Was nun? Am 12. Juni 2025 fand die dritte Perspektivmesse in Falkensee statt!
Wie soll es nach der Schule eigentlich weitergehen? Seit vielen Jahren stellt die Stadt Falkensee jungen Schülern aus der ganzen Region einen bunten Strauß verschiedener Möglichkeiten vor – und lädt zur Perspektivmesse in die Stadthalle ein. Die aktuelle Messe fand am 12. Juni statt und lockte an die tausend Schüler an, die sich bei 81 Ausstellern vorstellen konnten, um alles über aktuelle Praktika, Ferienjobs, Ausbildungsplätze und mögliche Studiengänge zu erfahren.
Am 12. Juni hatte die Falkenseer Stadthalle etwas von einem Bienennest an sich: Hunderte Schülerinnen und Schüler schwirrten munter umher. Sie waren alle mit dem Fahrrad oder mit den “Öffis” angereist, um sich zwischen Mathe-Klausuren und Sportunterricht ein paar Stunden lang mit ihrer Zukunft zu beschäftigen. In Falkensee fand nämlich von 10 bis 16 Uhr die Perspektivmesse statt. Sie wird jährlich von der Stadt Falkensee organisiert – im engen Schulterschluss mit der IHK Potsdam, der Agentur für Arbeit Nauen, dem Jobcenter des Landkreises Havelland und vielen weiteren Partnern.
Bürgermeister Heiko Richter ist selbst das allerbeste Beispiel für einen gelungenen Perspektivwechsel: Der ehemalige Schrääg-rüber-Kneipenwirt und Veranstaltungsmanager hat es in seiner Laufbahn bis ins Büro des Bürgermeisters geschafft. Um kurz nach zehn Uhr eröffnete er die Messe inmitten der hin und her eilenden Schüler: “Der Geräuschpegel zeigt mir, dass die Gespräche bereits im vollen Gange sind. Wir freuen uns, 81 Aussteller aus der Region in der Halle, im Foyer und draußen auf dem Campus-Platz begrüßen zu dürfen. Es sind Vertreter aus der Industrie, dem Handel, dem Handwerk, den Banken, den Versicherungen, den Behörden, den Kammern, der Bundeswehr und verschiedenen Bildungsinstituten vor Ort. Es werden gut einhundert verschiedene Ausbildungsberufe und ebenso viele Studiengänge vorgestellt. Die IHK Potsdam bietet vor Ort auch ein kostenloses Styling für das Vorstellungsgespräch und Fotos für die Bewerbungen an.”
Federführend hatte Babett Ullrich mit ihrem Team aus dem Fachbereich “Wirtschaft und Controlling” die dritte Perspektivmesse, die vorher unter dem Namen “Ausbildungsmesse” firmiert hatte, vorbereitet: “In diesem Jahr haben wir zu unserer 19. Messe eingeladen. Nur während der Corona-Jahre haben wir sie ausgesetzt. Früher war die Messe vor allem für die Schülerinnen und Schüler wichtig. Heute ist sie für die Aussteller noch wichtiger geworden, weil sie noch immer dringend nach neuen Fachkräften suchen, die sie im Zweifelsfall eben selbst ausbilden. Gut die Hälfte unserer Aussteller ist in jedem Jahr mit dabei, weil sie einen sehr hohen Fachkräftebedarf haben. Wir sind sehr froh, dass wir so viele regionale Anbieter mit an Bord haben. Allein aus Falkensee sind 19 Aussteller mit dabei. Denn natürlich ist es unser Ziel, dass unsere jungen Leute in der Region bleiben und hier auch eine Arbeitsstelle finden. Die Messe ist für die Aussteller übrigens völlig kostenlos.”
Falkensee hat für die Messe alle vier weiterführenden Schulen aus dem eigenen Ort eingeladen, den Ruf aber auch bis nach Brieselang, Nauen und Spandau erschallen lassen.
Babett Ullrich: “Wir laden die Schüler ein, sie kommen dann oft mit Lehrerbegleitung zur Messe. Sie werden von den Schulen für die Messe freigestellt. In diesem Jahr hatten wir 956 Anmeldungen vor allem aus den 8. Klassen, aber auch aus der 9. und 10. Klasse. Das Feedback der Aussteller fällt auch sehr gut aus. Zum Teil konnten Azubi-Stellen direkt auf der Messe besetzt werden. Für die Unternehmen ist es aber vor allem wichtig, sich zu zeigen, sichtbar zu sein und Kontaktpunkte zu schaffen. Viele Schüler lernen für sie interessante Ausbildungsberufe und Firmen erst hier auf der Messe kennen.”
Drängen denn alle Schüler morgens gleichzeitig in die Stadthalle? Mario Lehmann von der “Grunske Metall-Recycling GmbH und Co.KG” kennt sich bereits aus: “Die Messe hat die Schulen auf verschiedene Zeitfenster aufgeteilt, sodass nicht alle Schüler auf einmal in die Halle stürmen, sondern gestaffelt nacheinander. Das macht es für uns Aussteller einfacher. Am Nachmittag kommen traditionell auch viele Schüler nicht mit ihren Lehrern, sondern auf eigene Initiative mit den Eltern oder Großeltern in die Stadthalle.”
Einige Schüler aus der Falkenseer Oberschule tauchten während der Messe einmal auf eine ganz neue Weise ins Berufsleben ein: Sie verwandelten sich während des Messetags in professionelle Caterer und versorgten die Schüler und Aussteller während der Stunden mit Essen und Getränken. Charlotte Schmidtke (15): “Wir haben belegte Brötchen, frische Muffins, etwas Süßes, Soljanka-Suppe und Kartoffelsalat mit Würstchen verkauft. Das Geld sammeln wir für unsere Abschlussfeier im nächsten Jahr.”
Schlau ist, wer Menschen zuhört, die bereits ein großes Fachwissen mitbringen – und andere daran teilhaben lassen. So konnten die Besucher der Perspektivmesse immer wieder ins Bistro der Stadthalle gehen, um hier an ausgewählten Vorträgen und Gesprächsrunden teilzunehmen.
Janet Kunau von der Handelskammer Potsdam brach dabei eine Lanze für die Karriere im Handwerk: “Handwerk mit Herz. Zukunft mit Perspektive”. Diana Buschmann von der Agentur für Arbeit hatte einen Bewerbungsknigge im Gepäck und informierte darüber: “Worauf muss ich bei Bewerbungen achten und wie gehe ich mit Absagen um?” Michael Oeter von der IHK Potsdam referierte über den ersten Tag im neuen Ausbildungsbetrieb. Sein Thema: “Vermeidung von Ausbildungsabbrüchen”.
Ein Hallenplan war nötig, um den Überblick über die verschiedenen Stände zu behalten. Er wurde im Foyer ausgehängt, den Schülern aber auch in ausgedruckter Form in die Hände gedrückt. So fanden die noch minderjährigen, aber vielleicht zukünftigen Mitarbeiter der regionalen Firmen und Behörden den Weg zur TTD Akademie, zur Havelbus Verkehrsgesellschaft, zur e.dis, zu den Meister Schuhmann Installateuren, zur Stadt Falkensee, zu Fehmer, zur Lebenshilfe Havelland, zur Nagel-Group, zum TSV Falkensee oder zur Havelland Kliniken Unternehmensgruppe. Auch die LAFIM Diakonie, Panther Print, die Feuerwehr Falkensee und die Justiz im Land Brandenburg waren mit einem eigenen Stand vertreten.
Marcus Brandt von der Falkenseer Firma “Energiepark Brandenburg” machte die Schüler auf das Thema Solar aufmerksam: “Unser Unternehmen ist seit 18 Jahren in der Region tätig. Wir installieren Solar- und Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern von Privathäusern und Gewerbehallen. Wir haben volle Auftragsbücher, die hohen Stromkosten bringen viele Familien und Firmen dazu, über Alternativen nachzudenken. Wir bilden Servicetechniker im Bereich Elektro und Photovoltaik, technische Planer und Anlagenmechaniker (alle m,w,d) aus. Wer sich für diesen Bereich interessiert, kann bei uns auch ein Schülerpraktikum absolvieren.”
Stefanie Kempgens stand für die “BLG Industrie Logistik” am Stand: “Wir haben Standorte in verschiedenen Städten und beschäftigen insgesamt 430 Mitarbeiter. Am Standort Falkensee arbeiten 200 Kollegen. Wir sind ein Logistikunternehmen und dafür da, technische Teile von A nach B zu bringen. Die Teile werden auch in unserem Logistik-Lieferantenzentrum ein- und nach Kundenvorgabe wieder ausgelagert. Ein großer Kunde von uns kommt aus der Energiewirtschaft. Wir bilden Fachkräfte für die Lagerlogistik aus. Wir suchen aber auch Staplerfahrer, Kommissionierer, LKW-Fahrer, kaufmännische Mitarbeiter in den Leitstellen und Speditionskaufleute (alle m,w,d).”
Logistik bleibt gerade im Havelland ein großes Thema. Stefanie Kempgens: “Die Schüler zeigen durchaus Interesse. Wir wurden schon nach Praktika und nach Ausbildungsplätzen gefragt, haben auf der Messe aber auch schon einige Direktbewerbungen erhalten. Wir haben Telefonnummern ausgetauscht und werden im Nachgang zur Messe einmal telefonieren.”
Susanne Klaus ist die “Ausbildungsverantwortliche” für die Verwaltung im Landkreis Havelland. Sie sagte: “Bei uns ist immer etwas los. Auf der Perspektivmesse haben wir fünf duale Studiengänge und vier Ausbildungsberufe (alle m,w,d,) vorgestellt. Was bei uns im Fokus steht, ändert sich in jedem Jahr. Bei den technischen Berufen suchen wir zurzeit Auszubildende für den Straßenwärter und den Vermessungstechniker. Es werden auch Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste gesucht, das wird dann einmal der Nachwuchs für unser Archiv. Ein ganz typischer Beruf bei uns ist natürlich der Verwaltungsfachangestellte. Beim Dualen Studium geht es um die Soziale Arbeit, um das Vermessungswesen und um ein bauorientiertes Studium. Das war früher der Tiefbauer. Heute nennt man das Infrastruktursysteme. In diesem Beruf plant man unsere Kreisstraßen und die Radwege.”
Auch wenn man hört, dass der öffentliche Haushalt schrumpft, die Ausbildung im Landkreis leidet darunter nicht. Susanne Klaus: “Wir können uns bei den Ausbildungen nicht einschränken. Die Menschen, die wir ausbilden, sind unsere Zukunft. Uns werden in den kommenden Jahren viele Kollegen altersbedingt verlassen. All diese Stellen müssen neu besetzt werden.”
Antonia Schulze ist für das Wustermarker BioBackhaus im Bereich “Human Ressources” tätig: “Ich kümmere mich um die Einstellung von Mitarbeitern und Azubis, um die Aus- und Weiterbildungen, um Seminare, Schulungen und das Marketing. Für das BioBackhaus arbeiten inzwischen 250 Personen. Wir bilden Bäcker und Verkäufer (alle m,w,d) aus, sind aber für dieses Jahr bereits voll. Wir sind deswegen schon auf der Suche für das nächste Jahr.”
Das Interesse an einer Stelle im BioBackhaus ist groß – hier können die jungen Nachwuchskollegen im angesagten Bio-Sektor mit hochwertigen Lebensmitteln arbeiten, das kommt an. Antonia Schulze: “Unsere Bäcker arbeiten auch nicht mehr bis in den frühen Morgenstunden. Eine Schicht geht von 8 bis 16 Uhr und eine von 16:45 bis 1 Uhr nachts.”
Wie ist das Interesse der Schüler? Sandra Töhne ist Lehrerin in der Hans-Klakow-Gesamtschule in Brieselang. Sie unterrichtet die Klassenstufen 8 bis 10 in den Fächern WAT und Französisch: “Auf der Perspektivmesse habe ich vier 9. und vier 10. Klassen begleitet. Die Schule hat die Jugendlichen vom Unterricht freigestellt, das war eine Pflichtveranstaltung für sie. Sie sind mit den Öffentlichen angereist. Für die Schüler gab es ein Arbeitsblatt mit auf den Weg. Hier sollten sie Informationen über drei verschiedene Betriebe zusammentragen. Das Interesse der Schüler für die verschiedenen Ausbildungsbetriebe war in den 9. Klassen etwas höher als in den 10. Klassen. Die Schüler aus der 10. Klasse wissen oft schon, wie es für sie einmal weitergehen könnte. Sie haben oft schon eine Idee.”
Wie beurteilt die Lehrerin selbst die Messe? Sandra Töhne: “Die Messe ist schon sehr gut aufgestellt. Inzwischen kenne ich auch sehr viele Aussteller, das macht mir selbst viel Spaß, mit ihnen zu sprechen. Man muss nur schauen, dass auch die Schüler mit den Ausstellern ins Gespräch kommen. Das ist mitunter schwierig.” (Text/Fotos: CS)
Dieser Artikel stammt aus „Unser Havelland“ Ausgabe 232 (7/2025).
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