste Worte an ihr anwesendes Birnenvolk: „In Dankbarkeit nehme ich die Krone entgegen und mit ihr die Aufgabe, die mir das Haus von Ribbeck anvertraut. Die Birne soll mein Zeichen sein für Heimat, für Freude, für das Teilen. Ich verspreche, die Produkte und die Früchte des Hauses Ribbeck mit Stolz und mit Liebe zu den Menschen zu tragen. Möge jeder, der davon kostet, nicht nur den Geschmack der Frucht erleben, sondern auch die Geschichte und die Würde des Namens von Ribbeck. So will ich mit Wort und Tat, mit Herz und Stimme unser Erbe ehren und unseren Namen in die Welt hinaustragen.“
Im urig eingerichteten Waschhaus-Café von Marina Wesche gibt es nicht nur die Birnen-Kuppeltorten, sondern auch gern einen Birnen-Kaffee, einen Birnen-Glühwein oder ein warmes Birnen-Gulasch. Mit dem „Ribbecker Naschmarkt“ steht in der Alten Brennerei aber auch ein kleines Ladengeschäft bereit, in dem es alles rund um die Birne zu kaufen gibt – darunter auch die die Brände und den Birnenessig derer von Ribbeck sowie die Leckereien der Wesche-eigenen Marke „Ribbecker Birnenzauber“.
Dass Marina Wesche aber insgeheim an einem kleinen Birnenimperium arbeitet, zeigte sich beim 10. Birnenfest auch im Garten. Der „Markauer Met“ war mit vor Ort und präsentierte seinen mit Birne verfeinerten Honigmet. Florida Eis hatte ebenfalls einen Stand aufgebaut und gab ‚Frau Wesches Birneneis‘ aus, das exklusiv für Marina Wesche produziert wird.
Marina Wesche: „Wir haben uns gemeinsam vorgenommen, Hand in Hand zu arbeiten und die ‚Birnenmanufaktur im Havelland‘ zu werden. Die Manufaktur wollen wir hier an diesem Ort in Ribbeck ins Leben rufen, der so schön die Tradition mit dem Genuss und der Innovation verbindet.“ (Text/Fotos: CS)
Info: Frau Wesche’s Waschhaus Café, Am Birnbaum 11, 14641 Nauen, Tel.: 033237-85106, www.waschhaus-ribbeck.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 236 (11/2025).
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