Etziner Erntefest: Bunt-fröhlicher Ernteumzug durch das ganze Dorf!
Im ländlichen Bereich hat das jährliche Erntefest noch eine ganz andere Bedeutung als in der Großstadt. Hier wissen wirklich alle Nachbarn, wie schwer es die Bauern mit der Aufgabe haben, der kargen Scholle Jahr für Jahr das Korn abzuringen – und wie sehr sie dabei auf das passende Wetter zur rechten Zeit angewiesen sind. Am 6. September läutete Etzin die Zeit der fröhlichen Erntedankfeste ein – und schickte einen bunten Ernteumzug durch das kleine Dorf.
Selbst in unserer modernen, durchdigitalisierten Welt kann niemand wirklich genau in die Zukunft schauen – und das Wetter für die kommenden Monate vorhersagen. Kaum eine andere Berufsgruppe ist aber so abhängig von Regen und Sonnenschein wie der Landwirt, der Gerste, Hafer, Roggen, Raps und Mais auf die Felder bringt.
Regnet es zu früh, lässt sich die Saat nicht in die aufgeweichte Erde bringen. Fällt anschließend nicht genug Regen, treibt das Korn nicht aus. Später braucht es viel Sonne, damit die Pflanzen wachsen. Und steht die Ernte an, sollte es über mehrere Tage hinweg trocken bleiben.
Da ist es kein Wunder, dass die Bauern traditionell zum lieben Herrgott beten und um das passende Wetter bitten. Um nach der Ernte mit rauschenden Festen Danke zu sagen, dass der Boden einmal mehr ausreichend Nahrung hervorgebracht hat, um die eigene Bevölkerung zu ernähren.
Der Glaube zum lieben Gott mag in der einen oder anderen Ecke bereits etwas gelitten haben. Geblieben ist zumindest auf dem Land die unbändige Freude darüber, das klassische Erntedankfest weiterhin zu feiern. Zahlreiche kleine Dörfer und Ortsteile laden deswegen im September und Oktober traditionell zu einem Erntedankfest ein.
Den Anfang machte in diesem Jahr das kleine Dorf Etzin, das mit seinen knapp 300 Einwohnern inzwischen ein Ortsteil der Stadt Ketzin/Havel ist. Etzin wurde erstmals 1173 in einer Urkunde erwähnt, konnte also vor zwei Jahren bereits das 850-jährige Bestehen feiern. Etzin liegt zwischen ausgedehnten Wiesen- und Ackerflächen. Es grenzt außerdem an das Landschaftsschutzgebiet „Ketziner Bruchlandschaft“. Etzin ist aber mehr als nur eine Landgemeinde. Zu Etzin gehört auch das Gewerbegebiet, in dem die Mosolf Logistics & Service GmbH und das Hermes Logistikcenter zu finden sind.
Seit 1994 gibt es den Heimatverein Etzin, der viele Veranstaltungen im Ort verantwortet, und der zusammen mit dem Förderverein der Feuerwehr und einem extra eingesetzten Festkomitee eben auch den großen Ernteumzug organisiert. Der wurde in diesem Jahr am 6. September durchgeführt. Der bereits zitierte Herrgott war an diesem Samstag ein Freund der Etziner: Der Ernteumzug durfte bei strahlendem Sonnenschein losrollen.
Beim Ernteumzug fehlte auch die Ortsvorsteherin und Ketziner Mooskönigin Nicole Fritz nicht: „Unser Erntefest mit Ernteumzug hat in Etzin schon eine ganz lange Tradition. Das gab es schon zu DDR-Zeiten und das wird auch heute noch Jahr für Jahr weitergeführt. Der Ernteumzug beginnt immer am Ende der Siedlung, führt dann hoch bis zum Backenberg und verläuft über die Hauptstraße bis zur Sandschelle. Jeder, der möchte, darf beim Umzug mitmachen. Ob mit dem Traktor, auf dem Rasenmäher oder zu Fuß: Alle sind willkommen.“
Was zunächst einmal auffiel: Nicht nur die Erntewagen für den Umzug waren auffallend hübsch mit kleinen Erntekronen, vielen Blumen, lustigen Sprüchen und vielen Obst- und Gemüsekörben geschmückt. Auch auf der ganzen Strecke hatten die Etziner ihre Gartenzäune und Vorgärten perfekt für die Ernteprozession hergerichtet. Das ist wirklich einzigartig und eine Etziner Besonderheit. Nicht selten hatten die Nachbarn sogar komplette Puppen als Landwirt verkleidet in ihre Gärten gestellt.
Nicole Fritz, die mit ihren grün gekleideten „Moosfeen“ den Umzug anführte: „Dass die Gärten so toll geschmückt sind, ist erstaunlich und bemerkenswert. Aber das ist eben Etzin. Bei uns hat die Landwirtschaft aber auch eine große Tradition. Früher gab es gleich mehrere Vierseithöfe, wo die landwirtschaftlichen Betriebe ihren Sitz hatten. Heute haben wir bei uns noch zwei Bauern. Etzin fühlt sich mit der Landwirtschaft sehr verbunden. Das liegt auch daran, weil viele Menschen aus dem Ort in der Landwirtschaft beschäftigt sind. Und viele von uns pflanzen selbst Obst und Gemüse im eigenen Garten an.“
19 Fahrzeuge hatten sich in diesem Jahr im Vorfeld für den Ernteumzug angemeldet. Nicole Fritz: „Das werden aber immer noch mehr. Am Ende haben wir meist so um die 25 Fahrzeuge auf der Strecke.“
Andrea Liehmann war eine der zehn Moosfeen aus Etzin, die den Zug begleiteten. Sie ergänzte: „Das Erntefest zeigt, was wir für eine tolle Gemeinschaft in Etzin haben. Wir erfreuen uns einfach daran, was für tolle Ideen die Anwohner ausleben, um ihre Gärten und die Wagen zu schmücken.“
So ein Ernteumzug, der feiert das Leben. Der drückt die Freude über die frisch eingefahrene Ernte aus. Und er zeigt, wie wichtig die Bauern sind, sorgen sie doch dafür, dass die Havelländer ihr täglich Brot auf dem Tisch vorfinden.
Christian Krüger ist Landwirt aus Etzin. Er hatte einen großen Traktor mitgebracht, um einen Anhänger mit vielen Gästen durch den Ort zu ziehen: „Wir bauen Getreide, Zuckerrüben, Raps und Mais an. Das Jahr ist ja noch nicht ganz vorbei. Beim Getreide kann ich sagen, dass die Mengen schon okay waren. Durch den späten Regen haben wir aber keine Qualitäten bei der Ernte, das Korn hat keine Backqualität mehr. Das drückt leider den Preis in den Keller. Wir Landwirte möchten am Ende auch nur fair für unsere Arbeit bezahlt werden, wie jeder Handwerker auch.“
Bei all dem Bangen und Hoffen, dass das Wetter für eine gute Ernte sorgt, und dass am Ende auch die Bezahlung stimmt und keine Katastrophen den Jahresumsatz gefährden, ist es für die Landwirte schön, wenn sie auf einem Erntedankfest auch einmal ordentlich gewertschätzt werden. Christian Krüger: „Für uns ist es wichtig, wenn wir aus der Bevölkerung ein bisschen etwas zurückbekommen und auch einmal gefeiert werden für unsere Arbeit. Bei uns auf dem Wagen fahren übrigens Verwandte, Bekannte, Nachbarn und extra angereiste Freunde aus Bayern mit.“
Exakt um 14 Uhr ging es los mit dem Zug. Begleitet von Polizei und Feuerwehr rollten die bunten Erntewagen im Schneckentempo durch Etzin. Viele Kinder freuten sich über von oben geworfene Kamelle und Süßigkeiten, auf die Erwachsenen warteten süffige Minischnäppse.
Ganz vorne mit dabei war übrigens auch Ketzins Bürgermeisterin Katrin Mußhoff: „Das Erntefest in Ketzin ist immer ein ganz besonderes. Das ganze Dorf macht mit, der Umzug ist hervorragend vorbereitet und alles ist so schön geschmückt. Man merkt einfach, wie sehr die Menschen sich auf diesen Tag freuen, man spürt die gute Laune.“
Ihren allerersten öffentlichen Auftritt seit der Krönung auf dem Ketziner Fischerfest hatte auch die neue Fischerkönigin Joane Brömme. Sie führte den Zug ebenfalls mit an: „Ich bin schon ein wenig aufgeregt, aber mehr vor Freude. Die Fischerkönigin und die Mooskönigin führen den Zug zusammen an, das ist doch schon etwas. Ich lasse mich überraschen, was heute noch alles auf mich zukommt.“
Wir wissen das schon. Am Ziel angekommen wartete ein großes Kuchenbuffet auf die Etziner. Lose wurden verkauft, die Kinder konnten basteln, später trat der Zauberer „Der große Popolino“ auf. Ab 19 Uhr sorgte DJ Tobi für Tanzmusik und um 21 Uhr heizte ein DJ Ötzi Double die Stimmung weiter an. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 235 (10/2025).
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