Frustrierende Absage an Künstler-Duo: Der „leuchtende Falke“ darf nicht in den Falkenseer Kreisverkehr an der Spandauer Straße!
Die Spandauer Straße gehört zu den meistbefahrenen Straßen in Falkensee. Gleichzeitig ist sie von Spandau aus kommend das Einfallstor in die Gartenstadt. Für Unmut sorgt seit der Errichtung der Kreisverkehr an der Spandauer Straße schräg gegenüber vom Hellweg Baumarkt. Die Falkenseer schimpfen, dass er einen äußerst lieblosen und ungepflegten Eindruck macht. Ein Gestaltungswettbewerb, 2019 ausgelobt, hat Markus Kohn und Simone Elsing den Zuschlag erteilt: Ihre 14 Meter hohe Kunstinstallation „Der leuchtende Falke“ sollte auf dem Kreisverkehr aufgestellt werden. Nun, sechs Jahre später, verweigert der Landesbetrieb Straßenwesen die Umsetzung.
Die Stadtverordnetenversammlung von Falkensee hat sich bereits Ende 2019 für die Errichtung eines ganz besonderen Kunstwerks auf der Mittelinsel des Kreisverkehrs an der Spandauer Straße ausgesprochen. Der „leuchtende Falke“ vom Falkenseer Künstler Markus Kohn und der Berliner Bildhauerin Simone Elsing sollte hier errichtet werden, dafür wurden Gelder in Höhe von 81.000 Euro bewilligt. Der „leuchtende Falke“ ist laut Planung 14 Meter hoch und etwa 1,5 Tonnen schwer. Er zeigt einen geschwungenen Bogen, der in die Luft ragt und ganz oben einen stilisierten Falken schweben lässt. Das Kunstwerk sollte im Idealfall in Neonfarben angemalt und nachts von Scheinwerfern angestrahlt werden.
Das sind aber alles Pläne von 2019. Danach kam Corona – und der „leuchtende Falke“ landete irgendwie in der organisatorischen Mottenkiste, wo er ordentlich Staub ansetzte. Bis das Thema am 10. September 2025 plötzlich im Bildungsausschuss wieder aufploppte.
Markus Kohn (70) stellte sich persönlich ans Mikrofon, um die Ausschussmitglieder über den neuen Sachstand zu informieren: „Wir haben fünf Jahre lang intensiv im Hintergrund geplant. 2023 stand die Finanzierung. Die Firmen standen alle bereit und es gab auch einen Sponsor für das Fundament, der mit dem Bagger vorgefahren wäre. Der leuchtende Falke könnte aus unserer Sicht längst stehen. Und dann haben wir Anfang des Jahres eine Mail von Thomas Zylla aus dem Rathaus erhalten. Er teilte uns mit, dass aufgrund von Gründen der Verkehrssicherheit grundsätzlich überhaupt gar nichts auf der Mittelinsel vom Kreisverkehr gebaut werden darf. Das war für uns natürlich wie ein Schlag in den Magen.“
Wichtig ist zu erwähnen, dass es sich bei dieser Absage nicht um eine Anweisung aus dem Falkenseer Rathaus handelt. Vielmehr kam die Absage an das Bauprojekt direkt vom Landesbetrieb Straßenwesen, der für die Spandauer Straße als Landesstraße verantwortlich zeichnet. Ursächlich für die Beurteilung der Lage ist wohl der Umstand, dass es sich bei dem Kreisverkehr um einen Unfallschwerpunkt handelt.
Die nächste Überraschung folgte gleich auf dem Fuß. Aus dem Rathaus kam die Idee, für den leuchtenden Falken doch einen anderen Standort in Falkensee zu suchen, um das Kunstprojekt so am Leben zu erhalten. Darüber hatte sich der Künstler bereits Gedanken gemacht – und eine Idee mitgebracht. Markus Kohn: „Wir Künstler könnten uns den Angerteich am Haus am Anger sehr gut als neuen Standort für den leuchtenden Falken vorstellen. Wir denken, der Falke könnte an dieser Stelle ein markantes Wahrzeichen für die Stadt Falkensee werden. Das wäre ein schönes Fotomotiv an dieser Stelle – etwa für Selfies.“
Die Stadtverordneten fühlten sich überrumpelt – von der Absage für den geplanten Standort und über den Vorschlag für den neuen.
Renate Kiel: „Es wäre wirklich sehr schade, wenn dieses Kunstprojekt nicht auf dem Kreisverkehr gebaut werden kann.“ Hier ginge es ja vor allem darum, das Eingangstor nach Falkensee attraktiver zu gestalten. Aber: „Gleichwohl finde ich es gut, wenn der leuchtende Falke nicht komplett in der Versenkung verschwindet.“
Amid Jabbour wunderte sich: „Ich war gerade in Niedersachsen, da gibt es jede Menge Kreisverkehre, bei denen die Sichtachse gleich um mehrere Meter verstellt ist. Warum geht das dort und nicht bei uns?“ Harald Petzold hakte passend dazu nach: „Wenn ich richtig informiert bin, steht der Kreisverkehr in Brieselang, auf dem die Nymphe als Kunstobjekt installiert ist, ebenfalls an einer Landesstraße.“
Im Ausschuss kochte schnell die Diskussion hoch, ob man sich die Ansage, dass der „leuchtende Falke“ nicht auf dem Kreisverkehr gebaut werden darf, gefallen lassen müsse. Schließlich hätten die Stadtverordneten den Bau des Falken befürwortet und damit auch einen Auftrag erteilt.
Sven Steller wehrte als Vorsitzender vom Bildungsausschuss Angriffe auf die Stadt Falkensee ab: „Die Stadt hat erst einmal alles richtig gemacht. Sie hat die Künstler über die Entscheidung des Landesbetriebes Straßenwesen informiert. Nun kann man gegen diesen Bescheid einen Einspruch einlegen oder aber Gespräche mit dem Landesbetrieb führen.“
Prompt wurde darüber nachgedacht, ob der Standort vom „leuchtenden Falken“ mitten im Angerteich wirklich eine gute Wahl wäre. Denn sicherlich würde die Errichtung einer Unterwasserkonstruktion die Kosten weiter in die Höhe treiben. Falkensees Dezernentin Luise Janssen: „Vielleicht könnte der leuchtende Falke auch auf dem Vorplatz vor der ehemals alten Stadthalle aufgestellt werden. Wobei man natürlich beachten muss, dass so ein Kunstwerk den nötigen Raum braucht, um zu wirken.“
Markus Kohn sagte nach der Diskussion: „Es war für uns Künstler schon frustrierend, von der Absage für den Falken auf dem Kreisverkehr zu hören. Hoffnung gibt es dank des Vorschlags, einen Alternativstandort zu suchen. Ich freue mich sehr über die Diskussion und die weitgehend positve Bewertung des Projekts durch die Teilnehmer des Kulturausschusses. Ich hoffe, dass unser Falke doch noch seinen Platz in Falkensee findet.“
Sven Steller konnte den Künstler ein bisschen trösten: „Sie haben ja gehört, dass die Mitglieder im Ausschuss Ihr Projekt weiter befürworten. An welcher Stelle auch immer.“ Das Thema wird die Ausschüsse weiter beschäftigen. (Text/Foto: CS / Illustrationen: Markus Kohn)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 235 (10/2025).
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