Komplettsanierung der Bahnverbindung Berlin – Hamburg: In Falkensee haben die Baumaßnahmen begonnen!
Seit dem 1. August fährt kein Zug mehr auf der Bahnstrecke zwischen Berlin und Hamburg. Die Deutsche Bahn (DB) führt auf der Strecke mit 280 Kilometern Länge eine Generalsanierung durch. Die Arbeiten dafür haben bereits begonnen. In Falkensee erklärte Projektleiter Julian Fassing am 21. August, wie Schienen, Weichen, Schwellen, Kabel und sogar die Elektronik vor Ort ausgewechselt werden. Spannend: Recycling ist dabei ein ganz großes Thema.
Auf der Bahnstrecke bei Falkensee, auf der sonst viele Güterzüge und ICEs auf ihrem Weg von Berlin nach Hamburg über die Schienen rasen, ist zurzeit Stillstand angesagt. Seit dem 1. August ist „Deutschlands meistbefahrene Städte-Direktverbindung“ komplett gesperrt, um eine Generalsanierung durchführen zu können.
In der verlängerten Poststraße hat die Deutsche Bahn in Falkensee eine „Baustelleneinrichtungsfläche“ in Betrieb genommen, um von hier aus erste Bauarbeiten auf der Strecke von Berlin bis nach Nauen zu organisieren.
Julian Fassing ist der Projektleiter der gesamten Generalsanierung Hamburg-Berlin. Am 21. August nutzte er die Gelegenheit, um der Presse in Falkensee zu zeigen und zu erklären, was auf der Bahnstrecke eigentlich alles passiert.
Eindrucksvoller als alle Worte war vor Ort ein auf den Schienen fahrendes Baufahrzeug, das einen riesigen Magneten vor sich her trug. An diesem Magneten „klebten“ Hunderte von riesigen Schrauben, Unterlegplatten und Klammern, mit denen bislang die alten Schienenstränge an den Gleisschwellen befestigt waren. Die alten Schrauben waren rostig und schartig – sie werden recycelt und durch neue ersetzt.
Julian Fassing erklärte, dass während der Generalsanierung über zwanzig Bautrupps gleichzeitig auf der Strecke aktiv sind und überall wie fleißige Ameisen an der Erneuerung der Gleisanlagen zu tun haben. Am meisten Arbeit fällt tatsächlich zwischen Berlin und Nauen und dann wieder direkt vor Hamburg an, weil es hier mehr Bahnhöfe, Stellwerke und Weichen gibt. Dazwischen finden sich auf 280 Kilometer Länge auch etliche Kilometer Strecke, die einfach nur aus Schienen bestehen.
In Falkensee wurde zunächst einmal dafür gesorgt, dass neue Arbeiten überhaupt stattfinden können. Die Strom führende Oberleitung wurde abgeklemmt, zugleich wurden alte Signalmasten abmontiert.
Nun geht es an die Schienen. Julian Fassing: „So eine Schiene hat eine Nutzungsdauer von 25 Jahren. Zuletzt wurden die Schienen in den 90er Jahren ersetzt. Hier in Falkensee fahren an die 400 Züge am Tag über die Schienen, darunter auch schwere Güterzüge. Das sorgt dafür, dass der Stahl über die Jahrzehnte abgefahren wird. Das ist eine ganz natürliche Abnutzung der Schienen. Dort, wo die Schienen zwischenzeitlich noch nicht ersetzt wurden, holen wir das nun nach. Das betrifft nicht die ganze Strecke, wir erneuern sie auf etwa 180 Kilometern Länge. Die alten Schienen, die noch in Ordnung sind, werden auf Nebengleisen oder auf Überholgleisen wiederverwendet. Hier gibt es nur eine geringe Belastung der Schienen, sodass der nicht ganz perfekte Zustand kein Problem darstellt.“
Auf der Strecke Berlin-Hamburg werden auch 250 Weichen ausgetauscht. Die meisten werden einfach erneuert, wobei immer die beiden einander gegenüberliegenden Weichen auf einmal gewechselt werden. Julian Fassing: „So komme ich auf 125 Baumaßnahmen für den Austausch der Weichen. Wir brauchen für einen Austausch etwa 75 bis 90 Stunden, das entspricht einem verlängerten Wochenende. Würden wir die Bahnstrecke nur an diesen Wochenenden sperren, bräuchten wir zweieinhalb Jahre. Bei einer Gesamtsperrung geht das eben deutlich schneller.“
Auf der Strecke werden aber auch einige neue Weichenverbindungen realisiert. Dort kommen statt zwei Weichen gleich vier zum Einsatz – und es entsteht ein „Weichentrapez“. Julian Fassing: „So kann ein Zug von jedem Gleis aufs andere wechseln und das unabhängig von der Richtung, aus der er gerade kommt. Hier in Falkensee entsteht außerdem ein eigenes Überholgleis, damit ein schneller Zug auch mal einen langsamen überholen kann.“
Man sieht es bereits in Falkensee: Dort, wo die ersten Schienen ersetzt wurden oder neue Weichen im Schotterbeet stehen, wurden die Gleissteine bereits ausgewechselt. Sie wirken nun nicht mehr gelblich verwittert, sondern strahlen wieder schneeweiß. Warum werden denn auch die Steine ersetzt? Ein Stein verändert sich doch nicht großartig!
Doch, das tut er. Julian Fassing: „Unsere Schottersteine müssen scharfkantig sein, damit sie sich besser verzahnen. Mit der Zeit verlieren die Steine diese scharfen Kanten, sie nutzen sich ab. Hier in Falkensee haben wir einen guten Zugriff auf die Schiene, da können wir komplett neuen Schotter einbringen. Die alten Steine werden etwa für den Straßenbau recycelt. Auf der Strecke, wo eben nicht gleich ein Lager zur Stelle ist, können Maschinen auf den Schienen gezielt alle unbrauchbaren Steine aussortieren und nur diese durch neue ersetzen. Oder es gibt Maschinen, die brechen den Stein neu, sodass er wieder scharfkantig wird. Da gibt es also verschiedene Technologien.“
Neben den Schienen werden auch die Kabeltrassen geöffnet, um die Kabel zu erneuern. Ein Problem gibt es da, so Julian Fassing: „Mitunter ist es für uns schwer zu erkennen, welche der alten Kabel noch in Betrieb sind und welche nicht.“
In Nauen sind zurzeit Trupps für die Kampfmittelsondierung unterwegs. Denn wo neue Signalmasten in den Boden gesetzt werden, muss vorher geschaut werden, ob es nicht vielleicht doch alte Kriegsblindgänger im Boden gibt.
Falkensee bekommt auch ein neues Stellwerk, das später im Betrieb dafür sorgen wird, Weichen und Signalmasten zu steuern. Hier kommt eine ganz neue digitale Technik namens „European Train Control System“ (ETCS) zum Einsatz; die alte Technik ist nicht mehr kompatibel. Auf der Strecke müssen 27 dieser Stellwerke ausgetauscht werden. Es gibt also noch einiges zu tun. (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 234 (9/2025).
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