Obstbau Lienert in Priort: Apfelernte für Selbstpflücker!
Nicht jeder hat in seinem Garten einen Apfelbaum zu stehen, der regelmäßig Früchte trägt. Die Alternative direkt in der Nachbarschaft: Sylvio Lienert hat in Priort zusammen mit seiner Frau Sylvia eine Obstplantage ins Leben gerufen, auf der jeder Besucher sich selbst das pflücken darf, was er gern verwerten möchte. Äpfel, Birnen, Pfirsiche, aber auch Gurken, Tomaten und Kürbisse: Frischer kann man kaum zu regionalem Obst und Gemüse kommen. Der „Obsthof Lienert“ ist aber auch ein beliebter Ausflugsort für Familien, Schulklassen und alle, die unbehandeltes Obst kennenlernen wollen.
Auf acht Hektar Fläche bauen Sylvio und Sylvia Lienert all das an, was wirklich lecker schmeckt. Da gibt es Kirschbäume und solche, die Äpfel, Birnen, Pflaumen und Pfirsiche tragen. Auch Tomaten und Kürbisse findet man auf den Feldern. In den Gewächshäusern wachsen Gurken heran.
Das ist eine echte Alternative zum Einkauf im Supermarkt: Wer den „Obsthof Lienert“ besucht, kann durch die Baumreihen streifen und selbst die Früchte vom Baum pflücken, die anschließend roh verspeist, zu Marmelade eingekocht, zu einem Saft vermostet oder aber in einem Kuchen verarbeitet werden.
Die einzelnen Früchte reifen unbehandelt an Stamm und Strauch. Hier in Priort dürfen sie in aller Ruhe solange reifen, bis der Geschmack voll entwickelt ist.
„Wir pflücken selbst nur das Obst und Gemüse, was wir vor Ort am eigenen Stand verkaufen möchten. Das gesamte übrige Obst und Gemüse bleibt am Baum und kann dann von unseren Besuchern geerntet werden“, erklärt Sylvio Lienert (63). Dass dabei nicht jeder Apfel perfekt aussieht, spielt keine Rolle. „Die Kunden lieben die alten geschmackvollen Sorten, die es so nicht im Supermarkt zu kaufen gibt, die dürfen ruhig auch einmal nicht ganz perfekt aussehen. Hauptsache, sie schmecken.“
1993 erwarb der gelernte Maurer ein Stück Brachland in Priort – zunächst nur als Hobby. Doch mit den Jahren kam Fläche um Fläche dazu. Heute sind es rund 80.000 Quadratmeter, die der Familienbetrieb bewirtschaftet. Ganz ohne großes Team: Nur Sylvio Lienert selbst, seine Frau Sylvia und gelegentlich eine Aushilfe kümmern sich um die Bäume, Sträucher und Beete. Die Plantage ist ökologisch ausgerichtet. Gespritzt wird nicht. Nur Schädlinge werden bedacht bekämpft – und auch nur dann, wenn es nicht anders geht. „Alles, was runterfällt, bleibt liegen und wird zu natürlichem Kompost“, so Sylvio Lienert.
Doch der Obstbau ist kein Selbstläufer. 2024 erlebte die Plantage einen heftigen Totalausfall. Ein starker Frost zur Unzeit im Frühjahr vernichtete die Ernte fast vollständig, weil die Blüten verdorrten. „Wir hatten ein Tomatenzelt und ein Gurkenzelt, das hat funktioniert – aber sonst war alles weg“, erinnert sich Sylvio Lienert. „In unserer großen Kirschplantage gab es nicht eine einzige Kirsche.“
Auch 2025 brachte Probleme mit sich: Sonnenbrand an Äpfeln, Pflaumenbäume ohne Ertrag und empfindliche Sorten, die unter der Witterung litten. Nur dank Feuerschalen in frostigen Frühlingsnächten konnten einige Pfirsiche gerettet werden.
Sylvio Lienert: „Jede Pflanze braucht Wasser, Sonne und Wind. Fehlt eines davon, sieht man es sofort.“
Dass die Verluste den Betrieb nicht vollständig aus der Bahn werfen, liegt am besonderen Konzept: Es fallen keine Erntekosten an und Zwischenhändler gibt es auch nicht. Die Kunden pflücken selbst und zahlen ihre Ernte direkt vor Ort. Fünf Kilo Obst kosten dabei nur zehn Euro.
Zudem ist Sylvio Lienert stolz auf sein zweites Standbein: Seit Dezember 1999 besitzt er noch eine Filmfirma, den Filmservice Lienert, der rund 50 Trailer umfasst. Vom Toilettenwagen bis hin zur Technik bietet er alles an, was für einen Dreh benötigt wird.
Besonders stolz ist Sylvio Lienert auf seine Apfelsorten. Während Supermärkte überwiegend moderne Züchtungen wie „Pink Lady“ anbieten, wachsen auf seiner Plantage noch alte Sorten wie „Holsteiner Cox“, „Jakob Fischer“ oder „Ingrid Marie“. Er sagt: „Die sind empfindlich und tragen nicht jedes Jahr – aber sie sind gefragt. Wer einmal so einen Apfel gegessen hat, weiß, warum. Unsere Äpfel müssen nicht piekfein sein. Sie sollen schmecken. Und das tun sie, weil sie hier so lange hängen, bis sie reif sind.“
Neben dem Pflück-doch-selbst-Konzept bietet sich die Plantage auch als Treffpunkt an. Familien, Schulklassen und Gruppen mit Menschen mit körperlichen oder geistigen Beeinträchtigungen sind vor Ort sehr willkommen. „Die Freude, die wir von den Menschen zurückbekommen, ist unbezahlbar“, sagt Sylvio Lienert.
Beliebt ist auch das kleine Café am Hof. Hier gibt es Streuselkuchen nach Familienrezept, Piroggen, polnische Wurstspezialitäten – und natürlich Kaffee, kühle Getränke oder Eis für die Kinder. Sylvia Lienert: „Wir backen hier natürlich mit den Früchten aus der Plantage. Die Leute schwärmen von unserem Kuchen – und das macht uns stolz.“
Wer Sylvio Lienert auf einer Runde durch die Plantage begleitet, merkt schnell: Er kennt jede Sorte und jeden Baum. Immer wieder kommen Kunden mit Fragen auf ihn zu: Warum trägt der eigene Apfelbaum daheim kaum Früchte? Wieso verfaulen Pflaumen schon am Ast? Lienert nimmt sich Zeit und gibt sein Wissen weiter. „Nicht jede Sorte eignet sich zum Einlagern oder Mosten“, erklärt er. „Bevor man einen Baum selbst anpflanzt, sollte man sich überlegen, was man mit der Ernte anfangen möchte.“
Die idyllische Plantage hat inzwischen sogar schon Fernsehteams angelockt. Formate wie „Hof zum Verlieben“ oder das Sat.1-Frühstücksfernsehen waren bereits vor Ort, auch im Hintergrund der Tagesschau war der Hof bereits zu sehen. Trotzdem ist die Plantage kein Massenbetrieb, sondern ein Ort mit familiärer Atmosphäre. Sylvio Lienert: „Am liebsten sind uns die Familien, die den ganzen Tag hier verbringen. Die Kinder rennen zwischen den Bäumen umher, die Eltern pflücken in Ruhe ihr Obst, danach gibt es Kuchen. Genau dafür machen wir das.“
Noch bis Ende Oktober können die Besucher pflücken, was an den Bäumen hängt. Dann geht der Hof in die Winterpause. Ab Ostern öffnen sich die Tore wieder – für alle, die Lust auf frisches Obst und Gemüse haben.
„Wir müssen nehmen, was kommt“, sagt Sylvio Lienert mit Blick auf das Wetter. „Wenn die Menschen hier Freude haben und entdecken, wie echtes Obst schmeckt, wissen wir, dass wir es richtig machen.“ (Text/Fotos: Sandy Kolbuch)
Info: Hofladen Lienert, Neue Chaussee, 14641 Wustermark, Tel.: 0170-8147079 oder 0160-97773235, www.hofladen-lienert.de
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 235 (10/2025).
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