Neue Schwellen in Berge: In Nauen ist der Schnellumbauzug „Büffel“ unterwegs!
Über tausend Mitarbeiter sind zurzeit auf Deutschlands größter Baustelle unterwegs. Sie helfen bei der Generalsanierung der viel befahrenen Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg. Auf 280 Kilometern Länge müssen Schienen getauscht, Weichen ersetzt und neue Signale aufgestellt und verkabelt werden. In Nauen war nun der 110 Meter lange „Büffel“ im Einsatz. Hinter Berge war es seine Aufgabe, vollautomatisch die alten Schwellen auszutauschen.
Vom 1. August 2025 bis zum 1. Mai 2026 ist Deutschlands meistbefahrene Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg komplett gesperrt. Kein Fahrgast wird mehr über die Schienen befördert, kein Transportgut mehr von A nach B gebracht.
Viele Menschen erkennen angesichts der Sperrung, wie sehr sie in ihrem Alltag doch auf die Bahn angewiesen sind. Natürlich fragen sie sich: Was macht die Deutsche Bahn da eigentlich, was wird da auf der Strecke modernisiert?
Die Deutsche Bahn sorgt für Transparenz und lädt alle 14 Tage an einem anderen Ort zu einer Baustellenbegehung ein. Am 21. August zeigte Julian Fassing, Projektleiter der Generalsanierung, wie in Falkensee Weichen ausgetauscht und nagelneue Schienen auf einem komplett neuen Gleisbett installiert werden.
Am 3. September kam es zu einem neuen Lokaltermin – dieses Mal im Nauener Niemandsland hinter Berge. Hier war der Schnellumbauzug „Büffel“ unterwegs – eine imposante und mehrere Millionen Euro teure Maschine, die es auf eine Länge von 110 Metern bei 450 Tonnen Gewicht bringt. Dieses Monstrum ist dazu in der Lage, vorne über die alten Schienen zu fahren, sie in der Mitte unter sich anzuheben und auszutauschen, um am Ende bereits über die neuen Schienen zu rollen. Eintausend Meter Schienen schafft der „Büffel“ an einem Arbeitstag.
Projektleiter Julian Fassing: „Bei der Bahn müssen wir den Oberbau aus Schotter, Schwellen und Schienen etwa alle 20 bis 30 Jahre austauschen. Der tatsächliche Zeitabstand hängt immer auch von der Belastung vor Ort ab. Hier im Nauener Raum haben wir die Schienen gerade erst vor zwei Jahren ausgetauscht. Allerdings sind die Schwellen vor Ort bereits aus dem Jahr 1999. Sie sind also 26 Jahre alt und müssen erneuert werden.“
So eine Schwelle wiegt alleine etwa 350 Kilo. Alle 60 Zentimeter ist eine neue Schwelle im Gleis verbaut, die mit vier riesigen Metallklammern die Schienen festhalten. Auf einen Kilometer kommen auf diese Weise 1.600 Schwellen.
Bevor nun der „Büffel“ kommt und die Schienen anhebt, um die Schwellen austauschen zu können, fanden bereits verschiedene Vorarbeiten statt.
Julian Fassing: „Wir haben vorab bereits den Schotter auf der Nauener Strecke gereinigt. Der Schotter wurde teilweise auch ausgetauscht. Steine, die zu klein sind oder keine scharfen Kanten mehr aufweisen, werden aussortiert. Stattdessen kommen dann neue Steine dazu. Das sieht man an der Farbe. Diesen Arbeitsschritt haben wir bereits abgeschlossen.“
Die Schwellen selbst sind mit Schrauben und Klammern an den Schienen befestigt und halten sie fest im Gleis. Bevor sie ausgetauscht werden können, müssen die Klammern also manuell von den Arbeitern gelockert werden. Das passiert allerdings nicht durchgehend. Alle paar Meter bleiben einzelne Klammern an Ort und Stelle, damit die Schienen nicht im Gleis verrutschen können. Diese finalen Haltepunkte werden erst dann gelockert, wenn der „Büffel“ genau über ihnen angekommen ist.
Es ist schon ein echtes Spektakel, den „Büffel“ im Einsatz zu sehen. Direkt vor dem Büffel rollt ein weiterer Zug über die Gleise, der ebenfalls über hundert Meter lang sein kann. Auf diesem rollenden „Depot“ sind zum einen die neuen Schwellen deponiert, die gleich verbaut werden. Zugleich landen hier aber auch die alten Schwellen, die gerade im Gleis ausgebaut wurden. Eine bemannte Apparatur fährt auf diesem Zug hin und her, um die Schwellen aufzunehmen oder zu lagern.
Der „Büffel“ ist so konzipiert, dass er zunächst den Streckenabschnitt wässert, damit die Arbeiter nicht unter der Staubentwicklung leiden. Manuell werden die letzten Klammern gelöst. Die Schienen werden dann eine Armlänge hoch angehoben. So kann die Maschine die alte Schwelle greifen und sie durch eine neue ersetzen. Die Schwelle wird von einigen der über zehn Arbeiter, die den „Büffel“ begleiten, neu verschraubt – fertig.
Julian Fassing: „Am Ende wird das Gleis noch einmal ‚gestopft‘. Das heißt, der Schotter unter den Schwellen wird verdichtet.“ Die alten Schwellen werden übrigens wiederverwendet – auf nicht ganz so stark befahrenen Gleisen. Sind sie beschädigt, werden sie geshreddert und irgendwo im Land in ein neues Bauwerk integriert.
Am 3. September verkündete das Team der DB, das bereits ein Viertel vom geplanten Gleisbau abgeschlossen ist. Julian Fassing: „Mit dem Oberbau sind wir sehr zufrieden. Grundsätzlich sind wir hier im Plan oder sogar schon ein, zwei Tage im Plus. Wenn wir das hochrechnen, sollten wir zum Jahresende hin mit dem Gleisbau durch sein.“
Eine gewagte Frage: Wenn der Gleisbau zwischen Berlin-Spandau und Nauen so schnell erledigt ist, könnte man diese Berlin-nahe Strecke nicht schon vor der geplanten Zeit wieder freigeben, damit die Pendler aus dem Havelland wieder problemlos nach Berlin fahren können?
Julian Fassing: „Nach vier Wochen Generalsanierung kann ich nicht sagen, dass es dafür gar keine Chance gibt. Ich kann jetzt aber auch nicht sagen, das wird so. Wir haben das im Blick, wir haben das im Kopf. Und wenn sich die Chance ergibt, werden wir sie nutzen. Der Knackpunkt wird aber nicht der Gleisbau sein. Danach müssen viele Signale gebaut, miteinander verbunden, geprüft, abgenommen und getestet werden. Die Arbeiten an den Signalen können erst dann beginnen, wenn alle Gleise wieder drin sind. An jedem Signal hängen nämlich ein, zwei Gleisschaltmittel dran, die direkt mit der Schiene verbunden werden müssen. Das kann ich erst dann tun, wenn der Umbauzug komplett ‚durch‘ ist. Es gibt also eine Reihenfolge der Gewerke. Erst kommt der Gleisbau, dann die Montage der Leit- und Sicherungstechnik, dann die Funktionsprüfung, am Ende die Abnahme. Das kann ich weder umdrehen noch beschleunigen noch parallel durchführen.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 235 (10/2025).
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