Mit Ablasshandel: 14. Ackerbürgerfest in Nauen mit ganz viel Historie!
Nauen ist ein Ort mit Geschichte. Er wurde erstmals im Jahr 1186 urkundlich erwähnt, 1292 hat Nauen das Stadtrecht bekommen. 839 Jahre später feiert man in Nauen noch immer den eigenen Ursprung in der Landwirtschaft – mit dem Ackerbürgerfest. Bei der 14. Neuauflage am 20. September übte der Semnonenbund erneut den Schulterschluss mit dem Kulturbüro der Stadt Nauen. Herausgekommen ist ein erstaunlich vielseitiges Fest mit vielen historischen Reminiszenzen an die Vergangenheit.
Das Ackerbürgerfest in Nauen hat nur wenig mit einem klassischen Stadtfest zu tun, das überall in der Nation nahezu gleich ausfällt. In Nauen wird besonders intensiv der eigenen Historie gehuldigt – und das macht den Besuchern sehr viel Spaß.
Nachdem das Nauener Ackerbürgerfest nicht nur wegen Corona über mehrere Jahre hinweg ausfallen musste, haben nun der Semnonenbund und das Kulturbüro der Stadt Nauen gemeinsam das Zepter übernommen. Der Semnonenbund ist ein lokaler Verein, der intensiv daran arbeitet, mit „Gannahall“ (www.gannahall.de) ein historisches Semnonendorf aus der Eisenzeit mitten in Nauen wieder aufzubauen, um hier vor Ort das Leben der Menschen von damals im Selbstversuch zu erforschen.
Mitten auf dem Nauener Martin-Luther-Platz an der Sankt-Jacobi-Kirche erwachte beim Ackerbürgerfest ein Teil dieser Vergangenheit wieder zu neuem Leben. Die Semnonen boten ein Bogenschießen auf Strohballen an, befragten das Runen-Orakel für die Weissagung der Zukunft oder ließen die Besucher in mittelalterliche Rüstungen steigen.
Nauens Bürgermeister Manuel Meger: „Wir sind sehr froh, dass wir mit den Semnonenbund jemanden gefunden haben, der das Ackerbürgerfest wieder neu beleben kann. Das Ackerbürgerfest gehört einfach zu Nauen mit dazu. Und die historische Note tut dem Fest sehr gut.“
Es gab Gaukler und historische Musikusse. Eine belebte Mäusestadt mit Miniaturhäusern auf mehreren Etagen konnte bestaunt werden. Viele Besucher des Festes erschienen – einer Wunschansage vom Kulturbüro folgend – tatsächlich in alter Gewandung, sodass man wirklich das Gefühl bekommen konnte, auf einer Zeitreise in die Vergangenheit zu sein.
Für die Kinder gab es passend dazu Geschichten der Hexe Tabuba aus dem Zauberwald oder aber vom Märchenerzähler Steinkauz. Sie konnten auch mit einem Fragebogen in der Hand ein Ritterrätsel an den einzelnen Ständen lösen oder den Artisten vom Vaudeville-Circus zuschauen, die als Walking Acts unterwegs waren, aber auch eine bunt-schillernde Seifenblasen-Show zum Besten gaben.
Die Erwachsenen schlürften in der Zwischenzeit süffigen Gannahall-Met oder kauften sich verstohlen in der „Seelenapotheke“ für drei Taler einen ausgedruckten Ablassbrief – etwa für „einen göttlichen Ablass und die vollständige Vergebung ihrer sündhaften Wünsche nach Süßigkeiten und deren verteufelten Verzehr.“
Um 18 Uhr schloss sich der Nauener Nachtwächter der Feierlichkeiten an und nahm interessierte Havelländer mit auf eine lehrreiche Tour durch die Altstadt, um ihnen die Vergangenheit der Ackerbürgerstadt auf besonders einprägsame Weise näherzubringen. Wer weiß schließlich noch, dass die Bürger früher mit Löffeln Steinstaub aus der Kirchenmauer gekratzt haben, um das göttliche Pulver zur schnelleren Heilung kranken Kindern in den Brei zu mischen?
Nicht alle Angebote auf dem Fest zielten auf die Vergangenheit. So zeigten die Nauener Linedancer ihre Kunst auf der Bühne. Ludwig Leiermeier spielte Gassenhauer und Schunkelmusik. Die Nauener Heimatfreunde luden „Freiwillige“ zu einem Kartoffelschälwettbewerb ein. Die preußischen Mannen von Blechzauber traten mit bekannten Altberliner Liedern auf. Abends gab es eine sinnliche Feuershow mit Firesnake. Und DJ Tarzan legte bis Mitternacht Tanzmusik auf.
Jana Geisler vom Kulturbüro: „Wir haben für das Fest wirklich ein großes Programm zusammengestellt, dass unser Herold Olivarius sehr schön moderiert hat. Insbesondere für die Kinder haben wir uns sehr viel einfallen lassen. Unser Ritterrätsel, das man an den einzelnen Ständen lösen konnte, ist sehr lehrreich und bringt den Kindern etwas aus der Ritterzeit bei. Da konnten die Kinder im Anschluss Aufkleber und Magnete gewinnen.“
Klar wurde am 20. September aber auch: Das Fest findet eigentlich bereits zu spät statt. Jana Geisler: „Da kommen wir den ganzen Erntedankfesten ins Gehege. Da ist es für uns auch schwieriger, Aussteller und Stände zu gewinnen. Im nächsten Jahr rücken wir deswegen im Kalender nach vorn, da wird das Ackerbürgerfest bereits am 29. August stattfinden.“
Im Vorfeld hieß es in der Festwerbung: „Auf dass niemanden Hunger oder Durst leide, werden Gerstensaft, Honigwein, Gebackenes und Gebratenes feilgeboten.“
Vor Ort wurde in der Tat ausgiebig gegrillt und gekocht. Der Hofladen Neukammer, Manne’s Angelteich und Janny’s Eis aus Falkensee hatten Stände mit Leckereien aufgebaut. Und André Dueck vom Nauener Gewölbe (www.das-gewoelbe.com) machte auf seine unterirdischen Gewölberäume von 1760 aufmerksam, in denen regelmäßig Whisky- und Rum-Tastings sowie Weinverkostungen stattfinden. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 235 (10/2025).
Kennen Sie schon unsere Gratis-App?
Apple – https://unserhavelland.de/appapple
Android – https://unserhavelland.de/appandroid
Anzeige





























