Tag der offenen Tür bei der Elstaler Gartenbahn: Familie Handro lädt einmal im Jahr in ihren Garten ein!
In der Eisenbahnersiedlung in Elstal stand am 23. August ein hölzernes Schild im Vorgarten der Häuser. „Zur Gartenbahn“, konnte man da lesen. Das Schild wies in den Garten von Jens und Elke Handro in der Breite Straße. Seit 25 Jahren arbeitet das Ehepaar Hand in Hand an einer riesigen Miniaturanlage im Garten. Sie zeigt die amerikanischen Rocky Mountains aus dem Jahr 1900 – und lässt die Eisenbahn zum Sägewerk und zur Goldgrube fahren. An diesem Samstag durften alle mal gucken – der alljährliche „Tag der offenen Tür“ stand an.
Die blau-weiß gestreifte Eisenbahnermütze auf dem Kopf, schaute Jens Handro (60) am 23. August morgens um elf Uhr verblüfft auf die Schienen in seinem Garten. Verflixt, wo ist denn der Zug abgeblieben? Der kann doch nicht einfach verschwinden! Wo doch gleich die Gäste kommen!
Und doch. Im Garten der Familie Handro kann ein Zug selbst dann aus dem eigenen Blickwinkel verschwinden, wenn er ein ganzes Dutzend Waggons hinter sich herzieht. Denn die an manchen Stellen brusthohe Anlage, die sich über bestimmt zwanzig Meter Länge erstreckt, bildet bis ins Detail die bergigen Rocky Mountains etwa um die Jahrhundertwende im Jahr 1900 nach. Damals wurde in den Bergen Holz geschlagen und verarbeitet, und einige Glücksritter suchten im Berg nach Gold.
Jens Handro: „Vor 25 Jahren ging es los. So lange arbeiten wir schon an unserer Anlage. Wir Eisenbahnfreunde reden hier übrigens nicht von einer Gartenbahn, sondern von einer Modelleisenbahn im Garten. Das ist ein Unterschied. Die Gartenbahn fährt einfach nur durch die Beete. Die Modelleisenbahn fährt durch eine im Maßstab passende Kulisse. Wir zeigen bei uns eine historische amerikanische Waldbahn in Aktion. Da geht es um das Schlagen der Bäume, um den Transport der Stämme ins Sägewerk, wo sie zerschnitten und auf die Bretterbahn aufgeladen werden. Eine Etage tiefer sieht man die Eisenbahn der Denver and Rio Grande Western Railways mit ihren typisch gelben Wagen, wie sie in Colorado auf der Cumbres and Toltec Scenic Railroad an der Grenze zu New Mexiko unterwegs waren.“
Tatsächlich ist es ungewöhnlich, dass sich nicht nur einer in der Familie für die Eisenbahn begeistert, sondern auch noch der Partner. Jens Handro, der heute als Vermögensberater für die DVAG selbstständig ist: „Ich war früher einmal als Wagenmeister bei der Eisenbahn, deswegen habe ich auch ein Eisenbahnhaus. Seit 1984 wohnen wir bereits in Elstal in der Eisenbahnersiedlung. Die Gleise und die Weichen kaufen wir natürlich, alles andere ist komplett selbst gebaut, also etwa 95 Prozent. Ich bin für die Technik zuständig.“
Elke Handro (66), die auch den Verein „Sorge dich nicht – Lebe e.V.“ leitet: „Das erste Stück für die Eisenbahn habe ich Jens im Jahr 2000 zu Weihnachten geschenkt, seitdem hat uns der Virus gepackt. Wir sind vor allem am Wochenende im Garten und bauen die Bahn weiter aus. Ich bin der Felsenmeister, ich baue die Berge, pflanze die Bäume und lass den Fluss sprudeln. Im Winter halten wir uns viel im Keller auf, dann ist Baubetrieb. Wir haben eine gut ausgebaute Werkstatt im Keller.“
Es ist unfassbar, wie detailgetreu die gesamte Anlage gebaut ist. Das gilt nicht nur für das gewaltige Sägewerk, die rustikalen Holzhütten der Arbeiter im Wald, die riesigen Holzbrücken über dem Fluss, die Goldgrube und den dank Blech aus Katzenfutterdosen regenfest gemachten Lokschuppen. Jens Handro: „Das sind alles Unikate, das haben wir alles selbst gebaut. Nur unser Wasserturm war ein Bausatz. Tatsächlich werfen wir auch nichts weg. Wir schauen immer, ob wir es nicht doch noch für die Eisenbahn verbauen könnten.“
Ein echter Hingucker sind die zahllosen Miniaturfiguren, die in der Anlage zu entdecken sind. Da baden kleine Männchen im Fluss, sortiert ein Mann sein Gold, suhlen sich Wildschweine im Schlamm, klettern junge Bären auf einen Holzstapel, ziehen junge Arbeiter eine neue Steinmauer oder bietet eine Arzthelferin in einem Zelt einen heilsamen Einlauf an.
Elke Handro: „Die Figuren haben wir weltweit zusammengekauft. Ich bin viel im Internet unterwegs und schaue, ob ich etwas Neues finden kann. Wir stellen immer nur einen kleinen Teil unserer Figuren in die Gartenanlage, damit man jedes Jahr etwas Neues entdecken kann. Im Haus stehen noch viel, viel mehr Figuren. Einige kommen sogar aus dem 3D-Drucker.“
Jens Handro (www.havellender.de): „In der Anlage sieht man 50 Kühe. Ich habe aber hinten im Schuppen noch einmal 200. Früher hat man die Rinder auf Waggons verladen. So einen Zug möchte ich irgendwann auch bei uns einmal bauen. Deswegen kaufe ich zurzeit jede Miniatur-Kuh, die ich bekommen kann.“
Jens Handro, der Videos seiner Gartenbahnschauanlage auf YouTube veröffentlicht (www.youtube.com/Havellender): „Auch unsere Eisenbahnen sind – gesupert. Gesupert heißt: Wir haben die Eisenbahnen für unsere Spurgröße 20,3 gekauft, dann aber noch einmal neu angemalt und schön gemacht. Die riechen wie eine echte Eisenbahn, die sehen aus wie eine echte, die qualmen wie eine echte.“
Am 23. August war in der Breite Straße „Tag der offenen Tür“, dann ist Fahrbetrieb. Jens Handro: „Wir Gartenbahnfreunde sind kein Verein, sondern eher ein loser Zusammenschluss von Gleichgesinnten. Wir sind eigentlich alles Einzelgänger. Aber wenn wir einmal im Jahr Fahrbetrieb haben, kommen die Kollegen aus ganz Deutschland und sogar aus der Schweiz zu uns ins Havelland. Viele bringen ihre Selbstbauwagen mit und lassen sie auf unserer Strecke fahren. Dazu gibt es Würstchen vom Grill, abends zünden wir ein Feuer im Garten an – und es wird gefachsimpelt. Wir freuen uns aber auch über jeden Nachbarn und Eisenbahnfreund aus der Region, der zu uns in den Garten findet.“
Die Eisenbahnanlage im Garten ist noch lange nicht fertig. Jens Handro: „Ich arbeite noch an einer Bekohlungsanlage und am Bahnhof von Chama in New Mexiko. Wir waren selbst noch nie in Amerika. Das wollen wir aber nächstes Jahr endlich nachholen.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 234 (9/2025).
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