In der Geriatrie der Havelland Kliniken: Die Multimorbidität älterer Patienten ganzheitlich angehen!
In der Geriatrie werden Patienten jenseits der Lebensmitte behandelt. Dabei bekommen es die Ärzte in den Havelland Kliniken mit Standorten in Nauen und Rathenow oft mit Patienten zu tun, die gleich mehrere medizinische Probleme auf einmal haben. Um die Senioren möglichst schnell wieder auf die Beine zu bringen, arbeiten Ärzte, das Pflegepersonal, Therapeuten, Psychologen und Sozialarbeiter Hand in Hand zusammen. Zum ganzheitlichen Behandlungsansatz gehört übrigens auch eine Geriatrische Tagesklinik. (ANZEIGE)
Max-Alfred Schaudig leitet für die Havelland Kliniken die „Klinik für Geriatrie Nauen und Rathenow“ (www.havelland-kliniken.de/Fach-Kliniken/klinik-geriatrie.html). Er kümmert sich um die Altersheilkunde, wie man das Wort Geriatrie ins Deutsche übersetzt. Seine Patienten sind deswegen alle schon im fortgeschrittenen Alter. Dies sorgt mitunter für die sogenannte „Multimorbidität“. So nennt man es, wenn mehrere Krankheiten und Beeinträchtigungszustände parallel auftreten und sich gegenseitig beeinflussen. Deswegen dürfen sich die Ärzte nicht auf eine singuläre Erkrankung konzentrieren. Sie müssen den Patienten stattdessen ganzheitlich und integrativ behandeln.
Max-Alfred Schaudig: „Die Menschen werden immer älter. Das merken wir in der Geriatrie deutlich, weil wir uns um eine ständig steigende Anzahl an Patienten kümmern müssen. Unsere Patienten übernehmen wir vom Hausarzt, der eine Überweisung schreibt, intern vom Krankenhaus oder von der Notfallversorgung der Rettungsstelle. Unsere internen Patienten kommen oft von der Inneren Medizin, etwa mit schweren Lungenerkrankungen oder mit einem Herzleiden. Andere Fälle sind etwa traumatologische Patienten, die Brüche der Wirbelkörper oder der Hüftgelenke aufweisen. Sobald diese Patienten rehabilitationsfähig sind, kommen sie zu uns in die Geriatrie. Von den Hausärzten kommen oft Patienten, die chronische Schmerzen haben und deswegen nicht mehr mobil sind. Außerdem nehmen wir Senioren auf, bei denen es darum geht, Symptome einer Demenz abzuklären.“
So oder so ist es immer das große Ziel in der Geriatrie, die Patienten wieder mobil zu machen, sie in die Häuslichkeit zu entlassen und sie im besten Fall wieder so herzustellen, wie sie sich vor ihrer Akuterkrankung gefühlt haben.
Max-Alfred Schaudig: „Wir müssen im Krankenhaus in der Geriatrie inzwischen eine ganze Reihe verschiedener Standards erfüllen, die vom Gesetzgeber vorgegeben werden. Dazu gehört auch, dass mindestens einer unserer Ärzte aus dem Team die Zusatzbezeichnung Geriatrie aufweisen muss. Auch unsere Pflege muss ein entsprechendes Zertifikat vorweisen können. Um es zu erwerben, muss man wenigstens 180 Stunden Weiterbildung und Praxis im Bereich der Geriatrie absolviert haben. Hinzu kommt ein Therapeuten-Team, das am Einsatzort vorzuhalten ist.“
Zu einem solchen Therapeuten-Team zählen auf der Geriatrie in den Havelland-Kliniken die Logopäden, die Psychologen, die Physiotherapeuten und die Ergotherapeuten.
Max-Alfred Schaudig: „Wir schauen ganzheitlich auf unsere Patienten. Ist jemand gestürzt und hat sich eine Fraktur zugezogen, behandeln wir nicht nur den Bruch. Wir schauen auch gezielt nach einer möglichen Sturzursache. War es vielleicht eine Gangstörung? Kam es vor dem Sturz zu Herzrhythmusstörungen oder zu Kreislaufproblemen? Oder lag es an der häuslichen Umgebung? Etwa an rutschigen Treppen oder an einem losen Teppich, an dem der Patient mit den Füßen hängengeblieben ist? Das wollen wir klären.“
Ein großer Vorteil ist, dass die meisten Patienten im Schnitt 14 Tage in der geriatrischen Station bleiben. Max-Alfred Schaudig: „So haben wir genug Zeit, um unsere Patienten umfassend kennenzulernen und gut zu behandeln. So können wir auch gleich die ersten therapeutischen und akutmedizinischen Erfolge sehen.“
Die Erfolge und Behandlungsmethoden werden regelmäßig besprochen. Dafür gibt es eine wöchentliche interdisziplinäre Teamsitzung.
Max-Alfred Schaudig: „Hierbei werden auch klare Behandlungsziele erfasst: Was möchten wir in den kommenden Tagen erreichen? Jeden Morgen gibt es außerdem eine Übergabesitzung. Hier berichtet die Pflege, was von 15:30 bis 8 Uhr auf der Station passiert ist. Und die Ärzte stellen die Neuaufnahmen vor.“
Bunter Strauß therapeutischer Maßnahmen in der Geriatrie
Anke Stüber leitet das therapeutische Team der Klinik Nauen: „Unsere Therapeuten, zu denen übrigens auch Musik- und Kunsttherapeuten gehören, arbeiten gezielt auf ärztliche Anweisung hin. Der therapeutische Bedarf wird also vom Arzt festgelegt. Meine Aufgabe ist es u. a., mein Team entsprechend zu koordinieren, die Therapeuten auf die einzelnen Stationen einzuteilen, Dienstpläne zu schreiben, Informationen weiterzugeben und Teambesprechungen zu leiten. „
Anke Stüber selbst ist Logopädin und arbeitet mit ihren Patienten etwa nach einem Schlaganfall gezielt daran, die Sprache wieder zu verbessern: „Wir behandeln Sprachstörungen, bei denen die Abspeicherung der Sprache im Gehirn beeinträchtigt ist. Die Patienten können dann vielleicht nicht mehr auf einzelne Wörter zugreifen oder haben Probleme mit dem Satzbau oder dem Sprachverständnis. Es kann aber auch sein, dass eine Lähmung des Gesichts oder der Zunge vorliegt, was zu Sprechstörungen führt. Ein weiteres wichtiges Krankheitsbild, das wir therapieren, sind Schluckstörungen. Sind die Patienten noch mobil, gehen die Therapeuten mit ihnen gern in einen separaten Raum, um dort mit ihnen zu arbeiten. Wir arbeiten aber auch sehr viel direkt am Krankenbett. Ergänzend finden Therapien auch mit Patientengruppen statt. Beim gemeinsamen Singen geht es z.B. darum, die Atmung zu trainieren und die Stimme zu kräftigen.“
Da die Patienten im Durchschnitt 14 Tage auf der geriatrischen Station verbleiben und mindestens zweimal am Tag eine therapeutische Anwendung erhalten, stellen sich in der Regel erste Erfolge zügig ein.
Max-Alfred Schaudig: „Sowohl in Nauen als auch in Rathenow gibt es die Möglichkeit, im Anschluss an einen Aufenthalt in der Akut-Geriatrie unsere teilstationäre Tagesklinik zu besuchen. Hier bieten wir eine gezielte Nachtherapie an und setzen ein Therapieangebot um, das in der ambulanten Versorgung ansonsten gar nicht möglich wäre. Patienten, die die Tagesklinik von Montag bis Freitag aufsuchen, werden durch einen Transport morgens abgeholt und nachmittags wieder nach Hause gebracht.“
Was ist eigentlich ein Entlassungsmanagement?
Was passiert eigentlich, wenn ein Patient aus der Geriatrie entlassen werden soll, das ärztliche und therapeutische Personal aber Bedenken teilt, ob die Senioren wohl ohne zusätzliche Hilfe Zuhause zurechtkommen?
Jennifer Kristens: „Ich bin für das sogenannte Entlassungsmanagement verantwortlich. Das Team wird bei komplexen Vorgängen hinzugezogen, um eine nahtlose Versorgung der Patienten auch in der ambulanten Versorgung zu gewährleisten. Wir unterstützen bei der Antragsstellung eines Pflegegrads und bei der Suche nach einer Hauskrankenpflege, sodass die Körperpflege und die Behandlungspflege (Medikamentengabe, Wundversorgung) weiter gewährleistet sind, aber auch bei der Heimplatzsuche und Hilfsmittelversorgung.“
Das Entlassungsmanagement wird auf Anforderung aktiv. In der Geriatrie sieht das anders aus. Jennifer Kristens: „Hier schaue ich mir jeden Patienten an, der zu uns auf die Station kommt, um den Bedarf zu erfassen und entsprechende Gespräche mit den Angehörigen und Patienten zu führen.“ (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 233 (8/2025).
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